Gruppenbild mit zwei Männern und einer Frau in der Mitte
Impulsgeber des Informationsabends (v. r.): Dr. Thomas Wilk (MHKBG NRW), Prof. Beate Wiemann (Vorsitzende BIM-Cluster NRW und HGF Bauwirtschaft NRW) sowie Simon Adenauer (AKNW). - Foto: Christof Rose

BIM-Cluster NRW streamte Fachinformationstreffen

Das gemeinsame Streben nach einem einheitlichen BIM-Standard sei ein entscheidender Antrieb für das BIM-Cluster NRW, damit es gelingen kann, das Building Information Modeling flächendeckend in der Büropraxis zu etablieren. Mit dieser Kernaussage begrüßte der Präsident der Architektenkammer NRW, Ernst Uhing, am 12. April zur ersten öffentlichen Online-Veranstaltung des Jahres 2021 des noch jungen „BIM-Cluster NRW e.V.“. Die Vereinsvorsitzende, Prof. Beate Wiemann, freute sich über die Teilnahme von rund 100 Vereinsmitgliedern und interessierten Gästen, die ein Update zum Thema „BIM und Bauinnovation“ erlebten.

13. April 2021Autor: Christof Rose

Erstes gedrucktes Wohnhaus in Deutschland

„Was für eine Entwicklung: Den Druck eines Wohnhauses hat vor wenigen Jahren noch kaum jemand für möglich gehalten!“ Mit diesen Worten führte Prof. Wiemann als Moderatorin des Informationsabends in den Vortrag von Architekt Waldemar Korte ein, der das Thema „Betondruck und BIM“ am Beispiel des ersten Wohnhauses in Deutschland vorstellte, das im 3D-Betondruckverfahren realisiert wurde.

Das von seinem Büro Mense-Korte ingenieure + architekten in Beckum realisierte Gebäude wurde mit der Technik des Contour-Craftings umgesetzt. Korte zeigte den Planungsablauf in BIM, bei dem die Druckdaten der Betonaußen und –innenwände mit der Bewehrung sowie den Sanitär- und Technikinstallationen erfasst und verbunden wurden. Das digitale Architekturmodell wurde anschließend in ein sogenanntes Fahrspurmodell für den Drucker übersetzt, wobei eine Kollisionsprüfung vorgenommen wurde. „Ein enormer Vorteil; wir konnten am Ende 95 Prozent der Elemente so umsetzen, wie wir sie geplant hatten“, resümierte Waldemar Korte. „Für mich als Architekten bedeutet das Betondruckverfahren mehr Designfreiheit, weil die Form des Gebäudes kostenneutral ist, egal ob rechtwinklig oder geschwungen.“ Zudem erreiche diese Arbeitsweise eine hohe Planungsqualität und eine große Planungstiefe, weil alle Fachdisziplinen ihre Angaben detailliert in das BIM-Modell einarbeiten müssten. „Alle diese Daten und eingeflossenen Erfahrungen können wir für künftige Projekte weiternutzen“, zeigte sich Architekt Waldemar Korte zuversichtlich.

In der Diskussion im Chat wurde u.a. über die Nachhaltigkeit des neuen Verfahrens gesprochen. Architekt Korte verwies darauf, dass das Druckverfahren ressourcensparend sei, weil die Wände optimal dünn gedruckt werden könnten. Zudem forsche man an dem Einsatz von ökologischen Baustoffen. „Die Zukunft wird grün“, sagte Korte.

Förderprojekte „Digitales Land NRW“

„Das ist ein echter Meilenstein, der den Markt revolutionieren wird“, zeigte sich auch Dr. Thomas Wilk, Abteilungsleiter im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW (MHKBG), von dem Projekt und der Technik überzeugt. Das Ministerium hatte das Beckumer Wohnhaus aus dem Drucker mit Fördermitteln von 200 000 Euro unterstützt. Thomas Wilk berichtete, dass sein Ministerium am 23. März eine Digitalkonferenz mit allen Kommunen im Land durchgeführt hatte. „Es gibt stellenweise sehr ausgeprägtes Wissen über BIM – aber noch lange nicht flächendeckend. Die Kommunen müssen zu Treibern der Entwicklung werden“, lautete das Ziel von Dr. Wilk.

Das Land habe den Kommunen, aber auch allen anderen Interessierten einen Handlungsleitfaden zur Verfügung gestellt, der auf der Homepage des MHKBG.NRW abgerufen werden könne. Zum Hintergrund erläuterte Dr. Thomas Wilk, dass das Bauministerium Ende 2019 vom nordrhein-westfälischen Landtag beauftragt worden sei, das „Innovative Bauen im 3D-Druckverfahren“ zu fördern. Die Fördersumme habe 2020 zunächst 750 000 Euro betragen, in den Jahren 2021 und 2022 jeweils 2,5 Millionen. Das seien im Bauwesen zwar keine großen Summen; gleichwohl könnten Forschungs- und Experimentalvorhaben zielgenau unterstützt werden. Die Fördermittel könnten durch Kommunen und öffentliche Träger, aber auch durch Private beantragt werden; und zwar sowohl für technische Innovationen als auch für Baustoff- oder Produktforschung in entsprechenden Projekten. Als aktuelle, spanndende Vorhaben nannte Dr. Wilk Forschungen zum Stahlbetondruck und zum Einsatz von Mauerseilrobotern.

Mitwirkung im BIM-Cluster erwünscht

Prof. Beate Wiemann lud abschließend alle Interessierten dazu ein, sich als Mitglied in den Verein „BIM-Cluster NRW“ einzubringen. Das facettenreiche Thema könne erfolgreich in Nordrhein-Westfalen vorangebracht werden, wenn alle Beteiligten eng kooperierten und sich regelmäßig zum fachlichen Austausch träfen. Das bekräftige auch AKNW-Präsident Ernst Uhing, der den BIM-Cluster NRW e.V. als wichtiges gemeinsames Branchenprojekt wertete.

www.bim-nrw.de

 

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