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Kommentar: Messen in Essen

AKNW-Vizepräsident Michael Arns. - Foto: Manuel Thomé

Von „Gedrängel“, wie es in der Pressemitteilung eines Messepartners der „Baufachtage West“ hieß, konnte man am Eröffnungstag des neuen Messeformats am 10. Januar in Essen nur etwas spüren, wenn man an dem Internationalen Architekturkongress teilnehmen wollte. Zu diesem extrem erfolgreichen Format hatte traditionell die Architektenkammer zusammen mit der Wirtschaftsvereinigung Stahl eingeladen.

Hier knubbelte es sich tatsächlich vor der Garderobe und auf den Rolltreppen. In den beiden Messehallen allerdings hatte keiner Probleme, die gewünschten Aussteller anzusteuern. Die Auswertung der Messegesellschaft liegt noch nicht vor, während ich diesen Text schreibe. Unabhängig davon bin ich aber der Auffassung, dass unsere Branche in Nordrhein-Westfalen ein starkes Messeformat braucht. Insofern ist das Bemühen der Messe Essen, die frühere DEUBAU bzw. DEUBAUKOM durch ein zeitgemäßeres Format abzulösen, grundsätzlich zu loben.

Was macht nun das neue Format der „Baufachtage West“ aus? Mit einem Wort: Vielfalt. Die Baufachtage setzen sich aus vier Fachmessen zusammen, die den thematischen Bogen vom Hochwasserschutz über die IT im Bauwesen bis zum Industriebau und zur Infrastruktur spannten. Wer gezielt nach aktuellen Informationen und Austausch, nach Produktinnovationen und Inspirationen sucht, kann hier an vielen Stellen fündig werden.

Allein die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen engagierte sich an ganz verschiedenen Stellen mehrfach in dem neuen Messeformat: Mit der Ausrichtung des Stahlbaukongresses als Auftakt der Baufachtage West, mit der Präsentation unserer Ausstellung „#AUF DIE PLÄTZE!“ auf der InfraTech, mit unserem Informationsstand in der „Architekten Lounge“ und in verschiedenen Beiräten. Ich selbst hatte die Ehre, in der Jury des neu ins Leben gerufenen „Industriebau-Preis“ mitzuwirken, den die Kollegen Banz + Riecks aus Bochum verdient gewonnen haben.

Zugegeben: Wer mit den Bildern und Projekten, die international erfolgreiche Kolleginnen und Kollegen auf dem Architekturkongress „Neues Bauen mit Stahl“ zum Messeauftakt präsentierten, in die Messehallen ging, erlebte ein emotionales Wechselbad der Gefühle. Von der faszinierenden Architektur großer Bauwerke mit Stahl auf Produkte für den Tiefbau oder auf Hochwasserschutzkonzepte umzuschwenken, ist für Architekten eine Herausforderung. Die Themen, die in den Fachmessen „InfraTech“, „Construct IT“, „aqua alta“ und „Industrial Building“ behandelt wurden, sind aber allesamt wichtige Aufgabenfelder unserer Branche.

Die Baufachtage West sind ein Querschnittsformat, das vermutlich zutreffend die Entwicklung unserer Gesellschaft im Aufgabenfeld des Planens und Bauens widerspiegelt: Die Spezialisierung sämtlicher Berufsfelder in einer ausgeprägten Wissensgesellschaft erfordert den fachlichen Austausch in immer spezifischeren Foren. Diesen notwendigen Austausch in einem Gesamtformat zusammenzufassen, ist im Grundsatz ein Gedanke, der zu dem generalistischen Anspruch passt, den wir als Architektinnen und Architekten erheben.

Was würde ich mir von den nächsten Baufachtagen West wünschen? Vor allem mehr Architektur. Die Messe Essen muss das verbindende Element, das die vier Fachmessen zusammenhält, stärker herausarbeiten. Ein Messebesuch ist immer anstrengend, er muss deshalb auch inspirieren und Freude bereiten. Unser Kongress, die Ausstellung und das neue Preisverfahren sind solche Elemente.
Bitte mehr davon – und das etwas übersichtlicher!

Wir haben eine starke Planungs- und Baubranche hier im Westen, das hat auch unsere Heimat- und Bauministerin Ina Scharrenbach zur Eröffnung der Baufachtage West betont. Wir wollen nicht ausschließlich nach Berlin oder München reisen müssen, um ein lebendiges Netzwerk der Baubranche anzutreffen. Die Architektenkammer will deshalb weiter daran mitarbeiten, eine starke Baumesse im Westen zu gestalten. Für NRW, für die Kollegen aus BeNeLux, für die gesamte Branche.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr
Michael Arns

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