AKNW-Präsidentin Katja Domschky mit Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen - Foto: Christof Rose / AKNW

Mehr Mut zu Digitalisierung und KI!

Die Baubranche ist mit einer Bruttowertschöpfung von rund 193 Mrd. Euro (2024) und einem Anteil von rund fünf Prozent ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft. „Anders als in Auto- und Chemiebranche wird die Baubranche nicht durch ausländische Investoren bedroht, und ein Haus wird immer hier vor Ort entstehen und stehen bleiben – als dauerhaftes Invest in unser Land“, führte Bauwelt-Chefredakteur Boris Schade-Bünsow als Moderator des Auftakt-Talks in die Fachmesse „digitalBAU“ ein, die vom 24. bis 26. März in Köln stattfand. Die „Fachmesse für digitale Lösungen in der Baubranche“ thematisierte die digitale Transformation in der Bauwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Prozesskette des Planens und Bauens. Die Architektenkammer NRW war als Partnerin der Messe mit einem Infostand präsent und trug mit zwei Panels auf der „Neo Stage“ zum fachlichen Diskurs bei.

26. März 2026von Christof Rose

Die „digitalBAU“ sei die einzige Messe, die der Veranstalter „Messe München“ in Deutschland außerhalb Münchens durchführe, betonte Falk Senger, Mitglied der Geschäftsführung der Messe München. Das zeige den besonderen Stellenwert, der dem Standort NRW in der Branche zugemessen werde.

„KI kann die Branche revolutionieren!“

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe, sagte in der Auftaktdiskussion, die digitale Zukunft habe für die Branche längst begonnen – in den Planungsbüros, in den Betrieben, auf den Baustellen. Das sei eine große Chance, weil der zunehmende Fachkräftemangel eine konsequente Steigerung der Produktivität alternativlos mache. „Die Digitalisierung und der Einsatz von Robotik und KI haben das Potenzial, unsere Branche grundlegend zu verändern, vermutlich sogar zu revolutionieren!“

Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes NRW, berief den „Geist dieser Messe“, der in der engen interdisziplinären Zusammenarbeit liege und der die Branche insgesamt auszeichne. Das NRW-Bauministerium wolle die weitere Entwicklung mit vorantreiben – und auch dadurch ermöglichen, indem aktuell durch die geplante Novellierung der Landesbauordnung daran gearbeitet werde, Genehmigungsprozesse und Anforderungen zu reinfachen und auf das unbedingt Notwendige zu reduzieren. „Wir brauchen mehr Vertrauen in das staatliche Handeln, aber auch mehr Mut“, motivierte Daniel Sieveke. Die öffentliche Bauverwaltung habe sich auf den Weg gemacht. Mit dem Bauportal.NRW treibe das NRW- Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung das Thema konkret voran.

„KI – Hype oder Effizienzbooster?“ 

So lautete die Frage des Eröffnungspanels, in der Felix Pakleppa auf die Effizienzsteigerungen hinwies, die KI schon heute in Verwaltung und Produktion erziele. Auch Robotik schreite auf Baustellen fort. Der humanoide Roboter „Mörtel“, den der Zentralverband Deutsches Baugewerbe auf der digitalBAU präsentierte, sei zwar noch eher ein „Gimmick“. Perspektivisch sei aber das Ziel, die Bauproduktion in wichtigen Teilschritten zu automatisieren und von Robotersystemen unterstützen zu lassen, vor allem durch die Übernahme schwerer und gefährlicher Arbeiten auf der Baustelle.

„Bessere Kundengespräche, bessere Vertriebsgespräche, schnelle Skizzen und Darstellungen – da spüren wir eine enorme Motivation unsere 180 Mitarbeiter. Da gehen alle voll mit“, bestätigte Gerrit Terfehr, Vorsitzender der Vereinigung junger Bauunternehmer, diesen Trend. Die Fachdebatten in Deutschland drehten sich – aus seiner Sicht - zu oft um Bürokratie und Datenschutz. Wichtiger sei ihm, Optimismus und den Willen zu Gestalten zu fördern.

Robotik auf der Baustelle

Künstliche Intelligenz bietet Chancen, repetitive Aufgaben an die Technik zu delegieren und Zeit für kreative Arbeit, aber auch für partizipative und kommunikative Prozesse zu gewinnen, betonte Katja Domschky. Die neue Präsidentin der Architektenkammer NRW eröffnete die AKNW-Panels und verwies darauf, dass das Planen und Bauen jenseits der technischen Anforderungen die Menschen mitnehmen und nachhaltige Nutzbarkeit sicherstellen müsse. 

Wie „Robotik und Digitale Fabrikation in der Architektur“ konkret aussehen können, zeigte Carsten Kamp in einem Panel der Architektenkammer NRW auf der „Neo Stage“. Kamp forscht an der RWTH Aachen am Lehrstuhl für „Individualisierte Bauproduktion“ in den Bereichen Bauprozessdigitalisierung und Prozessautomatisierung – und promoviert auch gegenwärtig in diesem Bereich. Er stellte Forschungsbeispiele vor für Baumaschinen, die Systembauteile aus dem Gebäudebestand der Nachkriegszeit so demontieren und analysieren können, dass diese wiederverwendet werden können. „Angesichts des Booms der Systembauweise in den 1960er bis -80er Jahren steckt hier ein enormes Potenzial“, bekräftigte Carsten Kamp.

Haus aus dem 3D-Drucker

Ganze Neubauten zieht Architekt Lothar Steinhoff aus Nordkirchen-Capelle mithilfe eines 3D-Drucksystems hoch. Er präsentierte beispielhaft das erste Sportvereinsheim, das für den SC Capellen in dieser Form entstanden ist, sowie ein Mehrfamilienhaus. „Das System des Betondrucks hat sich bewährt“, so die Einschätzung von Lothar Steinhoff. „Das Verfahren wird die etablierten Bauweisen nicht ersetzen, aber ergänzen.“ 

BIM-Implementierung mit KI

In einem zweiten Forum diskutierte die AKNW auf der „digitalBAU“ Perspektiven, das „Building Information Modeling“ (BIM) mithilfe von Künstlicher Intelligenz besser anwendbar und leichter implementierbar zu gestalten. 

Als Prokurist der „Formitas AG“ hat sich Falk Wagner seit über zehn Jahren auf die Digitalisierung der Baubranche spezialisiert. Mit seinem Team „Digitale Transformation“ unterstützt er kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Konzerne beim technologischen Wandel. „Ich empfehle immer den Weg der kleinen Schritte“, so Wagner, „einfach mit der Digitalisierung bestimmter Prozessabläufe beginnen – und dabei Vertrauen gewinnen.“ Mit Blick auf die Planung mit BIM warb Falk Wagner dafür, Gebäudeplanungen konsequent einer Lebenszyklusbetrachtung zu unterwerfen. „Wir blicken noch immer viel zu sehr auf die ersten vier Prozent des Lebens eines Bauwerks, auf seine Erstellung.“ 

KI und das Berufsbild

Als Vorsitzender des BIM-Cluster-NRW und Vorstand der „BIM Allianz“ engagiert sich AKNW-Vorstandsmitglied Matthias Pfeifer bundesweit für praktikable Standards und einen passenden rechtlichen Rahmen für die Implementierung von BIM. Er befasste sich in einem Panelbeitrag mit der Frage, wie die fortschreitende Digitalisierung und die Durchdringung der Systeme der Branche durch KI das Berufsbild der Architektinnen und Architekten verändert. „Wir müssen KI als Werkzeug annehmen, formen und nutzen“, lautete sein Appell an die Branche. Entscheidend sei, dass auch bei automatisierten Prozessen und KI-Analysen die Entscheidungsfähigkeit und die Verantwortung bei der Architektenschaft „als Systemführer“ bleibe. 

Mit seinem Fachausschuss „Beruf, Innovation, Digitalisierung“ der Architektenkammer NRW hatte Pfeifer das Positionspapier „Künstliche Intelligenz und das Berufsbild der Architektenschaft“ entwickelt, das Positionen und Appelle an den Berufsstand mit Blick auf die Nutzung von KI enthält.

 

Klicken Sie hier, um das Karussell zu überspringen.
  • Sprachen über „Künstliche Intelligenz in der BIM-Methode” (v.l.): AKNW-Vorstandsmitglied Matthias Pfeifer (Vorsitzender des BIM-Cluster NRW) und Falk Wagner (Leiter Digitale Transformation/Formitas AG) mit Christof Rose, stellvertretender Geschäftsführer der AKNW und Moderator der Panels. - Foto: AKNW
  • Die AKNW ist an allen drei Messetagen mit einem Infostand auf der digitalBAU vertreten. - Foto: Christof Rose / AKNW
  • Die AKNW gestaltete zwei Panels auf der „Neo-Stage“ - Foto: Christof Rose / AKNW
  • Am Vormittag sprach Carsten Kamp (RWTH Aachen) im Panel zu „Robotik und digitale Fabrikation in der Architektur“ - Foto: Tobias Schibbe / AKNW
  • Lothar Steinhoff stellte am Vormittag im AKNW-Panel ein 3D-Betondruck Projekt seines Büros vor. - Foto: Tobias Schibbe / AKNW
    Ende des Karussells

    Teilen via