Das Land Nordrhein-Westfalen nimmt die Ausbildung junger Architektinnen und Architekten für den öffentlichen Dienst wieder auf. „Das ist ein großer Erfolg für die gesamte Architektenschaft“, resümierte der Kammervorstand auf seiner Sitzung am 5. Oktober 2011. Präsident Hartmut Miksch hob hervor, dass die Zusage des Landes, im kommenden Jahr bis zu acht Referendare für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst in der Fachrichtung Architektur auszubilden, von großer Symbolkraft sei: „Damit macht das Land deutlich, dass auch in den öffentlichen Verwaltungen auf das Know-how qualifizierter Architektinnen und Architekten nicht verzichtet werden kann.“
Die Fachleute kehren zurück an die Schreibtische und Entscheidungspositionen im öffentlichen Dienst. So ließe sich die Vereinbarung zusammenfassen, welche das nordrhein-westfälische Bauministerium jetzt auf Drängen der Architektenkammer NRW mit dem Innen- und dem Finanzministerium getroffen hat. Demnach sollen im kommenden Frühjahr endlich wieder Referendare der Fachrichtung Architektur durch das Land ausgebildet werden.
Die Einstellung dieser Ausbildung vor einigen Jahren hatte den Trend gefördert, dass immer weniger Experten der Fachrichtung Architektur in der Bauverwaltung des Landes und in den Baudezernaten der Kommunen zur Verfügung standen. Bauherren und Architekten fehlen damit qualifizierte Ansprechpartner, die sich nicht nur in der Verwaltung auskennen, sondern auch in ihrem speziellen Themengebiet versiert sind. Für die Startphase der Wiederaufnahme dieser wichtigen Ausbildung will das Land im kommenden Frühjahr sieben bis acht Stellen ausschreiben, die der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zur Verfügung stellen soll.
Städtebauförderung erhalten!
Erneut musste sich der Vorstand der Architektenkammer intensiv mit den geplanten Kürzungen bei der Städtebauförderung befassen. Präsident Hartmut Miksch berichtete von der Anhörung, die am 27. September im Landtag stattgefunden hatte. „Alle geladenen Fachleute waren sich einig: Die Kürzungen, die Bundesbauminister Peter Ramsauer für die Städtebauförderung angekündigt hat, würden dieses sozial wichtige Förderprogramm de facto austrocknen!“ Die Städtebauförderung komme gezielt den armen Haushalten und Stadtquartieren zugute. „Bislang gehen wir in der Städtebauförderung da hin, wo die Not am größten ist“, betonte Miksch. Dieses wichtige städtebauliche und sozialpolitische Instrument dürfe nicht kurzfristigen Sparzielen geopfert werden, lautete der Tenor des Vorstands.
Rauchmelder freiwillig installieren!
In einem weiteren politischen Gespräch hatte sich die Architektenkammer NRW Ende September zu einer möglichen Einführung einer „Rauchmelderpflicht“ für Wohnungen positioniert - mit einer kritischen Stellungnahme. Nach Auffassung des Kammervorstands ist der Einbau von Rauchmeldern in Wohnungen zwar sinnvoll und empfehlenswert. Eine Verpflichtung lehnt die Kammer aber aus praktischen Gründen ab: Erstens könne die Pflichterfüllung de facto nicht kontrolliert werden, und zweitens würde sich für Architektinnen und Architekten möglicherweise ein Haftungsrisiko ergeben, das in den bisher bekannt gewordenen Überlegungen nicht eindeutig beantwortet wird. „Wir unterstützten gerne eine umfassende Informations- und Motivationskampagne“, hob Präsident Hartmut Miksch hervor. Der Wohnungsbau dürfe aber nicht mit weiteren Auflagen und Pflichten verkompliziert werden.
Schwerpunkt „Demografischer Wandel“
Die Alterung der Gesellschaft in Deutschland bei einem parallel verlaufenden Schrumpfungsprozess wird schon in wenigen Jahren Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt und den Städtebau zeitigen, auf die wir noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Die AKNW hat das Thema zwar bereits mehrfach auf Tagungen und Kongresses aufgegriffen, will den öffentlichen Druck in dieser Frage aber weiter forcieren. Der Vorstand beschloss deshalb die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, welche die vielfältigen Fakten zu diesem Themenfeld analysiert und Handlungsoptionen formuliert. Ziel ist es, die politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu einem altengerechten Umbau des Gebäudebestands deutlich zu verbessern.
Wettbewerbsberater erfolgreich
In den Jahren 2007 bis 2011 hat die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen insgesamt 312 Wettbewerbe registriert, die nach den RAW bzw. RPW durchgeführt werden sollten. Bei etwa der Hälfte dieser Verfahren waren die ehrenamtlich tätigen Wettbewerbsberater der Architektenkammer beteiligt. Etwa 100 Architektenwettbewerbe konnten dank der Beratungstätigkeit später ausgelobt und durchgeführt werden. „Unsere Wettbewerbsberater sind ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Wettbewerbswesens in Nordrhein-Westfalen“, unterstrich Vorstandsmitglied Jochen König, der den Kammerausschuss „Wettbewerbswesen“ leitet. Zwar sei die Zahl der Beratungen in den letzten Jahren leicht rückläufig. Dies resultiere aber aus der Tatsache, dass immer mehr - vor allem große - Auslober spezialisierte Büros mit der Vorbereitung und Durchführung von Architektenwettbewerben beauftragen. König: „Hier hat eine Professionalisierung stattgefunden, die dem Wettbewerbswesen insgesamt gut tut.“
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