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Architektur und XR: Vernetzung aller Beteiligten

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Können virtuelle Räume auch soziale Räume konstituieren? Wie wird „cross reality“ (XR) das Verhältnis von Körper und Raum, von Mensch und Technik verändern? Und welche Potenziale bieten sich dadurch für den Bereich der Architektur und den Sektor „Planen und Bauen“ im Konzert der kreativen Berufe? Diesen Fragen gingen am 30. August auf der c/o pop convention in Köln rund 200 Mitglieder der „kreativen Klasse“ Nordrhein-Westfalens nach. Für die Architektenkammer NRW stellten Vorstandsmitglied Martin Müller und Architekten des Büros KZA aus Essen das dreidimensionale Planen und die Arbeit mit dem Building Information Modeling vor.

„XR“ - der Begriff beschreibt die technischen und strukturellen Voraussetzungen und Möglichkeiten, die sich aus dem Zusammenspiel virtueller Welten und Netzwerke mit der realen Welt ergeben. Der Begriff ist damit umfassender als seine Teilsegmente „augmented reality“ (erweitere technische Informationen zu realen Objekten oder Personen), „virtual reality“ (computergenerierte Welten) oder „mixed reality“ (gezielte Kombination von virtuellen und realen Welten).

AKNW-Vorstandsmitglied Martin Müller nimmt in seiner Funktion als Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer regelmäßig an den Sitzungen des „Creative.Board“ teil, einem Expertengremium der Kreativwirtschaft, das unter Leitung von NRW-Wirtschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart tagt. Der Sektor „Architektur“ ist dabei eine von elf Säulen der nordrhein-westfälischen kreativen Klasse.

In Köln erläuterte Innenarchitekt Müller in der Sitzung des Creative.Board die wachsende Bedeutung des Planungsinstruments BIM. „Das Building Information Modeling führt zu einer engen Vernetzung aller Planungsbeteiligten und wird zweifellos die Einbindung weiterer kreativer Berufsgruppen ermöglichen“, prognostizierte Müller. Deutlich wurde dies in der Sitzung am Beispiel eines Anbieters von Laserscannern, der exakte Aufmaße bestehender Gebäude in allen computer-abtastbaren Details vornehmen kann, sowie von Game-Designern, die virtuelle Städte auf Grundlage realer Basisdaten entstehen lassen.

Martin Müller verwies im Beisein des nordrhein-westfälischen Wirtschafts-, Innovations- und Digitalisierungsministers Pinkwart auch auf die politischen Implikationen dieser Entwicklung. „Wenn öffentliche Stellen bei der Ausschreibung von Planungsleistungen den Einsatz von BIM einfordern, hat das erhebliche Auswirkungen auf unsere Branche.“ Müller betonte, dass die Architektenkammer NRW diese Herausforderung im Sinne ihrer Mitglieder offensiv aufnehme und im Verbund der Länderarchitektenkammern bereits über die Akademien der Kammern einen bundesweiten BIM-Standard erarbeitet habe.

Ein praktisches Beispiel für das Arbeiten mit BIM stellten Ulrike Wallbott und Marel Roling vom Büro KZA Architekten aus Essen vor. Das Architekturbüro hatte kürzlich einen Büroneubau für einen Auftraggeber aus dem IT- und Kreativsektor realisieren können - überwiegend unter Einsatz von Building Information Modeling. „Das hat uns bei Entscheidungsprozessen mit dem Bauherrn ungemein geholfen, weil wir Änderungswünsche des Bauherrn im Entwurf schnell umsetzen konnten“, erklärte Architektin Wallbott. Auch eine virtuelle Begehung des entworfenen Gebäudes mithilfe von VR-Brillen habe für den Auftraggeber große Überzeugungskraft entfaltet.

Die c/o pop convention diskutierte unter dem Leitthema „XR - extended realities“ branchenübergreifend kreative Chancen und wirtschaftliche Potenziale, aber auch Gefahren, die sich aus der zunehmenden Virtualisierung unseres Alltags und der damit verbundenen Datenerfassung ergeben. So verwies Andreas Enslin, Designdirektor bei Miele, auf die Verantwortung der Produktdesigner, die eine ganze Kultur beeinflussen können (Beispiel: iPhone). Gleichzeitig verschiebe sich in der Produktentwicklung (wie in der Architektur) das „level of detail“ immer weiter nach vorne. „Das kostet so viel Zeit, dass sich ein freies Entwerfen und Träumen aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend verbietet.“ Julian Pfahl vom Landesverband der Freien Darstellenden Künste betonte dagegen die Möglichkeit, neue Räume und Raum-Köprer-Verhältnisse zu gestalten. „XR hat für uns ein Riesenpotenzial, u.a. in der gemeinsamen Entwicklung mit Akteuren aus der Architektur.“ Dabei würden auch konkrete, physikalische Räume der Collaboration und des persönlichen Austausches immer wichtiger.

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