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Evangelische Kirche von Westfalen erhält "Ausloberpreis 2018"

Mehr als 25 geregelte Wettbewerbe in zehn Jahren - diese beeindruckende Zahl zeigt: Die Evangelische Kirche von Westfalen ist sich als Bauherrin ihrer Verantwortung für die Baukultur in der Region bewusst. Aus diesem Grund hat die Architektenkammer NRW ihr am 20. Februar 2018 in Schwerte den Ausloberpreis 2018 verliehen.

"Das Engagement der Evangelischen Kirche von Westfalen für das Wettbewerbswesen ist vorbildlich", begründet der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing, die Verleihung des Ausloberpreises. Besonders hervorzuheben sei, dass die Kirchengemeinden zahlreiche Wettbewerbe für vergleichsweise kleine Bauprojekte und für Baumaßnahmen im Bestand ausgelobt hätten. "Hier zeigt sich, dass Architektenwettbewerbe auch für kleinere Bauaufgaben das richtige Vergabeinstrument sind."

Kirchen: Blickpunkt der Öffentlichkeit

Kirchliche Bauten stehen im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Sie liegen exponiert, häufig denkmalgeschützt und sind als Orte der Begegnung und der Besinnung konzipiert. Insofern stellen sie höchste Anforderungen an Architektur und Städtebau. Mit ihren Ausschreibungsverfahren wird die Evangelische Kirche von Westfalen diesen Anforderungen in hohem Maße gerecht. Denn geregelte Wettbewerbe versprechen optimale Planungsergebnisse, indem sie funktionale, wirtschaftliche, städtebauliche und gestalterische Aspekte vereinen und zugleich für große Akzeptanz bei Nutzern und der Bevölkerung sorgen.

Wettbewerb verbessert Arbeitsprozess

"Bereits der Wettbewerb selbst war für die teilnehmenden Gemeinden und Gremien eine bereichernde und vergewissernde Erfahrung", bestätigt Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Die Wettbewerbsverfahren hätten zu einem intensiven internen Austausch, zu einer genauen Aufgabendefinition und zu Transparenz innerhalb der jeweiligen Planungs- und Bauprozesse beigetragen. "Dass die Ergebnisse überzeugen, zeigt die Dokumentationsschrift der Architektenkammer NRW, die uns bei künftigen Bauverfahren in den Gemeinden sicherlich als Argumentationshilfe dienen kann."

Regionaltypische Architektursprache

Zu den Bauaufgaben, welche die Gemeinden der Evangelischen Kirche von Westfalen mit Architektenwettbewerben erfolgreich lösen konnten, gehörten beispielsweise der Neubau des Martin-Luther-Gemeindehauses an der Kirche in Sprockhövel-Haßlinghausen, der Umbau der Evangelischen Kirche Dortmund-Eving zu einem Gemeindezentrum, der Neubau des Martinszentrums in Bottrop oder der geplante Neubau eines Verwaltungsgebäudes am Coesfelder Kreuz in Münster. Zu vielen Wettbewerben wurden Architekturbüros aus der jeweiligen Region eingeladen; die gebauten Objekte lassen durchaus eine regionaltypische Architektursprache erkennen.

Mit der Verleihung des Ausloberpreises will die Architektenkammer NRW ein Zeichen für das Wettbe-werbswesen setzen und andere Auftraggeber motivieren, dem Beispiel der Evangelischen Kirche von Westfalen zu folgen.

Zum "Ausloberpreis 2018" ist eine Dokumentation erschienen, in der die Wettbewerbsverfahren der vergangenen zehn Jahre der Evangelischen Kirche von Westfalen in Text und Bild vorgestellt werden. Die Broschüre kann kostenlos bei der Architektenkammer NRW bestellt werden (poststelle@aknw.de) und steht zum Download hier bereit.

Die Evangelische Kirche von Westfalen ist der neunte Preisträger (2015: Wohn+Stadtbau, Münster; 2011: Regionale 2010 Agentur, 2008: BLB NRW Niederlassung Aachen, 2006: Bischöfliches General-vikariat Münster; 2001: Stadt Hamm; 1996: Stadt Lemgo; 1994: Stadt Köln; 1992: Stadt Münster). Die Auszeichnung ist nicht dotiert.

Hintergrund: Architektenwettbewerbe


Wer einen Architektenwettbewerb auslobt, erhält zum Preis eines Vorentwurfs viele unterschiedliche Vorentwürfe für sein Bauvorhaben. Zu den Kernelementen des Architektenwettbewerbs gehört die Anonymität der Verfasser (eine Jury wählt aus anonymisierten Planungsunterlagen aus), die neutrale Bewertung der eingereichten Arbeiten anhand eines festen Kriterienkatalogs und die Transparenz des Verfahrens.

Der Architektenwettbewerb ist einzigartig als Verfahren, für ein Projekt die beste Lösung und den ge-eigneten Architekten zu finden. Nirgendwo sonst in der Wirtschaft erbringen Mitglieder eines Berufs-standes so umfangreiche Leistungen ohne die Gewissheit, dafür vergütet zu werden. Aber auch eine Gegenleistung wird für diesen Einsatz erwartet: Es ist die Zusage, dass einer der Preisträger mit dem anschließenden Auftrag rechnen darf und dass das Verfahren nach fairen Spielregeln abläuft.

In Nordrhein-Westfalen gilt die „Richtlinie für Planungswettbewerbe“ (RPW 2013), die das Land NRW 2014 für seine Wettbewerbsverfahren als verbindlich festgelegt hat. Die RPW 2013 wurde zuvor bereits vom Bundesbauministerium für alle Planungswettbewerbe des Bundes eingeführt.

Gegenwärtig werden in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr rund 70 – 100 Wettbewerbsverfahren nach den anerkannten Wettbewerbsregeln durchgeführt und von der Architektenkammer NRW registriert. Allen Bauherren, die sich für die Auslobung eines Wettbewerbs interessieren, bietet die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen eine kostenlose, persönliche Beratung vor Ort an.

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