Eine Gruppe von Männern und Frauen, die lächelnd in die Kamera blicken. Im Hintergrund sitzen Teilnehmende einer Veranstaltung auf Stühlen. – Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
Impulsgeber*innen des AKNW-Existenzgründungstag waren u.a. (v.l.): Elena Janzen, Martin Klein-Wiele (beide UKW), Dr. Friederike Höher (Business Coach), Lutz Wiese (Mentor), Janine Messri (AIA AG), Philipp Valente (Mentee), Ernst Uhing (AKNW-Präsident), Pamela Rodenberg (B3-Beyrow Business Beratung), Oliver Rabanus (Eckhold Consultants) und Christof Rose (Moderator/AKNW). - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW

Mit Mut und einer klaren Strategie

Mut war eines der Worte, das von allen Referentinnen und Referenten des „AKNW-Existenzgründungstags“ am 28. August wiederholt verwendet wurde. Mit der Veranstaltung wollte die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen „Wissen weitergeben, Erfahrung teilen und in den Austausch treten – aus der Praxis, für die Praxis“, erklärte AKNW-Präsident Ernst Uhing in seiner thematischen Einführung in den Tag. Über 100 junge Kammermitglieder, aber auch viele Büroinhabende und erfahrene Mitglieder, die den Austausch suchten, nahmen an der Veranstaltung in der Kammergeschäftsstelle im Düsseldorfer Medienhafen teil.

12. September 2025von Melina Beierle

Der Prozess einer Bürogründung müsse gut durchgeplant und klar strukturiert werden, riet Oliver Rabanus. Der Geschäftsführende Gesellschafter von „Eckhold Consultants“ in Krefeld arbeitet bundesweit als Unternehmensberater und insbesondere an Strategien zu einer gelingenden Unternehmensnachfolg. Seine Devise lautete: „Angst ist kein guter Berater.“

Sinnvoll sei es allerdings, mögliche Eventualitäten zu berücksichtigen und einen Backup-Plan aufzubauen. „Für Auftragsflauten müssen Sie mindestens drei Monate finanziellen Puffer einplanen“, riet Rabanus. Man benötige ein gutes Zeitmanagement, starke Nerven und Durchhaltevermögen: „Eine Existenzgründung ist ein Marathon und kein Sprint.“

Strukturierter Businessplan

Pamela Rodenberg von „B3-Beyrow Business Beratung“ in Gelsenkirchen erläuterte detailliert den Aufbau eines Businessplans. „Ein Businessplan dient dazu, sich selbst Klarheit über alle relevanten Fragen zu verschaffen, und muss bei Förder- oder Kreditanfragen vorgelegt werden“, führte Rodenberg aus. Von der Unternehmensidee bis zum Finanzkonzept – die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Punkten gebe immer auch eine langfristige Perspektive, um betriebswirtschaftliche Aspekte neben der kreativen Arbeit im Blick behalten zu können. Eine Voraussetzung hielt die Gründungsberaterin für unverzichtbar: „Man sollte Spaß haben und für sein Thema brennen“.

Start-up oder Übernahme?

Planen, bauen - und am Ende das fertiggestellte Projekt sehen: „Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, der annähernd gleiche Emotionen auslösen kann“, beschrieb Markus Sporer im Rahmen des AKNW-Existenzgründungstags seine persönliche Motivation, als freischaffender Architekt tätig zu sein. Als Gründungsmitglied von „Cross Architecture“ (Aachen/Köln, Amsterdam) realisiert er seit 2016 mit einem internationalen Team große und kleine Projekte im öffentlichen Raum. „Unser Beruf bietet eine enorme Freiheit“, so Sporer weiter. Mit der freischaffenden Tätigkeit gehe das unternehmerische Privileg einher, selber zu bestimmen, welche Projekte bearbeitet und mit welchen Auftraggebern zusammengearbeitet werden solle. „Das löst eine große persönliche Befriedigung aus“, resümierte der Architekt, der prominente Objekte wie den schwarzen Kubus am Bergbaumuseum in Bochum und aktuell das „Haus des Wissens“ in der Bochumer Innenstadt zu seinem Portfolio zählen kann.

Von der Aspirantin zur Gesellschafterin

Wie eine Büronachfolge in der Praxis aussehen kann, dazu berichteten Prof. Martin Klein-Wiele und Elena Janzen von „UKW Innenarchitekten“ in Krefeld. Janzen und eine weitere Kollegin ergänzen seit 2023 die Führungsspitze des Büros, indem sie die Anteile von Gründungsgesellschafter Jochen Usinger übernahmen. Ein langfristig vorbereiteter Übergang für alle Beteiligten, erläuterte Martin Klein-Wiele. „Uns ist wichtig, bei dieser Veranstaltung die menschliche Komponente solcher Change-Prozesse innerhalb eines Büros zu vermitteln“, so Klein-Wiele, der zweite Gründungspartner des Innenarchitekturbüros. Denn: Neben vielen positiven Punkten seien auch Schwierigkeiten bei einer Übernahme zu bestreiten. 

Rund sieben Jahre sei die Übernahme bei UKW Innenarchitekten vorbereitet worden, wobei die letzten drei Jahre besonders intensiv gestaltet worden seien. Neben dem Tagesgeschäft galt es, vielfältige Aspekte der Nachfolgeregelung zu klären, von Rechts- über Finanzfragen bis hin zu Übergabeprozessen. So seien zwei „Büronachfolge-Anwärterinnen“ zu Gesellschafterinnen geworden. Martin Klein-Wiele, der Gesellschafter bleibt und auch ordentlicher Professor an der BPSA Düsseldorf ist, empfahl eine frühzeitige Planung, ein gutes Zeitmanagement und schließlich ein „Loslassen“ derjenigen, die aus dem Unternehmen ausscheiden. 

Als langjährige Mitarbeiterin von UKW beschrieb Elena Janzen ausschlaggebende Vorteile bei einer Büroübernahme: „Man kennt den Kundenstamm, man kennt das Team, man kennt die Führung und den Stil. Und kann sich daran anpassen - aber auch abgrenzen.“ Neugründung oder Büroübernahme? - Das sei vor allem eine Typfrage, erklärte Janzen – in etwa vergleichbar mit einem Neubau („Nach eigenen Ideen etwas neu schaffen“) und dem Bauen im Bestand („Bestehendes nutzen und formen“).

Netzwerke nutzen!

Die Impuslgeber*innen des Existenzgründungstages waren sich vor allem bei einem Aspekt einig: Netzwerktreffen und die Möglichkeit zum Austausch bieten allen Planer*innen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, Fachwissen auszutauschen und von den Erfahrungen und auch von den Fehlern des Anderen zu lernen.

AKNW-Mentoring-Programm

Die Architektenkammer NRW bietet dazu auch über den Existenzgründungstag hinaus ein vielfältiges Programm an: Unter anderem läuft seit 2024 das AKNW-Mentoring-Programm. Hier werden generationsübergreifende Tandems gebildet – junge Nachwuchsplanerinnen und -planer treffen auf erfahrene Kolleg*innen. Begleitet wird das Programm von Business-Coach Dr. Friederike Höher.

In einer Laufzeit von einem Jahr werden Treffen unter den Tandems vereinbart, Erfahrungsberichte ausgetauscht und Einblicke in die Selbstständigkeit gegeben. Noch bis zum Jahresende läuft die erste Mentoring-Programm-Phase der AKNW. 

Austausch auf Augenhöhe

Einen Zwischenstand sowie persönliche Erfahrungen zum Programm gaben beim Existenzgründungstag die Programmteilnehmer Lutz Wiese (Mentor) und Philipp Valente (Mentee) im Gespräch mit Dr. Friederike Höher. Er habe von seinem Mentor innerhalb kürzester Zeit sehr viel gelernt, sagte Mentee Philipp Valente. Dennoch erlebe er die Gespräche mit Lutz Wiese als „Austausch auf Augenhöhe“. Inhaltliche Schwerpunkte der Treffen seien betriebswirtschaftliche Erfahrungen und Einblicke in die Führungsarbeit gewesen. Wichtig sei vor allem die Eigeninitiative und das Interesse beider Seiten, erklärte Architekt Lutz Wiese. „Ich habe mehrere Unternehmen gegründet und kann vieles weitergeben. Gleichzeitig ist für mich der Kontakt mit jungen Fachkollegen nicht nur inspirierend, sondern auch wichtig, um am Puls der Zeit zu bleiben“, beschrieb Wiese seine Motivation.

Das Mentoring-Programm der Architektenkammer NRW geht weiter: Sie sind an der Teilnahme als Mentee oder Mentoring am Mentoring-Programm interessiert? Bewerbungen sind ab sofort möglich, Informationen finden sich hier.

Ausgewählte Präsentationen der Impulsgeber*innen

Klicken Sie hier, um das Karussell zu überspringen.
  • Ein Mann steht an einem Pult und spricht. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    AKNW-Präsident Ernst Uhing begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Existenzgründungstag. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
  • Ein Mann steht vor einer Leinwand, auf der eine Präsentation gezeigt wird, in der Hand hält er ein Mikrofon. Vor ihm sitzt ein Publikum, das ihm zuhört. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    Der Prozess einer Bürogründung müsse gut durchgeplant und klar strukturiert werden, riet Oliver Rabanus. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
  • Ein bestuhlter Raum mit sitzenden Personen. Im Vordergrund steht ein Mann an einem Pult und zeigt eine Präsentation auf einer Leinwand
    Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die Veranstaltung im Düsseldorfer Medienhafen. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
  • Zwei Frauen unterhalten sich angeregt, im Hintergrund sind mehrere Personen stehend zu sehen. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    Neben Fachbeiträgen wurde auch Raum für Networking angeboten. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
  • Eine Frau steht an einem Pult vor einer Leinwand, auf der eine Präsentation gezeigt wird. Im Vordergrund sitzen Leute und hören der Frau zu. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    Pamela Rodenberg von „B3-Beyrow Business Beratung“ erläuterte detailliert den Aufbau eines Businessplans. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
  • Ein Mann steht vor einem Gebäude und lächelt. Über dem Eingang des Gebäudes steht die Aufschrift "ARCHITEKTENKAMMER.NRW". - Foto: Christof Rose/Architektenkammer NRW
    „Warum es sich lohnt, selbstständig zu sein“ – dazu sprach Architekt Markus Sporer (Cross Architecture). - Foto: Christof Rose/Architektenkammer NRW
  • Eine Frau und ein Mann stehen an einem Pult. Im Vordergrund ist ein weiterer Mann zu sehen, der ein Gespräch mit den Personen am Pult führt. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    Prof. Martin Klein-Wiele und Elena Janzen von „UKW Innenarchitekten“ im Gespräch mit Moderator Christof Rose. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
  • Eine Gruppe junger Leute steht vor einem Gebäude mit der Aufschrift "ARCHITEKTENKAMMER.NRW". Sie werden fotografiert und lächeln und zeigen freundliche Handgesten. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    Netzwerktreffen bieten allen Planer*innen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Fachwissen auszutauschen. - Foto: Ingo Lammert/Architektenkammer NRW
    Ende des Karussells

    Video: AKNW-Existenzgründungstag 2025

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