Mit der Ausstellung „Irregular“ präsentiert Jürgen Meier ab dem 6. Mai in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ein Werkensemble, das seine langjährige künstlerische Auseinandersetzung mit Architektur, Raumwahrnehmung und gesellschaftlichen Strukturen in eine neue, überraschend persönliche Richtung führt. „Irregular“ richtet den Blick auf ein ikonisches Kapitel deutscher Architekturgeschichte: die Olympischen Spiele 1972 in München. Der Künstler nimmt vor allem das Zusammenspiel der Akteurinnen und Akteure künstlerisch in Visier: Wie konnte damals in relativ kurzer Zeit epochale Architektur entstehen?

Jürgen Meier wurde in Münster, London und Leipzig ausgebildet und arbeitet seit vielen Jahren als Künstler, Dozent und künstlerischer Leiter großer Lichtfeste in Leipzig. Dabei erweist er sich als präziser Beobachter, der die Spuren von Ideen, Ideologien und menschlichen Entscheidungen in Formen, Gebäuden und urbanen Räumen sichtbar macht.
In seiner Ausstellung „Irregular“ geht Meier künstlerisch auf die Entstehung bedeutender deutscher Architekturikonen ein, etwa die Konstruktion der Rheinbrücken. In den Fokus der Schau rückt Jürgen Meier den Planungsprozess zum Olympiadorf in München 1972. Die dort realisierten Bauten, allen voran die visionären Dachkonstruktionen von Frei Otto und Günther Behnisch, stehen bis heute für eine radikale Neuorientierung im Denken über Raum, Leichtigkeit und Transparenz. Das Olympische Dorf von Heinle, Wischer und Partner wiederum für das Prinzip einer Stadt in der Stadt und eine frühe autoarme Siedlung. Dessen Projektleiter, Architekt Murray Church, schenkt Jürgen Meier in besonderer Weise künstlerische Beachtung.
Der Künstler interessiert sich weniger für die fertigen Ikonen, als für die Akteure und ihren Weg zum gebauten Objekt. Für die Zweifel, die tastenden Versuche, die Reibungen zwischen Disziplinen und Persönlichkeiten, die dieses Projekt geprägt haben. Geschichte und Kontext liefern für Meier Angebote, die er interpretiert - als Künstler, nicht als Wissenschaftler.
Aus seiner künstlerischen Perspektive rekonstruiert Jürgen Meier die Beziehungen der Protagonisten - Ingenieure, Architekten, Gestalter - und macht sichtbar, wie sehr große Entwürfe aus Unsicherheiten entstehen. Seine Arbeiten zeigen, dass Innovation selten geradlinig verläuft. Sie entsteht im Irregulären: im Ringen um Form, im Scheitern und Wiederaufstehen, im Dialog zwischen Menschen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und dennoch ein gemeinsames Ziel verfolgen.
Diese Haltung prägt Meiers gesamtes Werk. Seine Malereien, Installationen und raumbezogenen Arbeiten verbinden analytische Genauigkeit mit poetischer Offenheit. Sie sind nie bloße Dokumentation, sondern immer auch Interpretation - ein Versuch, die verborgenen Energien hinter sichtbaren Strukturen freizulegen. In „Irregular“ führt Jürgen Meier diese Methode konsequent weiter: Er verwandelt historische Recherche in eine ästhetische Erzählung über Zusammenarbeit, Mut und die fragile Schönheit des Entwerfens.
Die Ausstellung lädt dazu ein, Architektur nicht als fertiges Objekt zu betrachten, sondern als stetigen Prozess. Das wird auch in der Ausstellungsarchitektur erlebbar: Die Betrachter*innen werden eingeladen, um das Ausstellungsobjekt herum zu gehen und es auch aus einer erhöhten Position, von der Galerie der Architektenkammer NRW aus, zu betrachten.
Jürgen Meier: IRREGULAR
ARCHITEKTENKAMMER.NRW
Laufzeit: 06.05. – 12.06.2026
Öffnungszeiten: Mo. – Fr., 8.00 – 17.00 Uhr
Eintritt frei.
Zur Vernissage am 05.05.2026 um 18.30 Uhr laden wir Sie herzlich ein!
Einladungsflyer (PDF)
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