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Kommentar: Wettbewerbe und Experimente

Mit ihrem Ausloberpreis unterstreicht die AKNW die Bedeutung qualitätvoller Architektur für die Gesellschaft. Und verweist mit dem Landeswettbewerb zum seriellen Bauen auf den Mut zur Innovation, den die Branche braucht.

Klaus Brüggenolte Vizepräsident der Architektenkammer NRW

Liebe Kollegin, lieber Kollege!


100 Architektenwettbewerbe konnten wir im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen als RPW-konform registrieren. Ein neuer Höchstwert, der Mut macht und allen Auslobern Ansporn sein sollte - und der als politischer Appell zu verstehen ist. Denn die große Zahl von Wettbewerben darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch immer viel zu viele wichtige öffentliche Bauvorhaben ohne konkurrierende Verfahren vergeben werden. Umso mehr bleiben wir mit vielen Gesprächen und Initiativen am Ball.

So haben wir mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW nun eine konstruktive Ebene gefunden, um gemeinsam zu erreichen, dass für wichtige Bauaufgaben des Landes wieder mehr Wettbewerbe ausgelobt werden. Als „Landestochter“ muss der BLB NRW die baupolitischen Ziele verfolgen, welche der nordrhein-westfälische Landtag bei Gründung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs verabschiedet hat. Darin wird die Förderung der Baukultur und insbesondere des Wettbewerbswesens als landespolitisches Ziel deutlich formuliert.

Es ist erfreulich, dass der BLB NRW sich nun entschlossen zeigt, die Vorteile des Vergabeinstruments „Wettbewerb“ konstruktiv zu nutzen.Vorteile, die sich in der Planungspraxis immer wieder beweisen. Die Lösung einer baulichen Aufgabenstellung kann eben von verschiedenen Ansätzen ausgehen; und Wettbewerbe ermöglichen es dem Bauherrn, mit Unterstützung einer fachkundigen Jury den optimalen Vorschlag auszuwählen.Einen eindrucksvollen Beleg für diese Behauptung liefert die Evangelische Kirche von Westfalen, die innerhalb von zehn Jahren 25 Architektenwettbewerbe durchgeführt hat.

Am 20. Februar haben wir in Schwerte dafür den „Ausloberpreis 2018“ verliehen. Gewürdigt wird dabei insbesondere, dass zahlreiche evangelische Kirchengemeinden auch für relativ kleine Bauaufgaben Wettbewerbe ausgelobt haben. Oft ging es um die Verdichtung kirchlicher Anlagen, um die Kleinersetzung oder punktuelle Erneuerung von Gemeindezentren und kirchlichen Liegenschaften. Die Dokumentation, die zum „Ausloberpreis 2018“ erschienen ist, zeigt Lösungen für Bauaufgaben, die in der Regel quartiers- oder stadtbildprägend sind und die auf hohem Niveau umgesetzt wurden.

Die Broschüre, die 25 Wettbewerbe der Evangelischen Kirche von Westfalen darstellt, ist ein Zeitdokument, dass verdeutlicht, wie heute baulich mit dieser oft heiklen Aufgabe umgegangen wird. Wenn Sie die Dokumentation durchblättern, werden Sie auch feststellen, dass es wieder durchaus Ansätze zu einer regionaltypischen Architektursprache gibt.Wettbewerbe sichern eine hohe Planungs- und Baukultur in Deutschland. Notwendig ist es aber auch, immer wieder Innovationen zu suchen und Experimente zu wagen.

Dazu lobt die Architektenkammer NRW regelmäßig mit den nordrhein-westfälischen Bauministerium die „Landeswettbewerbe“ zu einem spezifischen Schwerpunktthema aus. Auch hier ist oftmals Pioniergeist und Mut gefragt - etwa wenn es beim aktuellen Landeswettbewerb um das „serielle Bauen“ ging. Mancher befürchtete bereits, wir wollten dem Plattenbau zu einer Renaissance verhelfen. Weit gefehlt, mag man diesen kritischen Geistern zurufen, wenn man die Ergebnisse des Landeswettbewerbs 2017 „Qualität in Serie“ genauer betrachtet. Zu beplanen war ein Grundstück an der Bäuminghausstraße in Essen, und es ging darum, serielle bzw. modulare Bauweisen für den Wohnungsbau zu erproben. Bauweisen, die übertragbar sein sollen.

Die Ergebnisse darf ich hier noch nicht verraten, wohl aber, dass sich die Beschäftigung mit diesem Thema angesichts der großen Zahl benötigter neuer Wohnungen in unseren Ballungsräumen unbedingt lohnt. Ich lade Sie herzlich dazu ein, an der Preisverleihung am 20. März in Essen teilzunehmen, und mit Ihren Kollegen und Ihrer Kammer in den Dialog zu treten.

Ihr


Klaus Brüggenolte

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