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Internationaler Stahlbau-Kongress: Maßstab ist der Mensch!

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    Referenten (v. l.): Heiko Krech, Lars Courage, Thomas Schinko, Dr. Martin Theuringer, Dr. Horst Dieter Schulz, Martin Grassl, Stephan Lemgen, Diederik Dam, Thomas Dudeney, Douglas Stirk und Moderatorin Ilka Groenewold – Fotos: Karsten Rabas / Wirtschaftsvereinigung Stahl

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    Mehr als 700 Architektinnen und Architekten kamen zum Kongress „Bauen mit Stahl“ in die Rheinterrasse nach Düsseldorf

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    Talkrunde zum Auftakt mit (v. l.): Ilka Groenewold (Moderatorin), Paul Niederstein (Vorstandssprecher Industrieverband Feuerverzinken e.V.), Ernst Uhing (Präsident der Architektenkammer NRW) und Dr. Martin Theuriner (Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl)

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    Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW, sprach ein Grußwort

„Maßstab ist der Mensch“ – unter diesem Motto stand der 10. Internationale Architektur-Kongress „Neues Bauen mit Stahl“, den die Wirtschaftsvereinigung Stahl in Kooperation mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und weiteren Partnern am 15. Januar in der Rheinterrasse Düsseldorf durchführte. Mit mehr als 700 Teilnehmern war auch die zehnte Ausgabe der Fachtagung ein voller Erfolg. „Das Planen und Bauen mit Stahl ermöglicht ambitionierte, ausdrucksstarke Entwürfe, die städtebauliche Impulse setzen und nachhaltige Qualitäten schaffen können“, erklärte der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing, in der einführenden Talkrunde. Gerade bei großen Bauwerken, die im Rahmen des Kongresses von international renommierten Architekten vorgestellt wurde, müsse der Anspruch gelten, Beiträge zur Baukultur zu schaffen, betonte Ernst Uhing.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, hob in ihrem Grußwort hervor, dass die regelmäßige Diskussion über die Qualitäten des Werkstoffs Stahl für den Bausektor „im Stahlland Nr. 1“ unverzichtbar sei. Sie freue sich deshalb, dass der gemeinsame Kongress von Stahlbranche und Architektenkammer, sich mit seiner zehnten Ausgabe als Marke etabliert habe. „Stahl ist ein Werkstoff mit Zukunft, der innovative Architekturen ermöglicht“, erklärte die NRW-Bauministerin. Sie verwies auf die lange Tradition in der Stahlproduktion und im Stahlbau, u.a. mit dem Mannesmannhochhaus, dem ersten Stahlskelettbau in Deutschland der Nachkriegszeit. „Zahlreiche Gebäude der öffentlichen Hand stehen gegenwärtig zur Überarbeitung oder zum Neubau an“, sagte Scharrenbach. Dabei spiele Stahl eine wichtige Rolle, auch mit Blick auf ein Bauen, das die Lebenszykluskosten und auch einen Rückbau von vornherein berücksichtige. „Dieser Kongress zeigt Kreativität und Innovation und bietet damit einen weiten Blick über den Tellerrand der täglichen Arbeit“, so Ina Scharrenbach.

Auch die Veranstalter des Kongresses unterstrichen in ihrer einführenden Talkrunde die ökologischen Aspekte des Werkstoffs Stahl. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dr. Martin Theuringer, hob hervor, dass Stahl nahezu vollständig recycelt werden könne. Auch Paul Niederstein, Vorstandssprecher Industrieverband Feuerverzinken, setzte auf die Dauerhaftigkeit von Stahl, die insbesondere mit Blick auf den Brandschutz noch optimiert werden könne, wenn die Stahlelemente feuerverzinkt würden. Stephan Lemgen, Vorsitzender des Vorstands baustahlforum e. V., erklärte, der Anteil von der Nutzung von Stahl im Bausektor liege in Deutschland bei etwa 20 Prozent, in Holland etwa doppelt so hoch. „Die Niederländer haben den Nachhaltigkeitsgedanken im Bauwesen früher und fester verankert als wir“, führte Lemgen aus. „Es ist abzusehen, dass auch bei uns durch die Umsetzung der Klimaschutzziele das Bauen mit dem Werkstoff Stahl weiter wachsen wird.“ Hilfreich sei auch die Digitalisierung der Planungsbranche, weil die Konstruktion mit Stahl sehr gut zu berechnen und darzustellen sei.

Leichtes Tragwerk für große Weiten
„Der Werkstoff Stahl spielt in unserer Arbeit eine ganz zentrale Rolle“, erklärte Andrew Kiel vom Architekturbüro Sauerbruch Hutton (Berlin) zum Auftakt der Werkvorträge. Das Berliner Büro mit seinen über 100 Mitarbeitern nutze Stahl u.a., um die Einhausung großer Flächen möglichst ohne störende Stützpfeiler umsetzen zu können - beispielsweise beim „Museumsquartier M9“ in Venedig am Convento delle Grazie. Hier wurde eine ehemals geschlossene Blockbebauung aufgebrochen, um Besucher in einen überdachten Innenhof zu locken. Das Dach ist eine Stoffmembran, die das Raumklima positiv beeinflusst. „Wir nutzen hier eine leichte Stahlkonstruktion, welche die Membran trägt, um einen klaren Kontrast zu setzen gegenüber den historischen Baukörpern.“ Auch für große Hallenkonstruktionen setzt Sauerbruch Hutton leichte Stahlträger ein, etwa beim Hub für Logistik von Gira in Radevormwald. Das Tragwerk ist konstruktiv, gestaltet aber auch den Raum. Dazu konnte ein Mezzaningeschoss für die Verwaltung unter dem Dach eingehängt werden.

Konstitutiv nutzte das Büro den Werkstoff Stahl auch bei dem Neubau der „Experimenta“ in Heilbronn, die 2019 fertiggestellt wurde. Das Bauwerk liegt peripher am Neckar, innerhalb des neuen grünen Streifens, der im Rahmen der Bundesgartenschau in der alten Reichsstadt Heilbronn realisiert werden konnte. Hier wollte die „Experimenta“ sich ausweiten. Sauerbruch Hutton gewannen den Wettbewerb mit einem Entwurf, der aus gestapelten, verdrehten Fünfecken bestand. Die innere, spiralförmige Erschließung ermöglicht Aus- und Einblicke. „Wir haben eine Fachwerkkonstruktion für die Ausstellungsräume gewählt und Zugstangen, um das Haus mit der Spirale zu erschließen“, erläuterte Andrew Kiel. Auch die Fassade sei vollständig aus Stahl. Das Gebäude wurde komplett in BIM geplant. „Wir haben ein parametrisches 3D-Modell entwickelt, das es uns ermöglichte, die Fassadenmodule optimal zu berechnen, sodass wir mit wenigen Modulformen auskamen und das Projekt eine hohe Wirtschaftlichkeit aufweist.“ Zudem sei das Gebäude nachhaltig konzipiert und DGNB Diamant zertifiziert.

Emaillierter Stahl als Fassadenelement
Thomas Schinko, Vasconi Architectes (Paris, Luxemburg, Hongkong), unterstrich in seinem Beitrag die Dauerhaftigkeit von Stahlbauteilen. Er stellte exemplarisch das Projekt „Royal Bank of Canada“ in Luxemburg vor, das Vasconi Architectes auf einem ehemaligen Acelor-Stahlgelände realisieren konnten. Hier entstand vor rund zehn Jahren ein neuer Stadtteil, in dem Thomas Schinko mit einem großen Turm eine Landmarke setzen konnte, die neben den Büroflächen auch ein öffentlich zugängliches Atrium, Ausstellungsflächen und ein großes Auditorium umfasst. „Die leuchtend rote Fassade besteht aus 3,20 Meter langen, emaillierten Stahlpaneelen“, erläuterte Thomas Schinko. Die Fassade weise industrielle Qualität auf, sei vollständig selbstreinigend und Graffitiresistent. „Der Bauherr war davon so begeistert, dass er das Material auch in der Chefetage haben wollte“, berichtete der Architekt. „Wir haben dann die Treppenhäuser und die Aufzüge auch mit den rot emaillierten Stahlpaneelen verkleidet, in Reminiszenz an die Gluthitze der früher auf diesem Standort aktiven Stahlöfen.“ Das Gebäude stehe heute - nach zehn Jahren - noch völlig unverändert da.

Ähnlich setzten Vasconi Architectes Stahl-Fassadenelemente auch in der „Gallieni Highschool for Automotive Design“ in Toulouse ein, einem komplett modular aufgebauten Gebäude, das auf der Baustelle zusammengesteckt wurde. „Die Stahl-Fassaden- und Deckenteile haben durch die Vorfabrikation eine so hohe Qualität, dass der Rohbau gleichzeitig der Ausbau ist“, erläuterte Thomas Schinko.

„Stahl ist für mich ein attraktives Material, weil wir damit Gebäude bauen können, die hochflexibel sind. Wir können große Spannen bauen, und das Material ist zu über 90 Prozent recycelbar. Das ist für uns wichtig, auch weil das in Frankreich genau nachgefragt wird.“ Die emaillierten Stahlfassaden hätten eine extrem lange Lebensdauer. Für eine Schlammaufarbeitungsanlage in Hong Kong hätten Vasconi Architectes eine Garantie von 50 Jahren geben müssen. „Wir haben das auch untersuchen lassen. Ein besseres Fassadenmaterial haben wir nicht gefunden.“

Poesie mit Stahl
„Stahl ist ein leistungsfähiger technologischer Baustoff, der aber auch viel Poesie und Identität stiften kann.“ Mit dieser Aussage stieg Heiko Krech in seinen Vortrag ein. Sein Büro Barkow Leibinger (Berlin/New York) baut seit 20 Jahren für die Firma Trumpf, die metallverarbeitende Maschinen produziert. Für den Campus von Trumpf am Hauptstandort Ditzingen bei Stuttgart wurde ein Eingangsgebäude konzipiert, das Aufgabe und Philosophie der schwäbischen Firma widerspiegeln sollte. Das neue Eingangsgebäude besticht durch ein weit auskragendes Dach, das vollständig aus Metallprofilen vorgefertigt wurde und unterseits mit einem in der Firma hergestellten Metallprofil verkleidet ist. „Damit wird der Kunde bereits am Eingang des Campus auf den Markenkern der Firma und Qualitäten des Werkstoffs hingewiesen“, führte Krech aus.

Noch eindrucksvoller erscheint die neue „Smart Factory Chicago“, der Vertriebsstandort von Trumpf in den USA: Das Bauwerk wurde von Barkow Leibinger im Jahr 2018 auf dem Gelände des aufgegeben Campus‘ von AT & T entlang der Autobahn gebaut, „denn es ging um Sichtbarkeit des Unternehmens“. Die Produktionshalle misst 45 x 55 Meter. Die ganze Tragstruktur konnte in Stahl ausgeführt werden. Unter dem Dach verlaufen drei Meter hohe Stahlträger, deren Materialverbrauch computerberechnet minimiert wurde. Durch die ausgeschnittenen Bereiche verläuft ein Catwalk. Die Fassade wurde in Cortenstahl ausgeführt. „Der Bau spiegelt wunderbar die Aufgabe der Firma Trumpf wider“, resümierte Heiko Krech.

Bauen für die Infrastruktur
Dass Stahl-Architekturen vor allem auch die Infrastruktur gestalten können, arbeitete der Bauingenieur Martin Grassl heraus. Er leitet das Büro Grassl Beratende Ingenieure Bauwesen bereits in dritter Generation. „Wir sehen mit unseren 240 Mitarbeitern vor allem die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur als besondere, aktuell wachsende Herausforderung.“ In seinem Vortrag hob Martin Grassl den Brückenbau als Spezialdisziplin hervor; insbesondere Schrägseilbrücken seien eine Spezialdisziplin des Büros, das aktuell beispielsweise den Neubau der Rheinbrücke der A1 bei Leverkusen umsetze. „Wir versuchen, das Tragwerk jeweils prominent und für den Betrachter sichtbar herauszuarbeiten“, betonte Grassl.

Brücken seien auch ein ideales Aufgabenfeld für die kreative Zusammenarbeit zwischen Bauingenieuren und Architekten. Jede Brücke sei in der Regel ein Unikat, für dessen Tragwerk zunächst verschiedene Entwürfe durchgerechnet würden. Vorteilhaft in der Zusammenarbeit mit Architekten ist aus Sicht von Martin Grassl, dass der „städtebauliche Blick“ sowie die Ausformulierung von Dynamik und Details häufig von Architekten eingebracht werden können.

Präzise detaillierter Stahlbau in den Niederlanden
Die „Freude am Konstruieren“ ist für den niederländischen Architekten Lars Courage seit vielen Jahren Antrieb - und Grund, zahlreiche Projekte mit Stahl zu realisieren. Sein kleines Büro mit fünf bis acht Mitarbeitern konnte in den letzten Jahren rund 20 Preise erringen. „Das liegt daran, dass wir Qualitäten schaffen, die den Menschen zum Maßstab nehmen und zugleich präzise detailliert sind“, meinte Courage. Architekten sollten auch technisch durchdringen, was sie planen und bauen. „Gerade beim Stahlbau sollte man sich nicht zurücklehnen und sagen, wir machen das tolle Design und lassen dann den Ingenieur mal machen“, appellierte Lars Courage an die Kollegenschaft.

Der Stahlbau ermögliche vor allem transparentes Bauen, das viel Tageslicht in Räume lasse, erklärte der Vorsitzende des Vereins „Dutch Daylight“, der sich für die Nutzung von Tageslicht in Architektur einsetzt. Courage warb für mehr Mut beim Bauen und für perspektivisches Denken. Sein Büro experimentiere viel mit energetischen Konzepten und Materialien. So wurde eine Bäckerei in Stahlbauweise mit Backsteinwänden verbunden; so wurde ein Hausboot in Stahlbau realisiert; so wurde mit der Firma „Cargo“ ein fast vollständiges Glashaus mit dünnen Stahlträgern realisiert. Aktuell plant Courage eine Wohnsiedlung aus typisch holländischen Einfamilienhäusern - in Stahlbauweise.

Werte schaffen mit Stahl
Ganz anders aufgestellt ist das Büro Heatherwick Architects (London), in dem mehr als  200 Architekten, Innenarchitekten und Stadtplaner internationale Projekte bearbeiten. „Große und kleine Projekte“, wie Thomas Dudeney betonte. Er stellte u.a. die Umnutzung eines alten Kohlebunkers in London vor (Coal Drops Yard). Die zwei langgestreckten Gebäuderiegel aus dem 19. Jahrhundert sollten für den Einzelhandel umgenutzt werden. „Wir hatten zwei über 100 Meter lange Gebäude, die verbunden werden sollten“, berichtete Dudeney. Die Architekten öffneten die Dächer und wölbten diese mit Stahlkonstruktionen seitlich aus, sodass die Dächer sich berühren. „Damit konnten wir eine Verbindung schaffen und zugleich einen zusätzlichen Erlebnisraum für die Kunden kreieren.“

Zu einem echten Renner in den Sozialen Medien wurde das Heatherwick-Projekt „International Vessel“ in New York City. Hier lautete der Auftrag, einen Park zu schaffen inmitten einer extremen städtebaulichen Hochhaus-Verdichtung. „Wir entschieden uns schon früh gegen eine Grünanlage oder eine klassische Skulptur; wir wollten gerne einen Raum schaffen, der Menschen zusammenführt und zum Aufenthalt einlädt“, erzählte Thomas Dudeney. Das Büro kreierte eine Treppen-Großplastik mit 2500 Stufen, die sich, nach oben weitend, in die Höhe schraubt und viele kleine Plattformen verbindet. Das Treppensteigen, sich begegnen, den Ausblick genießen und sich bewegen sind Thema dieser riesigen Raumskulptur, die seit ihrer Eröffnung im März 2019 mehr als 1,5 Mio. Besucher verzeichnete. Die Produktion erfolgte über eine Firma nahe bei Venedig, ausgeführt vollständig in Stahl. „Wir haben hier den Versuch unternommen, öffentlichen Raum völlig neu zu definieren“, schloss Dudeney seinen Vortrag. „Es ist das komplexeste Projekt, das wir jemals gebaut haben.“

Architektursprache für das 21. Jahrhundert
Graham Stirk von Rogers Stirk Harbour + Partners (London/Shanghai) lenkte die Aufmerksamkeit des Auditoriums in der Rheinterrasse auf die „Ehrlichkeit des Materials und der Architektur“. „Fünf Jahrzehnte Bauen mit Stahl“ hatte Stirk seinen Vortrag überschrieben, wobei seine Partnerschaft mit Richard Rogers erst knapp drei Jahrzehnte umspanne. „Viele Menschen bedauern heute, dass wir keine gotischen Kathedralen mehr bauen. Wir suchen als kreative Gestalter eine Architektursprache für das 21. Jahrhundert, die Ausdruck unserer Zeit ist“, beschrieb Graham Stirk die Haltung seines Büros. Schon das Centre Pompidou in Paris sei 1977 Ausdruck des Wunsches gewesen, Material, Baukonstruktion und Funktionalität im Gebäude ablesbar zu machen. Das gelte auch für weitere Projekte der frühen Jahre des Büros; häufig große Produktionshallen, die an leichten Stahlkonstruktionen aufgehängt wurden.

Graham Stirk stellte verschiedene Wohnhausprojekte vor, die seit dem Jahr 2000 entstanden und meistens schlanke Hochhäuser waren, die auf einer Stahlkonstruktion basieren und offene Grundrisse, großzügige Verglasungen und große Terrassen ermöglichen. Markante Bauwerke der jüngeren Zeit waren „The Macallan Destillery“ in den Schottischen Bergen (2012 – 18), wo Stahlpfeiler mit Holzträgern kombiniert wurden, um ein organisch geschwungenes Dach erstellen zu können, das begrünt wurde und sich in die Natur einfügt. Sowie das „British Museum WCEC“ (2006-14), ein Erweiterungsbau in Stahlskelettbauweise. Zu den markantesten Bauten von Rogers Stirk Harbour + Partners zählt „The Leadenhall Building“, ein Hochhaus in prägnantem Ausdruck, das bis 2014 im Herzen von London realisiert wurde. 15 000 Tonnen Stahl für 100 000 m2 Fläche, die sich auf 50 Stockwerke verteilen, wurde hier verbaut. Die gläserne Fassade gibt den Blick frei auf die innere Stahlkonstruktion, die farblich markiert ist und dem Gebäude eine künstlerische Anmutung gibt.

„Stahl ist reizvoll, weil er wunderbar komponiert werden kann“, bilanzierte Graham Stirk. „Stahl ermöglicht große Maßstäbe und Wiederholungen. Und dabei bleibt Stahl schlank.“ Letztlich müsse der Architekt aber immer das Material auswählen, das für die Aufgabe das geeignete ist.

Transparenz und Leichtigkeit

Zum Abschluss des Kongresses stellte Diederik Dam von Dam & Partners Architecten in Amsterdam das neue Europäische Patentamt in Den Haag vor, welches Dam & Partners gemeinsam mit Jean Nouvel ausführten; „eine Zusammenarbeit in lebenslanger Freundschaft“. Knapp 2000 Menschen arbeiten in dem Gebäude, das eine hohe, transluzent erscheinende Glasscheibe ist: 107 Meter hoch, 156 Meter lang und 24,7 Meter tief.

Die Entwurfsidee basierte auf der typischen niederländischen Landschaft, mit der See als Horizont, der dem Meer abgerungenen Landschaft und den endlosen Glasgewächshäusern. „Wir wollten ein einladendes, leichtes, transparentes Gebäude schaffen, das Respekt vor der Landschaft und vor dem Menschen zum Ausdruck bringt“, erläuterte Diederik Dam. Ein Wasserbecken spiegelt sich in der Glasfassade, der Eingang ist klar inszeniert durch eine große Stahlplatte, flankiert von den Fahnen der Mitgliedsstaaten, die sich auch in der Deckengestaltung wiederfinden. Alle Arbeitsräume haben natürliches Licht.

Eine Millionen Quadratmeter Glas umfassen das Bauwerk und sind das Hauptmerkmal des Europäischen Patentamtes, das oft wirkt, als würde es das Blau des Himmels doppeln oder sich vor dem Himmel auflösen. Getragen wird die Struktur von einem Stahlgerüst. „Wir haben mit einem hohen Grad an Vorfertigung gearbeitet, um sehr gute Qualitäten zu garantieren und den Bauprozess zu optimieren“, berichtete Diederik Dam. Das Gebäude erfülle alle etablierten Nachhaltigkeits-Standards. Das Dach wurde offengelassen und als „100 Meter hoher Himmelsgarten“ gestaltet. „Hier können die Mitarbeiter aus 38 Nationen, die das Haus nutzen, eine zukunftsgerichtete Haltung gegenüber der Zusammenarbeit entwickeln. Ein inspirierender Arbeitsplatz!“

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