Eröffneten die Schulbaumesse (v.r.): Kirsten Jung ( CUBUS Medien), Ernst Uhing ( Präsident AKNW) und Robert Voigtsberger ( Schuldezernat Köln)

Schulen zu Zeichen des Wandels machen!

Schulen müssen zu Motoren der Innovation werden! Mit dieser Vision eröffnete der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Ernst Uhing, gemeinsam mit Kirsten Jung vom Cubus-Medienverlag am 28. September die Veranstaltung „Schulbaumesse und -salon“ in Köln.

30. September 2022von Christof Rose
Die Diskussionsrunden waren interdisziplinär zusammengesetzt. Hier diskutiert u.a. Architektin Raphaella Burhenner de Cayres ( gernot schulz : arch.)

Lernräume seien für junge Leute längst zu Lebensräumen geworden. Darauf müsse die Architektur reagieren, erklärte Uhing in seinem Impuls zu dem internationalen Branchenaustausch. „Schulen sollten Motoren der Innovation sein“, forderte Architekt Uhing. Wenn heute – nicht zuletzt durch ein Schulinvestitionsprogramm der Landesregierung – wieder umfassend in Schulsanierungen und -neubauten investiert werde, sei es dringend geboten, dies im Sinne einer Kreislaufwirtschaft und klimagerecht umzusetzen. „Es bietet sich die große Chance, Schulbauten zu Zeichen des Wandels zu machen, um auch den Kindern und Jugendlichen dieses wichtige Thema in eigener, täglicher Anschauung zu vermitteln“, unterstrich der Präsident der Architektenkammer NRW.

Kammerpräsident Uhing warb dafür, neue Schulprojekte über Architektenwettbewerbe auf den Weg zu bringen. „Sie erhalten damit eine Auswahl der besten Lösungen und die Gewissheit, eine qualitätvolle, individuelle Planung zu haben“, appellierte Uhing an die Verantwortlichen in Kommunen und anwesende Schulträger.
Abschließend kündigte Ernst Uhing die Auslobung des neuen „Schulbaupreis NRW“ an, welchen die Architektenkammer NRW gemeinsam mit dem NRW-Schulministerium ausrichtet. „Es geht dabei auch darum, überzeugende, innovative Lösungen für den Gebäudebestand zu finden und öffentlich zu präsentieren“, betonte Uhing. Einreichungen werden ab dem Jahreswechsel erfolgen können.
Dass es guter Beispiele bedarf, bekräftigte auch der Schuldezernent der Stadt Köln, Robert Voigtsberger, in seiner Begrüßung im Palladium. Für die Domstadt würden gegenwärtig rasant steigende Schülerzahlen dazu führen, „dass wir den Bedarfen nur noch unter größten Anstrengungen gerecht werden können“. Dazu komme die Wiedereinführung des G9 an Gymnasien und steigende Ansprüche an Schulgebäuden.
Es gebe durchaus Flächenkonkurrenzen zwischen den Anforderungen Wohnen, Gewerbe- und Bildungsbau. Für die stark wachsende Stadt Köln (bis 2040 wird ein Wachstum um 200 000 Einwohner erwartet) sei das eine enorme Herausforderung, so der Beigeordnete für Bildung, Jugend und Sport der Stadt Köln. Deshalb habe der Kölner Rat das größte Schulbauprogramm in der Geschichte der Stadt aufgelegt (48 Einzelprojekte, ein Gesamtinvest von ca. 2,4 Mrd. Euro bis 2027). Wir haben eine Task Force eingerichtet und vergeben an Generalübernehmer. Wir müssen neue Wege gehen, u.a. Schulneugründungen, bei denen Investoren die Schulen errichten und dann an die Stadt Köln vermieten.
Es sei allerdings ein Dauerlauf gegen die Zeit, betonte der Beigeordnete für Bildung, Jugend und Sport der Stadt Köln. „Wir brauchen weitere neue Ideen und Lösungsansätze“, so Robert Voigtsberger.

Pädagogik und Raumstrukturen

In verschiedenen Diskussionsforen wurden die aktuellen Herausforderungen des Schulbaus angesichts wachsender Schülerzahlen, des Ganztagsanspruchs und neuer pädagogischer Anforderungen diskutiert. Die Sicht der Planenden brachte dabei u.a. Raphaella Burhenne de Cayres vom Büro „gernot schulz : architektur“ aus Köln ein. Die Architektin hob hervor, dass Schulbau von den Bedarfen her gedacht werden müsse: „In der Beratung von Schulen entwickeln wir ganzheitliche Raumprogramme, die dann Grundlage für die Architekturplanung sind.“ Wichtig sei es, die Freiräume mit zu berücksichtigen und strukturell in die Planung einzubeziehen. „In Großstädten bietet es sich auch an, über Umnutzungen nachzudenken“, empfahl Burhenne de Cayres. So kämen etwa aufgegebene Großkaufhäuser oder Supermärkte mit ihren großen Parkplatzflächen grundsätzlich als Basis für einen Schulbau infrage.
Über die Umnutzung bestehender Gebäude für den Schulbau sprach auch Architektin Marcia Canales, Geschäftsführerin von Kamleitner Canales Architekten in Hamburg.

Das Büro hat viele Projekte im Bereich Denkmalschutz und Refurbishment bearbeitet. Aktuell wird im Bereich der Hafen-City ein Bürogebäude aus den 1980er Jahren in einen Standort der Universität Hamburg umgewandelt. Zu den Risiken der Bestandsumnutzung gehörten nach ihrer Erfahrung die Bausubstanz und das Planungsrecht. Hier müsse der Fokus gelegt werden auf Schadstoffbelastung, Hygiene, Schall- und Wärmeschutz, Brandschutz und Fragen der Statik. „Schön ist bei der Aufgabe, dass sich viele Chancen im Bestand ergeben“, betonte Marcia Canales. Jede Bestandsweiternutzung sei ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, zumal künftig bei allen Bauprojekten die CO2-Bilanz nachgewiesen werde müsse.

„Wir arbeiten außerdem in bestehenden Strukturen, was die Infrastruktur, aber auch die soziale Einbindung angeht“, so die Hamburger Architektin. Für Architekturbüros sei das auch eine inhaltliche Herausforderung, die dazu zwinge, out-of-the-box zu denken und neue Nutzungen für Räume zu finden, die man im Neubau nie so geplant hätte. „Für so ein Projekt ist es sehr wichtig, dass sich die Nutzer später mit dem Gebäude identifizieren - auch mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit.“

Rechtsanspruch auf Ganztag

Diskussionsbeiträge der Pädagoginnen und Pädagogen zeigten, dass insbesondere der Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung (für alle Erstklässler ab 2026/27) die Grundschulen unter gewaltigen Druck setzt. „Wir müssen weg von dem Denken, dass Unterricht und Ganztag in unterschiedlichen Räumen abläuft“, betonte Schulberater Raimund Pott („schulhorizonte“). Räume müssten ganztägig genutzt werden können – und deshalb multifunktional ausgelegt werden.  

Gesunde Schule

Ein wichtiges Themenfeld für den Schulbau ist das Innenraumklima. „Wir alle halten uns täglich 80 bis 95 Prozent unserer Zeit in Innenräumen auf“, erläuterte Tina Snedker Kristensen von der Firma Troldtekt aus Hamburg. Es sei deshalb wichtig, Schadstoffe in Innenräumen zu vermeiden – insbesondere in Schulen, weil Kinder und Jugendliche noch empfindlicher für die Aufnahme von Schadstoffen seien. Bei der Herstellung von Baumaterial spielten heute die nachhaltige Herstellung im Sinne einer Cradle-to-cradle-Kreislaufwirtschaft sowie die Schadstofffreiheit eine entscheidende Rolle.

www.schulbau-messe.de

 

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