Junge Menschen in Kontakt mit Architektur zu bringen – das ist für die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ein großes Anliegen und eine Daueraufgabe. „Schon seit den 1990er Jahren engagieren wir uns dafür, baukulturelle Themen an den Schulen zu verankern“, berichtete AKNW-Vorstandsmitglied Friederike Proff dem interessierten Publikum auf der jüngsten „Schulbaumesse“ des Cubus-Medien-Verlags, die am 24./25. September in der Messe Essen stattfand.
Die Herausforderung, Baukultur schon an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, ließe sich nur gemeinsam mit vielen beteiligten Akteurinnen und Akteuren bewältigen, führte die Düsseldorfer Architektin Proff aus. Das Schulgebäude selbst, in dem die Schüler*innen lernten, könne dabei immer wieder als Praxisbeispiel herangezogen werden. „Gute Schulbauten schaffen identitätsstiftende Räume, sie sind Mikrokosmen, die einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft bilden“, betonte Friederike Proff. Ziel des Programms „Architektur macht Schule!“ der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen sei es, Kinder und Jugendliche für die gebaute Umwelt zu sensibilisieren, ihnen gewissermaßen die Augen zu öffnen: „Man sieht nur, was man weiß!“
Proff, die sich seit Jahren mit der Schnittstelle zwischen Architektur und Pädagogik beschäftigt, machte anhand aktueller Projekte der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen deutlich, wie stark Architektur als „dritter Pädagoge“ wirken kann. „Es geht nicht nur darum, Räume zu bauen, sondern Lernumgebungen zu schaffen, die inspirieren, die herausfordern und Gemeinschaft ermöglichen.“
Die Architektenkammer NRW beschäftigt sich auf vielfältige Weise mit dem Thema Architektur und Schule. So führt die Kammer mit engagierten Mitgliedern als Teil des NRW-Programms „Kultur und Schule“ alljährlich rund 20 Architektur-Schul-Projekte durch, in denen sich junge Leute mit Aspekten der gebauten Umwelt beschäftigen.
Der „Schulkompass Architektur“ der Architektenkammer NRW ist eine Berufsinformationsbroschüre für Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufen. Die 16-seitige Publikation zeigt kurz und kompakt, was das Berufsbild von Architektinnen und Architekten, Innenarchitekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen oder Stadtplanerinnen und Stadtplanern ausmacht.
Auch ist die Architektenkammer NRW Partnerin des aktuellen Kinder- und Jugendarchitekturwettbewerbs, den die Oper am Rhein für den Neubau „Opernhaus der Zukunft“ in Düsseldorf ausgelobt hat. Am Standort des ehemaligen Kaufhofes am Wehrhahn soll in der Saison 2033/2034 ein Neubau eröffnet werden, der neben der Deutschen Oper am Rhein auch die Musikbibliothek der Stadt Düsseldorf sowie die Clara-Schumann-Musikschule beherbergen soll. Unter dem Motto „Bau dein MusikschuleBibliothekOpernhaus der Zukunft!“ wurde ein Kinder- und Jugend-Architektur-Ideenwettbewerb ausgelobt; den Vorsitz der Jury übernahm AKNW-Vorstandsmitglied Harald Wennemar. Zudem widmet sich die AKNW regelmäßig dem qualitätvollen Schulbau, indem die Kammer gemeinsam mit dem NRW-Schulministerium die „Auszeichnung vorbildlicher Schulbauten“ vergibt. Mit dem Auszeichnungsverfahren sollen Schulen prämiert werden, die mit innovativer und nachhaltiger Architektur auf die pädagogischen Anforderungen der Zeit reagieren und die Umsetzung moderner pädagogischer Konzepte räumlich ermöglichen.
Einen starken kulturpolitischen Akzent setzte auf dem Schulbaukongress in Essen auch Peter Köddermann, Programmgeschäftsführer der Landesinitiative Baukultur NRW. In seinem Vortrag zum neuen Baukultur-NRW-Projekt „B wie Baukultur“ unterstrich er, dass viele Initiativen in Nordrhein-Westfalen sich der baukulturellen Bildungsarbeit widmen würden. Ihnen könne ein neues Materialbuch helfen, das Baukultur NRW herausgegeben hat und das die Architekturwahrnehmung von Grundschulkinder spielerisch schärfen soll.
Im Mittelpunkt von „B wie Baukultur“ steht das Modul „Meine Wohlfühlschule“, in dem Kinder lernen, Räume bewusst wahrzunehmen, zu verstehen und eigene Gestaltungsideen zu entwickeln. Das buch will Schulen als Orte des Wohlbefindens erfahrbar machen und Kinder aktiv in ihre Gestaltung einzubeziehen, so Peter Ködderman. „Baukultur hört nicht bei der Ästhetik auf, sondern ist eine Haltung – auch und gerade im Bildungsbau.“ Der Programmgeschäftsführer von Baukultur NRW forderte eine stärkere Einbindung von Schüler*innen, Lehrkräften und Planenden in die Entstehungsprozesse von Schulgebäuden. Nur so könne echte Identifikation mit dem Raum und damit nachhaltige Baukultur entstehen.
Die Schulbaumesse 2025 zeigte, dass gute Schule nicht erst im Unterricht, sondern bereits mit dem Bau beginnt. Die zahlreichen Beiträge verdeutlichten, welches Potenzial in durchdachter, partizipativer Schularchitektur steckt und wie wichtig die Architekturvermittlung an den Schulen ist.
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