Einladung zum Dialog: Prof. Judith Reitz (Dekanin PBSA, r.) und Künstlerin Ute Reeh (Zentrum für Peripherie, 2. v. r.) mit Studentinnen – Fotos: Jan Kampshoff

Lebendige Orte gemeinsam entwickeln

Ute Reeh will aufrütteln. Ziel der Projekte der Düsseldorfer Künstlerin sind der interdisziplinäre Austausch und die Veränderung der Perspektive aller Beteiligten. „Wer seine Position verändert, ändert auch seine Sichtweisen“, sagte Reeh zum Auftakt des Symposiums „Neues Leben für gemeinsame Orte“, das ihr „Zentrum für Peripherie“ (ZfP) gemeinsam mit der Architektenkammer NRW, der PBSA Düsseldorf sowie der Landesinitiative Baukultur NRW am 5. September in Düsseldorf-Garath durchführte.

13. September 2022von Christof Rose

Ungewöhnlich war auch der Ort der Veranstaltung: Die rund 80 Teilnehmenden trafen sich open air auf einer Betonplatte in der Siedlung am Wittenberger Weg an fünf Arbeitstischen. Beteiligt waren neben Architekt*innen und Planer*innen auch Kunstschaffende, Mitarbeitende aus Verwaltungen, Hochschullehrer*innen sowie Kinder und Jugendliche.

Die „Platte am Wittenberger Weg“ war vor einigen Jahren von Ute Reeh mit Kindern und Jugendlichen der Alfred-Herrhausen-Schule Düsseldorf sowie Akteur*innen aus der Nachbarschaft als Fundament für ein geplantes „Wiesencafé“ bzw. einen Nachbarschaftstreff realisiert worden. Die Frage, wie ein solcher „lebendiger Ort“ geschaffen und dauerhaft betrieben werden könne, wurde am Vormittag des Symposiums mit Schülerinnen und Schülern diskutiert, die an unterschiedlichen Architektur-Schul-Projekten teilgenommen hatten.

So stellten etwa Yvonne, Tilda, Tizia und Anna vom Wim-Wenders-Gymnasium Düsseldorf ihre Vorschläge und Ideen vor, die sie im Rahmen eines „Kultur und Schule“-Projektes mit dem Architekten Manuel Ruf und ihrer Kunstlehrerin Anke Lohrer entwickelt hatten. Auch Schüler*innen der Alfred-Herrhausen-Förderschule, die selbst im Stadtteil wohnen, erläuterten ihre Wünsche an die „Platte“.
Was ein solches Vorhaben politisch bedeutet, diskutierten am Mittag Ernst Uhing, der Präsident der Architektenkammer NRW, im Gespräch mit Peter Köddermann, Geschäftsführer Baukultur NRW, und Vertretern der Stadtpolitik. „Ein Projekt, bei dem die Menschen vor Ort mitwirken, ist das Beste, was passieren kann“, erklärte Kammerpräsident Uhing, und empfahl der Stadt, das Vorhaben als „Reallabor“ zu betrachten und voranzubringen.

Für Prof. Judith Reitz, Dekanin des Fachbereichs Architektur der Peter Behrens School of Arts (PBSA) in Düsseldorf, sind Design-Build-Projekte wie das Wiesencafé auch der ideale Weg, um Architekturstudierende zu fördern und zu fordern. Beispiele für bürgerschaftliches Engagement in einem interdisziplinären Team zur Schaffung gemeinsamer, lebendiger Orte wurden auch aus Aachen (Theatersaal, Christopher Neuwirth), Köln (Ebertplatz, Susanne Kothe) und Witten (Saalbau, Kata Kern) vorgestellt.

Der sonnige Tag schloss mit einigen wissenschaftlichen Betrachtungen und Impulsen von den Architektur-Professoren Jan Kampfshoff, Jörg Leeser, Florian Kluge und Christoph Schmidt. Impulse aus der Kunst und der Projektpraxis könnten eine gute Basis stellen für eine rege Diskussion zu Anforderungen gemeinschaftlicher Stadtgestaltungsprozesse und insbesondere zu Fragen der Honorierung in der Kunst. Zentrales Erfolgskriterium für solche Projekte sei die Wertschätzung aller Beiträge, unterstrich Christoph Schmidt: „Es sind viele kleine Schritte, die man gehen muss. Am Ende wird aus Wertschätzung der vielen Mitwirkenden auch ein Inwertsetzen des Ortes.“

Impressionen von der Veranstaltung unter www.baukultur.nrw

 

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