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"Neues Bauen im Westen" macht Station in Bielefeld

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    Das mehrgeschossige Foyer des Technischen Rathauses in Bielefeld bietet ein ideales Ambiente, um die frei im Raum stehende Ausstellungsskulptur zu den Architekturentwicklungen der Moderne von der neuen Sachlichkeit bis zum Internationalen Stil zu präsentieren und auf mehreren Ebenen erlebbar zu machen.

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    Veranstalter und Gastgeber in Bielefeld (v. l.): Catrin Hedwig (Leiterin Bauamt Bielefeld), Prof. Dr. Thorsten Scheer (Kurator), Svenja Pein (Bauamt Bielefeld) und Klaus Brüggenolte (Vizepräsident Architektenkammer NRW) Fotos: Christof Rose / Architektenkammer NRW

„Neues Bauen im Westen“ ist ab sofort und bis zum 30. Oktober in Bielefeld zu sehen. Mit ihrer gleichnamigen Wanderausstellung, die gestern Abend (08.10.19) im Technischen Rathaus Bielefeld eröffnet wurde, zeichnet die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen mit ihren Projektpartnern – den Landschaftsverbänden Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) – die wichtigsten Entwicklungslinien des Bauhauses und des neuen Bauens aus rheinisch-westfälischer Perspektive nach. In über 250 Exponaten und eigens für die Ausstellung geschaffenen Architekturmodellen bietet die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, wechselseitige Einflussnahmen und Impulse zu überprüfen und auf Spurensuche bis in die Gegenwart zu gehen. „Das Bauhaus übt bis heute großen Einfluss auf Architektinnen und Architekten aus“, erläuterte Klaus Brüggenolte, Vizepräsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, auf der Vernissage in Bielefeld den Hintergrund des Projektes. „Mit unserer Ausstellung wollen wir den architektonischen Schwerpunkt des Bauhauses im historischen Kontext beleuchten und aufzeigen, welche Wechselwirkungen es zwischen dem Bauhaus und anderen Gestaltungsschulen jener Jahre gegeben hat.“

Die Wanderausstellung ist ein Beitrag in der Programmvielfalt des Verbundprojektes „100 jahre bauhaus im westen“, das die beiden Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) zusammen mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW anlässlich des Bauhaus-Jubiläumsjahres ins Leben gerufen haben.

Das mehrgeschossige Foyer des Technischen Rathauses in Bielefeld bietet optimale Voraussetzungen für das Ausstellungskonzept. „Ich freue mich aber auch sehr, dass wir eine ergänzende Ausstellung zum Thema ‚Bauhaus in Bielefeld‘ mit acht Projekten präsentieren können“, erklärte Catrin Hedwig, Leiterin des Bauamtes Bielefeld, anlässlich der Vernissage. Zu den Ausstellungen werden als Rahmenprogramm drei Vorträge zum Themenfeld „Bauhaus“ angeboten.

Die Ausstellung „Neues Bauen im Westen“ geht insbesondere diesen Fragen nach: Wie ist das Bauhaus im Rheinland und in Westfalen rezipiert worden? Welche Bauten verweisen unmittelbar auf die einflussreiche Kunst- und Bauschule? Welche früheren, parallelen und späteren Entwicklungen haben das Neue Bauen im Westen Deutschlands ausgemacht? In einer beeindruckenden Ausstellungsarchitektur werden Vorläuferentwicklungen wie der Hagener Impuls, die Arbeit des Deutschen Werkbundes und der moderne Industriebau von Peter Behrens nachgezeichnet und die Folgewirkungen des Bauhauses bis in die Nachkriegsmoderne dargestellt. Fotos, Texte und maßstabsgerechte Holzmodelle, die von Studierenden der Peter Behrens School of Arts (PBSA, HS Düsseldorf) angefertigt wurden, machen die Architekturentwicklung des „Neuen Bauens“ auch sinnlich erfahrbar.

Die Ausstellung weist dabei stets auf die gesellschaftlichen Hintergründe und parallele Strömungen in Architektur und Städtebau hin. Denn das Bauhaus verdichtete Entwicklungen seiner Zeit in einem katalytischen Prozess. Formale Vereinfachung und das Ziel, vor allem auf dem Feld des Wohnungsbaus zu einer konkreten Verbesserung der Lebensumstände einkommensschwacher Schichten beizutragen, prägten das Bild der Bauhausästhetik seit den 1920er Jahren.

„Das Bauhaus, das wir kennen und über das wir gewöhnlich sprechen, ist das Ergebnis seiner wechselvollen Rezeptionsgeschichte“, erklärte Ausstellungskurator Prof. Dr. Thorsten Scheer (PBSA) in seinem Eröffnungsvortrag. Vor allem in der Zeit der Gründung der Bundesrepublik habe das Bauhaus eine Wirkung entfaltet, die als Überlagerung künstlerischer und politischer Diskurse etwa in den Bonner Bundesbauten nachhaltig Spuren in Nordrhein-Westfalen hinterlassen hat. „Damit und selbstverständlich auch mit den Ursprüngen in Hagen sowie den dringend gebotenen Abgrenzungen vom zweckrationalen Industriebau des Ruhrgebiets und den Erscheinungen des sogenannten Bauhausstils beschäftigt sich die Ausstellung und bietet den Besucherinnen und Besuchern eine Vielzahl von unterschiedlichen Betrachtungsweisen.“  

Das parallel entwickelte Onlineportal www.neues-bauen-im-westen.de stellt über 100 relevante Objekte des Neuen Bauens im heutigen Nordrhein-Westfalen vor. Die Architektenkammer NRW konnte mit den Denkmalpflegeämtern des LWL und des LVR insbesondere Bauwerke der 1920er und -30er Jahre zusammenstellen, die einen umfassenden Überblick gewährleisten. Das Spektrum der dargestellten Bauwerke reicht insgesamt vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die Nachkriegsmoderne bis in die 1980er Jahre. Die Website bietet auch die Möglichkeit, regionale Themenschwerpunkte abzurufen und eigene Routen zu erstellen, um die vorgestellten Objekte direkt vor Ort erleben zu können.

Die Wanderausstellung „Neues Bauen im Westen“ wurde im Februar/März 2019 erstmals im „Haus der Architekten“ in Düsseldorf gezeigt. Danach war die Ausstellung in der NRW-Landesvertretung in Berlin (14. – 29.05.2019), im Baukunstarchiv NRW in Dortmund (05. – 29.06.19), in der Bürgerhalle des LWL in Münster (11. – 23.07.19) sowie im LVR-Landeshaus in Köln (06. – 27.09.19) zu sehen. Nach der Präsentation im Technischen Rathaus Bielefeld (09. – 30.10.2019) ist die abschließende Präsentation für das Frühjahr 2020 an der RWTH Aachen geplant.


Ausstellung „Neues Bauen im Westen“ und „Bauhaus in Bielefeld“, 09.10. – 30.10.2019, Technisches Rathaus Bielefeld, August-Bebel-Straße 92, 33602 Bielefeld. Eintritt frei. Öffnungszeiten: Mo. – Do., 8.00 – 18.00 Uhr; Fr., 8:00 – 15:00 Uhr

Vorträge im Rahmenprogramm:

  • 16.10.19: Prof. Dr. Thorsten Scheer (PBSA Düsseldorf): „Das Bauhaus und die Politik“ Rezeptionsgeschichte eines Phänomens, das eigentlich nie historisch werden sollte, erst recht nicht als „Bauhaus Stil“!
  • 23.10.19: Prof. Dr. Eduard Führ: „Das Bauhaus und die Baukunst“
    Definition von Baukunst und dem Verständnis von Moderne; und eine Analogie zur konkreten Kunst.
  • 30.10.19: Karin Koenemann: „Das Bauhaus und die Frauen“
    Perspektive von Nutzerinnen auf die wichtigsten Projekte des Bauhauses zum zukünftigen Wohnen.

jeweils 18.00 Uhr im Else-Zimmermann-Saal im Technischen Rathaus

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