Deutliche Preissteigerung bei Baumaterialien

Architektinnen und Architekten spüren es derzeit hautnah: Baumaterialien wie Stahl, Holz oder Dämmstoffe werden – sofern sie überhaupt zeitnah auf dem Markt verfügbar sind - deutlich teurer. Eine wesentliche Ursache ist das Pandemie-bedingte Herunterfahren der Produktionskapazitäten von weltweit gehandelten Baustoffen und – so eine Veröffentlichung der Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V. (https://bauwirtschaft-bw.de/) - das „nichtsynchrone Hochfahren der Kapazitäten entsprechend der Nachfrageentwicklung“. Was folgt daraus?

29. April 2021Autor: Dr. Florian Hartmann

Gegenüber September 2020 steigerten sich die Preise für Fichten- und Tannenschnittholz um 13 Prozent – so informiert Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V.; für NRW wird nichts wesentlich anderes gelten. Der Preis für gesägtes und gehobeltes Holz erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 9,49 Prozent. Bitumen aus Erdöl veränderten sich um 10,18 Prozent, Betonstahl in Stäben warmgewalzt sogar um 26,84 Prozent. Bei einem Blick auf die längerfristige Preisentwicklung von global gehandelten Baustoffen (Stahl, erdölbasierte Produkte wie Bitumen oder Dämmstoffe) zeige sich eine hohe Volatilität, so die Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Die Corona-Pandemie ist doppelt für die Preissteigerung verantwortlich: Zum einen gab es im ersten Halbjahr einen Nachfrageeinbruch, weshalb die Produktionskapazitäten heruntergefahren wurden. Zum anderen sprang im dritten Quartal die Konjunktur in China kräftig an. Das Hochverfahren der Produktionskapazitäten konnte mit der chinesischen Nachfragesteigerung indes nicht mithalten, so die Bauwirtschafts-Analyse. China wurde zum Beispiel vom Stahlexporteur zum Stahlimporteur. Als weiteres Beispiel werden Holzprodukte genannt. Pandemiebedingt waren Sägewerke in den USA geschlossen. Dies führte dazu, dass die USA Schnittholz exportiert. Hinzu traten großflächige Waldbrände, langfristige Lieferabkommen mit China und ein erhöhter Bedarf, mit Holz zu bauen.

Auswirkungen für Architekt*innen

Auch für Architektinnen und Architekten haben die Preissteigerungen Auswirkungen: Einerseits gehört die laufende Kostenkontrolle und entsprechende Beratung des Bauherrn zu den Nebenpflichten eines Architekten bzw. einer Architektin (BGH, Urt. v. 23.01.1997 - VII ZR 171/95). Andererseits ist bei Kostenermittlungen vom Kostenstand zum Zeitpunkt der Ermittlung auszugehen: Aus reinen marktbedingten Preissteigerungen ergeben sich keine Anhaltspunkte für Fehler von Kostenermittlungen (Seifert/Fuchs, in: Fuchs/Berger/Seifert, § 4 HOAI Rn. 51).

Vertreten wird, dass sich für Materialpreissteigerungen die Verantwortung des Architekten darauf beschränkt, den Bauherrn unverzüglich auf eine Überschreitung des Gesamtkostenrahmens hinzuweisen (Prause, DAB 2017, 36). In diesen Fällen ist eine eventuelle Kostenobergrenze für die Kostengruppe 300 und der Gesamtkostenrahmen entsprechend anzupassen. Wünscht der Auftraggeber stattdessen eine Umplanung, um Kosteneinsparungen zu erzielen, ist § 10 HOAI zu beachten (Prause, DAB 2017, 36).

Weitere Hinweise finden sich bei Prause, Die Kostenbremse kann teuer werden, DAB 2017, 35 f.

Auswirkungen für Bauunternehmen

Bereits in der Vergangenheit änderten sich je nach Marktlage die Stahl- oder Kupferpreise innerhalb der Bauzeit zum Teil gravierend (Kimmich/Bach, VOB für Bauleiter, E.II.3.). Neben Auftragnehmern forderten auch Baustahllieferanten gegenüber ihren Vertragspartnern oftmals eine Vertragspreisanpassung wegen „Störung der Geschäftsgrundlage“, wenn es zu solchen Preiserhöhungen kam.
Das OLG Hamburg (und ihm folgend das OLG Düsseldorf) lehnte eine Preisanpassung u. a. mit der Begründung ab, der Auftragnehmer hätte sich ja vorausschauend eindecken oder Preisgleitklauseln vereinbaren können. Dieser Auffassung wird dahingehend entgegengetreten, dass eine Entwicklung plötzlich und für alle überraschend eintreten kann; „vorausschauend“ ist dann nichts zu sehen (Kapellmann, in: Kapellmann/Messerschmidt, VOB/B, § 2 Rn. 506). Geraten wird, auf den jeweiligen Einzelfall abzustellen: Wenn Baustahl lediglich 10 % der Gesamtkosten bei einem Generalunternehmer ausmache, sähe die Situation anders aus als bei einem reinen Stahlbauer, der einen Großauftrag abwickele.

Ausblick

Die Bauwirtschaft Baden-Württemberg schließt ihren Bericht jedoch positiv ab: Sie geht von einer Stabilisierung der Lage im Laufe des Jahres 2021 aus.

(Der Artikel geht auf einen Beitrag zurück, der zuerst von der Architektenkammer Baden-Württemberg veröffentlicht wurde)

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