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Personalsuche wird für Architekturbüros zu einem zentralen Problem

Bereits bei den bundesweiten Architekturbefragungen in den Jahren 2016 und 2018 hatte sich gezeigt, dass Architektur und Planungsbüros zunehmend große Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden. Dieser Trend bestätigte sich noch einmal in den Ergebnissen der jüngsten Architektenbefragung im zurückliegenden Jahr 2019.

So hatte mehr als ein Drittel der befragten Büroinhaber (35 %) im Jahre 2018 Probleme, offene Stellen mit Projektbezug zu besetzen; fast die Hälfte der offenen Stellen blieb tatsächlich unbesetzt. Von den vakanten Stellen konnte nur ein Fünftel ohne Schwierigkeiten besetzt werden. Bei ca. 30 % der offenen Stellen war die Suche aufwändig und schwierig, jedoch letztendlich erfolgreich. Eine Rolle spielte dabei auch der Bürostandort: Je kleiner die Kommune, in der ein Büro seinen Sitz hat, desto häufiger endete die Personalsuche erfolglos. Ähnliches gilt für die Bürogröße: Inhaber großer Büros mit zehn oder mehr tätigen Personen klagten zwar häufiger über Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen, gaben jedoch seltener an, dass es ihnen letztlich nicht gelungen ist, die freie Stelle zu besetzen.

Wenn offene Stellen mit Projektbezug zu besetzen waren, dann suchten 78 % der Büroinhaber Architektinnen und Architekten bzw. Hochschulabsolventen der Architektur. Mitarbeiter mit einem anderen Ausbildungshintergrund waren seltener gefragt. Am häufigsten wurden hier Bauzeichner (15 %), Landschaftsarchitekten/Absolventen der Fachrichtung Landschaftsarchitektur (10 %), Bautechniker (6 %), Ingenieure anderer Fachrichtungen (4%), Stadtplaner/Absolventen der Fachrichtung Stadtplanung (4%) und Innenarchitekten/Absolventen der Fachrichtungen Innenarchitektur (4%) genannt.

Lange Vorlaufzeit bis zur Stellenbesetzung

Soweit eine Stelle besetzt werden konnte, vergingen im Schnitt 4,5 Monate zwischen der Ausschreibung und dem Arbeitsbeginn des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin. Dieser Wert lag deutlich höher, als die Stellenausschreibenden erwartet hatten. Nur etwa der Hälfte der Büroinhaber gelang es, die letzte freie Stelle innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten erfolgreich zu besetzen. 13 % benötigten mehr als sechs Monate, 2 % sogar länger als ein Jahr.

78 % der Büroinhaber hatten besondere Anreize geschaffen, um neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu gewinnen. Dazu gehörten vor allem flexible Arbeitszeitmodelle (58 %), monetäre Anreize (46 %), die Möglichkeit der beruflichen Weiterbildung bzw. Spezialisierung (33 %), die Möglichkeit zum Homeoffice (29 %), Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Büros (28 %) und sonstige geldwerte Vorteile (26 %). Kleinere Büros ergriffen seltener solche Maßnahmen. Es liegt hier die Vermutung nahe, dass kleinere Büros schlichtweg weniger in der Lage sind, solche Anreize zu schaffen.

72 % der Büroinhaber hatten besondere Bemühungen unternommen, bestehendes Personal an das Büro zu binden. Hier standen monetäre Anreize (55 %), flexible Arbeitszeitmodelle (36 %), Übernahme von Kosten für Fortbildungen (34 %) oder aber Freistellungen für Fortbildungen (30 %) im Vordergrund. Es fällt auf, dass Inhaber von Landschaftsarchitektur- oder Stadtplanerbüros häufiger als Inhaber von (Innen-)Architekturbüros versuchten, Mitarbeiter durch Übernahme der Kosten der Fortbildungs- oder Spezialisierungsmaßnahmen zum Verbleib im Büro zu bewegen.

Probleme: Qualifikation, Sprache, Gehalt

Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen beruhten am häufigsten auf einer unzureichenden Qualifikation der Bewerber (56 %) oder einem Mangel an Bewerbern (43 %). Genannt wurden auch unzureichende Deutschkenntnisse und nicht zu erfüllende Gehaltsvorstellungen der Bewerber (ca. 30 %).

Aber auch wenn es zu einer Anstellung kam, wiesen die eingestellten Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter häufig fachliche Defizite auf. Jeder zweite Büroinhaber musste Kompromisse bei den fachlichen Anforderungen eingehen. 18 % der Inhaber berichten von mangelnder Berufserfahrung, 6 % von schlechten Deutschkenntnissen.

In 79 % der Fälle wurden seitens der Büroinhaber Maßnahmen eingeleitet, um die fachlichen Defizite abzustellen. Diese bestanden vor allem aus bürointerner Fortbildung (65 %) oder Bezahlung externer Fortbildung (40 %). Die Mitarbeiter wurden auch aufgefordert, sich eigenständig beruflich fortzubilden (26 %).

Die Umfrage spiegelt das sich vermutlich noch verschärfende Problem der „Nachwuchsgewinnung“ wider. Rückmeldungen aus unterschiedlichen Gremien der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und auch der Bundesarchitektenkammer deuten in dieselbe Richtung.

Weitere Zahlen, Daten und Fakten finden Sie auf der Homepage „Wir über uns/Daten und Fakten“ sowie (bundesweit) auf www.bak.de.

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