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Ausstellung im HdA: Weiße Stadt im fotografischen Vergleich

  • Das Bild zeigt die Fotografin Irmel Kamp auf der Vernissage ihrer Ausstellung, umgeben von ihren Bildern und Gästen.

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    Vernissage mit Fotografin Irmel Kamp (m.) sowie (v. l.) Hans-Georg Lohe (Kulturdezernent Düsseldorf), Michael Rubinstein (Geschäftsführer Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein), Friederike Jenderek (Jüdische Kulturtage), Sylvia Böhmer (Suermondt Ludwig Museum Aachen), Dr. Regina Plaßwilm und Michael Arns (Vizepräs. AKNW) – Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW

Wohl keine andere Stadt hat so viele Bauten der Moderne auf so engem Raum versammelt wie Tel Aviv. Mehr als 4000 Wohngebäude und sonstige Bauwerke sind in der israelischen Metropole zu besichtigen. Mit der Ausstellung „Tel Aviv – Neues Bauen“ stellt die aus Düsseldorf stammende Fotografin Irmel Kamp noch bis zum 3. Mai 2019 im „Haus der Architekten“ im Düsseldorfer Medienhafen rund 30 Bauwerke vor, die sie Ende der 1980er Jahre in Tel Aviv dokumentierte – und die sie im Jahr 2018 erneut aufgesucht und fotografiert hat. Die Gegenüberstellung zeigt Alterung und Entwicklung, Brüche und Kontinuitäten auf. Und die Fotos dokumentieren eine einzigartige Architektur, die den Stil den Neuen Bauens in einer ortsspezifischen Ausprägung umsetzt.

„Bei meiner ersten Reise nach Israel 1987 überraschte und faszinierte mich die Architektur des Neuen Bauens in Tel Aviv in so nachhaltiger Weise, dass aus dieser Begegnung ein fünfjähriges Fotografie-Projekt entstand.“ Das notierte die Fotografin Irmel Kamp, die seit langem in Aachen und in der Schweiz lebt, über ihre erste Begegnung mit der Architektur Tel Avivs. In der israelischen Mittelmeerstadt reihen sich kubistische Wohnhäuser mit rundschwingenden Balkonen und vertikalen Lichtleisten aneinander.

Die „Weiße Stadt“ Tel Aviv steht seit 2003 als Weltkulturerbe der UNESCO unter einem besonderen Schutz. Irmel Kamp zeigte sich anlässlich der Vernissage im Haus der Architekten nicht allein fotografisch fasziniert von der Ausstrahlung Tel Avivs. „Ich habe auch im Auftrag der Deutschen Forschungsgesellschaft rund zwei Jahre lang Bauakten gesichtet und nach den Architekten der Weißen Bauten gesucht.“ Als Fotografin interessiere sie die große Plastizität der Bauwerke, ihre Formensprache, die durch starke Horizontalen geprägt sei. 

Entdeckerin und Chronistin

Irmel Kamp sei das Thema als Entdeckerin und Chronistin angegangen, konstatierte Sylvia Böhmer, Kuratorin Fotografie vom Suermondt-Ludwig Museum in Aachen. Zum Zeitpunkt des ersten Aufnahmezyklus` von 1988 bis 1990 habe die Weiße Stadt Tel Aviv international noch nicht im Fokus gestanden; der Weltkulturerbestatus sei ja erst 2003 verliehen worden. Die Schwarz-Weiß-Fotografie Kamps rücke das einzelne Bauwerk in den Blick des Betrachters und lasse die Gebäude als Individuen erscheinen.

„Irmel Kamp sucht stets nach der aussagekräftigsten Ansicht. Die Gebäude erscheinen in ihren Bildern stark akzentuiert, jedes Bildmotiv bewusst komponiert“, erläuterte die Fotokunstexpertin. Irmel Kamp nutze das Licht des Mittelmeeres, den starken Kontrast von Licht und Schatten, den Dreiklang von Straße, Bauwerk und Himmel. Häufig unterstreiche eine bewusste Untersicht die Dynamik eines Bauwerks. Dennoch behielten die Fotografien von Irmel Kamp im Kern ihren dokumentarischen Charakter. „Kamp nimmt nur Qualitäten auf, die tatsächlich vorhanden sind. Hier wird nichts geschönt.“

Vergleich über einen Zeitraum von 30 Jahren

In der Ausstellung „Tel Aviv - Neues Bauen“ werden Fotografien des Neuen Bauens von Irmel Kamp aus den Jahren 1988 bis 1990 gezeigt. Diesen heute schon historisch erscheinenden Arbeiten stellt Irmel Kamp neue Fotografien gegenüber, die im vergangenen Jahr bei einem erneuten Besuch in Tel Aviv entstanden. „Die vergleichende Betrachtung macht deutlich, mit welcher Intensität die Architektur der Moderne bis heute die Stadt Tel Aviv prägt“, erklärt Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. „Die Ausstellung zeigt aber auch exemplarisch, welchen oft schleichenden Veränderungsprozessen Bauwerke unterworfen seien: vom Um- und Ergänzungsbau über Aufstockungen und Bepflanzungen bis hin zu den Extrempolen Abriss oder vollständiger Erhalt des Originalzustandes.“ 

Erfreulicherweise waren die meisten der von Irmel Kamp Ende der 1980er Jahre dokumentierten Bauten 30 Jahre später als Baukörper unversehrt erhalten. Die fotografische Gegenüberstellung verdeutlicht, inwieweit gesellschaftlicher Wandel und eine wachsende Metropole – einerseits bewahrend, jedoch andererseits ignorierend – mit der ausdrucksstarken Bausubstanz der 1930er Jahre korrespondiert.

Beitrag zu den „Jüdischen Kulturtagen“

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen beteiligt sich mit der Ausstellung „Tel Aviv - Neues Bauen“ am Programm der „Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2019“. Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe dankte der AKNW für die Bereicherung des insgesamt 200 Veranstaltungen umfassendes Programms, das mit Irmel Kamps Fotografien um eine architektonische, foto-künstlerische Dimension erweitert worden sei. 

Irmel Kamp: „Tel Aviv – Neues Bauen“

03.04. – 03.05.2019 Haus der Architekten (Zollhof 1, 40221 Düsseldorf-Medienhafen). Öffnungszeiten: Mo. – Fr., 09.00 – 17.00 Uhr. Eintritt frei.

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