FibR-Pavillon auf der BUGA Heilbronn von Prof. Moritz Dörstelmann – Foto: FibR GmbH

Light Industrial und Smart Cities

Es waren Blicke in eine Zukunft, die schon begonnen hat: Mit fast tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte die Vortrags- und Diskursreihe „digital Mondays“ der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen an vier Montagen im Mai eine beeindruckende Resonanz verzeichnen. Die Mischung aus inspirierenden Vorträgen und interaktivem Gespräch, in das Moderator Christof Rose die vielfältigen Chat-Fragen und -Kommentare der online Teilnehmenden einflechten konnte, traf bei den Kammermitgliedern auf großes Interesse. Die Vorträge befassten sich mit dem digitalen Planen sowie Sehen und Gestalten; außerdem mit dem digitalen Produzieren und der smarten Stadt.

10. Juni 2021Autor: Christof Rose

„Käfer weisen die perfekte Ausformung von Funktion und Materialminimalisierung auf“, führte Tenure-Track-Professor Moritz Dörstelmann (KIT Karlsruhe) in seinen Vortrag zur digitalen Produktion ein. Er befasst sich in Forschung und Praxis intensiv mit dem Einsatz von Carbonfasern im Bauwesen, die er u.a. mit seiner Firma „FibR GmbH“ zu konstruktiven Bauteilen verspinnt und die sich häufig an Vorbildern aus der Natur orientieren. „Diese Konstruktionstechniken eröffnen nicht nur konstruktiv-technologisch, sondern auch gestalterisch-ästhetisch neue Wege“, führte Moritz Dörstelmann aus.

In der Praxis konnte die FibR-GmbH mit dieser Technik bereits verschiedene Pavillonbauten, zum Beispiel auf der BUGA Heilbronn, aber auch Fassadenkonstruktionen realisieren. Vorteile: Das Material sei leicht, belastbar und in der Regel die Lösung mit dem geringsten Materialaufwand. „Konstruktionen im Bereich ‚light industrial‘ überprüfen wir regelmäßig auf ihren ökologischen Fußabdruck, auf ihre Recyclingfähigkeit sowie ihre Langlebigkeit“, erklärte Moritz Dörstelmann auf Nachfrage. Ein großer Vorteil ergebe sich nicht zuletzt durch die Möglichkeit, die Abläufe auf der Baustelle - durch Vorproduktion der Bauelemente - schnell und „minimalinvasiv“ zu gestalten.

Im vierten Vortrag in der zweiten Staffel der „digital Mondays“ beschäftigte sich Prof.in Dita Leyh von der Hochschule Darmstadt mit der digitalen Stadt. Neben ihrer Lehr- und Forschungsarbeit befasst sich Dita Leyh mit dem „Internationalen Stadtbauatelier“ in Stuttgart auch ganz konkret mit der Planung von Smart Cities auf verschiedenen Kontinenten. So stellte sie etwa das Projekt „Nansha Smart City“ vor, die Planung einer neuen Stadt im chinesischen Pearl River Delta zwischen Guangzhou, Macau und Hongkong. „Ziel ist hier die Schaffung eines modernen, intelligenten, umweltgerechten und lebenswerten urbanen Zentrums“, erläuterte Professorin Leyh. Die „smarte“ Vernetzung entstehe insbesondere in den Handlungsfeldern Stadtentwicklung, Business & Industrie, Hafen & Logistik, Mobilität, Stadtservice, Freizeit & Tourismus, Energie, Umwelt sowie Ausbildung.

In der Diskussion zeigten viele Teilnehmer des digital Monday erhebliche Vorbehalte und äußerten sich kritisch zu der intensiven Datenerfassung, welcher Bürgerinnen und Bürger in „Smart Cities“ ungefragt unterworfen würden. Professorin Leyh ergänzte weitere kritische Aspekte, die nicht ignoriert werden dürften, etwa Sicherheit vor Hackerangriffen und die Filterung von Informationen. „Planung entsteht immer vor kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen“, bemerkte Dita Leyh. Es sei schwierig, unser Wertesystem auf andere Länder zu übertragen. Gleichwohl verfolge sie den Ansatz, Maßnahmen auf Vor- und Nachteile abzuwägen, intelligente Stadtsysteme partizipativ anzulegen und Quartiere zum Wohle der Menschen und der Umwelt zu gestalten.

Die Reihe „digital Mondays“ soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

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