Baukultur entsteht im engen Zusammenspiel von architektonischer Planung, stringentem Prozessmanagement und handwerklicher Umsetzung. Auch wenn digitale Werkzeuge, industrielle Vorfertigung und automatisierte Abläufe den Bauprozess zunehmend prägen, bleibt handwerkliches Können unverzichtbar. Das Wissen um Materialien, ihren Einsatz und die konkrete bauliche Umsetzung bleiben unverzichtbar. Gleichzeitig steht das gesamte Bauwesen unter erheblichem Druck. Fachkräftemangel, steigende Kosten sowie die gesellschaftliche Erwartung, schnell und viel zu bauen, verändern die Rahmenbedingungen tiefgreifend. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) die baukulturelle Bedeutung des Bauhandwerks genauer betrachtet. In der neuen Publikation „Das Handwerk als baukultureller Akteur. Materialbasierte Erfahrung, Gestaltungskompetenz und systemische Herausforderungen im Bauprozess“ wird aus unterschiedlichen Perspektiven auf die integrativen, kulturellen und gestalterischen Funktionen des Bauhandwerkes geblickt.

Für die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen betrachtet deren Hauptgeschäftsführer Markus Lehrmann Markus die Rolle des Handwerkes und die Entwicklung des Bauwesens anhand von drei Thesen aus einer berufspolitischen Perspektive. Er fordert, dass die Ökobilanz eines Gebäudes künftig zum Maßstab für die Bewertung eines Gebäudes werden müsse - anstelle der ausschließlichen Effizienzbetrachtung des Betriebs. Zudem führe der Weg zum besseren Bauen über die Vereinfachung; hier seien der „Gebäudetyp-E“ und die aktuell in NRW eingeführte „Oldtimerregelung“ wichtige Fortschritte. Schließlich sieht Lehrmann die kreative Nutzung von künstlicher Intelligenz für das Planen und Bauen als grundlegend an, um die Branche insgesamt zukunftsfähig weiterzuentwickeln. „Die Planungs- und Baubranche sorgt für eine gebaute Lebenswirklichkeit, die den Ansprüchen an eine humanistische und demokratisch verfasste Gesellschaft entspricht“, resümiert der Hauptgeschäftsführer der AKNW. „Architektinnen und Architekten – in einer Allianz mit Handwerkerinnen und Handwerkern – haben es in der Hand, die Zukunft zu gestalten.“
Die neue Online-Publikation des BBSR bietet vielfältige Perspektiven auf die Bedeutung qualifizierter handwerklicher Arbeit für das Planen und Bauen. Zu den weiteren Autor:innen gehören Stadt- und Regionalplaner Dr. Carsten Benke, Silvia Hardt von den Montag Stiftungen, die Architektin, Energieberaterin und Vorsitzende des Vereins „Bauwerk Schwarzwald“, Dr. Diane Wiedemann sowie Belinda Rukschcio von der Organisation „Bauhaus Erde“. Ihre Impulse und Argumente unterstützen das „Manifest der Baukultur zur Ausbildung im Handwerk“, das am 11. Juni 2026 beim Konvent der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam beschlossen wurde und welches die Architektenkammer NRW mitträgt. Es fordert bessere Rahmenbedingungen, mehr gesellschaftliche Anerkennung und eine stärkere Förderung der bauhandwerklichen Ausbildung, um dem akuten Fachkräftemangel entgegenzuwirken – und betont ebenfalls die notwendige qualifizierte Ausbildung des Handwerks, um auch in Zukunft Baukultur gemeinschaftlich planen und bauen zu können.
„Das Handwerk als baukultureller Akteur. Materialbasierte Erfahrung, Gestaltungskompetenz und systemische Herausforderungen im Bauprozess“; Hrsg.: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Wissenschaftliche Begleitung Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Referat RS 7 „Quartiersentwicklung, Baukultur und städtebaulicher Denkmalschutz“, Dr. Alexander Fichte. Abrufbar hier.
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