digital MONDAY: „Digitale Fabrikation“

Wie kann eine digitale Planung bruchlos in einen automatisierten Bauprozess überführt werden? Zu dieser Frage forscht Prof. Dr. Benjamin Dillenburger seit einigen Jahren am Lehrstuhl für digitale Bautechnologien der ETH Zürich. Beim zweiten „digital MONDAY 2022“ berichtete er am 21. März über den aktuellen Forschungsstand - und stellte ein konkretes Beispiel vor: das DFAB-House.

25. März 2022von Simon Adenauer / Christof Rose
An den Vortrag schließt sich jeweils ein vertiefenden Gespräch an zwischen Moderator Christof Rose (Abteilungsleiter „Kommunikation“ der AKNW) und dem Referenten; hier Prof. Dr. Benjamin Dillenburger am 21.03.22. – Screenshot: Architektenkammer NRW

„Professor Benjamin Dillenburger wird uns gleich Beispiele dafür geben, wie die Digitalisierung unsere Möglichkeiten bereits erweitert“, führte Susanne Crayen, Vizepräsidentin der Architektenkammer NRW, in den Abend ein. „Ich finde, dies verdeutlicht erneut: Die Zukunft hat bereits begonnen!“

Weltweite Premiere: DFAB-House

Professor Benjamin Dillenburger konzentriert seine Forschungen auf die Entwicklung von programmierten digitalen Geometrien und 3D-Druck. Hierbei setzt er digitale Design- und Fertigungstechnologien nicht nur im Entwurf, sondern auch in der Konstruktion ein. Mit dem „DFAB-House“ wurde erstmals weltweit ein Bauprojekt über alle Phasen hinweg digital entworfen, geplant und gebaut, das auch bewohnt wird. „Dort wohnen Kolleginnen und Kollegen, die am eigenen Leibe erfahren wollen, was heute in der Bautechnologie schon möglich ist“, berichtete Benjamin Dillenburger. Es gebe eine lange Warteliste von Wohn-Interessenten. - Was nicht überrascht, denn das „DFAB-House“ wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und unter anderem auch bereits auf der Biennale in Venedig im letzten Jahr präsentiert.

Reduktion von Material

Ziel bei der Planung war die Optimierung des Materialeinsatzes. „Durch die Digitalisierung ist die Komplexität von Strukturen erstmals kein Kostenfaktor mehr, sodass maßgeschneiderte und einzigartige Produkte möglich sind“, so Prof. Dillenburger. „Der Bauvorgang wird durch Automatisation und Robotik auf der Baustelle einfacher, die Planung aber umso wichtiger und vielfältiger.“

Dies wurde eindrucksvoll an organischen Strukturen erläutert, die zum Teil ihre Vorbilder auch in der Natur haben. Das Team von Benjamin Dillenburger entwickelte für das DFAB-House insbesondere die Decken, die durch ihre Massivität große Einsparpotenziale in Material und Bauprozess aufweisen. Hier habe man sich beispielsweise am Knochenaufbau von Vögeln orientiert, die so porös wie möglich seien, um Gewicht zu reduzieren - bei gleichzeitig hoher Stabilität und Belastbarkeit. Auch bei der Deckenkonstruktion wurde Material nur dort eingesetzt, wo es aufgrund der Beanspruchung unbedingt erforderlich war. So ließen sich insbesondere auch Verbindungselemente deutlich materialsparender fertigen, führte Prof. Dillenburger aus. Er präsentierte eine Beton-Dachstruktur von 30 m², die nur 200 KG wiegt und zudem größtenteils aus recyceltem Beton besteht. „Wir können durch digitale Fabrikationsmethoden bis zu 80 % Material einsparen“, erklärte Dillenburger im Gespräch mit Moderator Christof Rose. Für die Effizienz der Bauproduktion sei auch der Einsatz von Robotern auf sehr unterschiedliche Weise möglich. Von einem direkten Druck mit Materialien wie Beton, Sandstein, Lehm etc. über die Automation von herkömmlichen Fertigungsweisen (z. B. Mauerwerk) bis zur Erstellung von filigranen und komplexen Kunststoffschalungen. „Roboter sind auf dem Vormarsch“, zeigte sich Prof. Dillenburger überzeugt.

Rolle des Berufsstandes

Im regen Austausch, in den der Pressesprecher der Architektenkammer NRW, Christof Rose, moderativ viele Fragen aus dem Auditorium einbinden konnte, wurde unter anderem über die Rolle der Architekten im digitalen Zeitalter, die Interdisziplinarität sowie über Qualifikationsanforderungen und Nachhaltigkeit der digitalen Fabrikation diskutiert. In der Architektenschaft war man sich einig, dass der Berufsstand weiterhin die Rolle des Systemführers innehalten müsse.

Weitere spannende Abende erwarten Sie auch bei den zwei weiteren „digital MONDAYs“, zu den Themen „Von Digitaloptimisten und Start-Ups“ (REHUB und FORMITAS, 28.03.22) und ein virtueller Rundgang durch das Deutsche Hygiene-Museum zu dem Thema „künstliche Intelligenz“ (04.04.22). - Eine Anmeldung ist jeweils erforderlich unter www.aknw.de

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