Bestand weiterdenken!

Eine leichte Zunahme bei den genehmigten Wohnungen in Deutschland sowie die Impulse, die durch den „Bau-Turbo“ der Bundesregierung in die Branche gesendet werden, lassen zum Jahresausklang hoffen. Gleichwohl dürfte die Zahl der 2025 fertiggestellten Wohnungen auf niedrigem Niveau von etwa 235.000 WE stagnieren. „Die Steigerung des Wohnungsbaus bleibt eine zentrale Aufgabe für unsere Branche und die Gesellschaft insgesamt“, betonte Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW, in der November-Sitzung des Kammervorstands in Düsseldorf.

06. November 2025von Christof Rose

Die bundesweit vorangetriebene Einführung des „Gebäudetyp-E“ sei deshalb ein Instrument, dessen Umsetzung keinen Aufschub mehr dulde, so der Vorstand der Architektenkammer NRW. 
Die Kritik der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen an § 246e des Bau-Turbos bleibt bestehen: Die Möglichkeit einer „planlosen Ausweisung von Bauland“ sei ein Irrweg. „Wer ernsthaft glaubt, dass man in Zeiten knapper Ressourcen ohne Planung besser zurechtkommt, ist auf dem Holzweg“, sagte AKNW-Hauptgeschäftsführer Markus Lehrmann. Daher appelliert die AKNW an die kommunalen Fachkräfte, dem Laissez-faire keinen Raum einzuräumen.

Verdichtung durch Aufstockung

Positiv sieht die AKNW einen aktuellen Vorstoß der SPD-Landtagsfraktion, mehr Wohnraum in Städten durch die Strategie der Gebäudeaufstockung voranzubringen. Hier liege allerdings eine große Schwelle im hohen Genehmigungsaufwand, berichtete Vorstandsmitglied Harald Wennemar aus der praktischen Erfahrung. „Der Vorschlag unterstreicht noch einmal die Bedeutung einer Oldtimer-Regelung, die wir für die Bestandsarbeit vorschlagen“, ergänzte Kammerpräsident Ernst Uhing. Der AKNW-Vorstand unterstrich die Bedeutung der Nachverdichtung, zu der auch das systematische Nutzen von Baulücken gehöre.

Bauämter ertüchtigen

Auf eine „Ertüchtigung der Bauämter“ zielt ein weiterer Antrag der SPD-Fraktion an den Landtag NRW, zu dem die AKNW Stellung beziehen wird. Darin fordert die größte Oppositionsfraktion einen besser planbaren Rhythmus für Novellierungen der Landesbauordnung. Außerdem sollten Baugenehmigungsverfahren vereinfacht werden, indem zeitnah Verwaltungsvorschriften als Auslegungshilfe zu erstellen seien. 
Auf Zustimmung des Kammervorstands traf die Forderung, dem Fachkräftemangel in den kommunalen technischen Ämtern nachhaltig entgegenzuwirken - durch Nachwuchsförderung, qualifizierte Ausbildung und eine wettbewerbsfähige Bezahlung.

Umsetzung der EPBD in NRW

Erhebliche Auswirkungen auf das Planen und Bauen nimmt auch die europäische „Energy Performance of Buildings Directive“ (EPBD). Mit der Richtlinie will die EU die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern und den Gebäudesektor in Europa bis 2050 dekarbonisieren. Bis zum Jahr 2026 muss die EPBD national umgesetzt werden - in Deutschland bedeutet das die Implementierung in das Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Wie Manfred Krick, Vorsitzender des Ausschusses „Planen, Bauen, Technik“ der AKNW, dem Vorstand berichtete, hat eine Taskforce der Bundesarchitektenkammer dazu Positionen erarbeitet, die von der Architektenkammer NRW nun ergänzt wurden. „Anhand der fünf Leitideen des BAK-Papiers zeigen wir auf, welche Bedeutung die Umsetzung der EPBD für das Land Nordrhein-Westfalen hat, und wie die Umsetzung konkret gelingen kann“, so Krick. Neben bereits bestehen Positionen zur Oldtimer-Regelung, zum Gebäudetyp-E und einer quartiersbezogenen Betrachtung wird auch der Zugriff der Mitglieder auf die verpflichtend aufzubauende digitale Gebäudedatenbank gefordert. „Nordrhein-Westfalen verfügt über einen Gesamtgebäudebestand von rund 9,3 Millionen Einheiten“, erinnerte Krick. „Das unterstreicht die Bedeutung der Transformation der Bestandsbauten für unser Bundesland – und als Aufgabe für unseren Berufsstand.“

BIM im Kommunalbetrieb

Wie bewährt sich das „Building Information Modeling“ (BIM) im Betrieb kommunaler Gebäude? Zu dieser Fragestellung regt die AKNW als Partnerin des BIM-Clusters NRW in Kooperation mit dem NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung mit ihrer nächsten Netzwerkveranstaltung eine Diskussion an. „Man findet noch nicht viele Vorzeigeprojekte“, berichtete Matthias Pfeifer dem Vorstand der Architektenkammer. Eine Erkenntnis der Vorrecherche sei, dass die „Auftraggeber-Informationsanforderungen“ (AIA) nicht überzogen aufgestellt werden dürfen. „Viele öffentliche Auftraggeber zeigen sich noch abgeschreckt. Dem wollen wir durch niedrigschwellige Beispiele entgegenwirken“, so Matthias Pfeifer, der das Thema seit Jahren vorantreibt.

Neues DAB-Ökosystem

Einstimmig beschloss der AKNW-Vorstand die Unterzeichnung der Verträge zur Weiterentwicklung des Deutschen Architektenblattes (vgl. Editorial sowie Bericht S. XY). „Die Transformation zum neuen DAB-Ökosystem bedeutet einen fundamentalen Fortschritt in der Kommunikationsarbeit der deutschen Länderarchitektenkammern mit ihren Mitgliedern“, unterstrich Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer der AKNW. „Wir werden digitaler, schneller und attraktiver.“
Die Berichte aus der Vorstandsarbeit und alle aktuellen Informationen der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen werden Sie weiterhin lesen können auf unserer Webseite, in unseren Newslettern – sowie ergänzend auch auf der bundesweiten Plattform www.dabonline.de.
 

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