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Europäischer Holzbaukongress: Potenziale des Holzbaus für das Wohnen

Holz wächst - auch in der Architektur. Die neue Landesbauordnung NRW, die am 1. Januar 2019 in Kraft tritt, erweitert die Möglichkeiten für das Planen und Bauen mit Holz vor allem im Bereich des Wohnungsbaus. Zudem zeigen immer mehr internationale Projekte, dass Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und der Dauerhaftigkeit von Holzbauwerken unbegründet sind. Entsprechende Beispiele gab es am 16. und 17. Oktober 2018 auf dem „11. Europäischen Kongress: Bauen mit Holz im urbanen Raum“ in Köln zu sehen. Mehr als 700 Fachleute aus Planung und Ausführung nahmen an der Veranstaltung des „Forum Holzbau“ teil.

Ressourcenschonung, Stärkung des Recyclings, mehr Grün in den Städten: In seinem Impulsreferat stellte Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, die Vorteile einer verstärkten Nutzung von Holz heraus. Mit der neuen Möglichkeit, bis zu 22 Meter hoch zu bauen, beschreite die neue Landesbauordnung einen innovativen Weg. „Das ist eine echte Chance für den ökologischen Faktor Holz und für qualitätvolles Bauen in unseren Städten.“

Gebaute Beispiele dafür lieferten die Referenten des Blocks „Architektur: Geschossbau“, den die Architektenkammer NRW als Partner des Forums Holzbau inhaltlich gestaltet hatte. Jürgen Bartenbach von Sauerbruch Hutton aus Berlin stellte das „Universal Design Quartier - Woodie“ vor, das im Hamburger IBA-Stadtteil Wilhelmsburg aus 371 vorgefertigten Holzmodulen errichtet wurde. „Die Boxen wurden als komplett umschlossene Baukörper inklusive Bad, Kochbereich, Möblierung und Verkabelung im Werk hergestellt und per Tieflader nach Hamburg gebracht“, erläuterte Architekt Bartenbach. Die Holzboxen des als Studentenwohnheim konzipierten Bauwerks wurden auf einen aufgeständerten Stahlbetontisch mit Stahlbeton-Erschließungskernen in fünf Geschossen gestapelt. Nachteil des Verfahrens sei, so Bartenbach, dass alle Decken- und Wandelemente natürlich doppelt aneinander lägen. „Ein solches Bauwerk ist immer auch ein Experiment.“

Das bestätigte auch Kay Marlow von MOSAIK-Architekten aus Hannover. Er stellte eine neue Wohnsiedlung vor, die von den Verkehrsbetrieben „Üstra“ projektiert wurde, um unter anderem Mitarbeiter mit modernem sowie bezahlbarem Wohnraum in zentraler Lage versorgen zu können. „Wir nutzen vorelementierte Bauteile aus Holz“, erläuterte Architekt Marlow. Da der Bauherr gesunde Wohnungen mit hoher Aufenthaltsqualität anstrebt, würden auch die Innenwände der Wohnungen holzsichtig bleiben. „Wir werden sehen, wie gut das im Mietwohnungsbau funktioniert“, meinte Kay Marlow.

Für eine Begriffsklärung sorgte in dem von vielen Architektinnen und Architekten besuchten Themenblock „Architektur“ auf dem 11. Europäischen Kongress „Bauen mit Holz im urbanen Raum“ Prof. Dr. Jutta Albus von der TU Dortmund, die sich intensiv mit Rationalisierungsprozessen im Bausektor befasst. Bauen mit Holz sei gegenüber massiven Bauweisen um etwa 15 Prozent teurer. „Berücksichtigt man Life-Cycle-Kosten und ökologische Aspekte, relativiert sich das natürlich“, so Jutta Albus.

AKNW-Vizepräsident Michael Arns hob in einem Statement aus dem Publikum hervor, dass Holz als Baustoff eine lange Tradition in mehreren nordrhein-westfälischen Regionen habe. Zu qualitätvoller Planung gehöre auch, solche Traditionen zu wahren und weiterzuentwickeln.

Holzbaupreis NRW 2018

Im Rahmen des „Europäischen Kongresses für das Bauen mit Holz im urbanen Raum“ wurde der Holzbaupreis NRW 2018 verliehen. Aus 35 eingereichten Bauwerken wählte die Jury unter dem Vorsitz von AKNW-Vizepräsident Michael Arns sechs vorbildlich in Holzbauweise realisierte Bauten als gleichrangige Preisträger aus. Mit dem Holzbaupreis NRW 2018 ausgezeichnet wurden:

Gastronomiepavillon Martin-Luther-Platz in Düsseldorf
Molestina Architekten Gesellschaft für Architektur, Köln


Jurybegründung: „An einer herausragenden Stelle in Düsseldorf, am Martin-Luther-Platz gegenüber der Johanneskirche, entstand dieser markante, klar strukturierte Baukörper. [...] Sowohl städtebaulich als auch architektonisch und konstruktiv ist den Planern ein für diesen Ort herausragendes Gebäude gelungen, welches seine Funktion als Gastronomiepavillon mit Ausstellungsflächen sicherlich sehr zufriedenstellend erfüllen wird.“

Wohnungsbau für Flüchtlinge in Frechen-Habbelrath
Architekt Stawros Chatzoudis, GWG Wohnungsgesellschaft, Rhein-Erft


Jury: „Der Neubau dieses Wohngebäudes versteht es in vorbildlicher Weise, die Vorzüge des Baustoffs Holz zu nutzen, um in kurzer Zeit wirtschaftlich qualitativ hochwertigen Wohnraum zu realisieren – und das auch noch umweltbewusst.“ [...]

Ford Showroom in Halle
Wannenmacher + Möller Architekten, Bielefeld


Jury: „Understatement statt Repräsentation. Statt eines konventionellen repräsentativen Verkaufspavillons wurde hier eine minimalistisch schlichte Ausstellungshalle geschaffen, deren Wirkung durch den eindrucksvollen Kontrast des gelaugten Holzes zum Blech der ausgestellten Kfz überzeugen dürfte. [...] Ein eindrucksvoll einfacher Showroom ist hier gelungen.“

Golf-Lodge auf Schloss Auel in Lohmar
oxen architekten, Köln


Jury: „Der monolithische Baukörper aus dunklem Schiefer passt sich gestalterisch dem vorhandenen Denkmalensemble an. Er wirkt zurückhaltend in der Landschaft, wenige Öffnungen an den Längsseiten und vollflächig verglaste Giebelseiten tragen hierzu bei. Dach- und Fassadenverkleidung gehen ohne Dachüberstand ineinander über und verstärken die fast puristische Gestalt dieses zurückhaltenden und monolithischen Baukörpers.“ [...]

Bürogebäude H7 im Hafen in Münster
Andreas Heupel Architekten BDA, Münster


Jury: „H7 ist zurzeit mit sieben Geschossen das höchste Holz-Hybrid-Bürogebäude in Norddeutschland, bei dem auf die Kapselung der Holzkonstruktion verzichtet werden konnte. Das schmale, in Nord-Südrichtung orientierte Grundstück prägt den Flachdach-Baukörper im Grundriss und in der Höhenentwicklung und gliedert sich gut in die Bebauung des Münsteraner Innenhafens ein.“ [...]

Baumwipfelpfad mit Aussichtsturm in Nutscheid, Waldbröhl
Ahrens & Eggemann, Architekten und Ingenieure, Wiehl


Jury: „Dieses Bauwerk ist ein Ensemble aus den drei Einzelbauwerken: Zugangsbauwerk, Wipfelpfad und Aussichtsturm. Für alle drei Bauwerke ist aufgrund ihrer Lage in der freien Landschaft besonderes Augenmerk auf den konstruktiven Holzschutz zu legen. Dies ist mit vielen Detaillösungen wie mehrseitige, hinterlüftete Abdeckungen der Tragbauteile und deren Verbindungen oder Minimierung von Punkten, an denen notwendige Verbindungsmittel Schutzbauteile durchdringen, gut gelungen.“ [...]

Für fünf weitere Bauwerke sprach die Jury gleichrangige Anerkennungen aus:

  • Einfamilien-Wohnhaus C in Rösrath-Hoffnungsthal (Architekt Stawros Chatzoudis, Rösrath)
  • Gastronomie an der Mollbeck in Recklinghausen (Feja & Kemper Architekten und Stadtplaner, Recklinghausen)
  • Einfamilien-Wohnhaus A in Dortmund (Geitner Architekten, Düsseldorf)
  • Kapelle des DPSG Diözesanverbands in Rüthen (RSK Architekten, Rehermann Scherhans, Bielefeld)
  • Einfamilien-Wohnhaus „Horreum“ in Nettersheim (Denzer & Poensgen Architekt + Innenarchitektin, Nettersheim)      

Zum Holzbaupreis gibt es eine Dokumentation, die beim Landesbeirat Holz angefordert werden kann unter info@landesbeiratholz-nrw.de

 

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