Carl Grossberg: Sachlich – magisch – visionär

Die Wiederentdeckung eines herausragenden Malers der Neuen Sachlichkeit kann im Von der Heydt-Museum erlebt werden: Das Wuppertaler Museum widmet Carl Grossberg (1894–1940) die erste Retrospektive seit über 30 Jahren. Das umfangreiche Werk des in Elberfeld geborenen Künstlers, das in einem Zeitraum von nur knapp 20 Jahren entstanden ist, widmet sich fast ausschließlich den Themen Architektur und Industrie.

19. März 2026von Pressemitteilung/Christof Rose
Carl Grossberg, Maschinensaal, 1925 Öl auf Leinwand, 70 x 60 cm Von der Heydt-Museum Wuppertal

Mit seiner formalen Klarheit und Strenge sind die Grossbergs Bilder Ausdruck eines neuen, fotografischen Sehens und spiegeln den technischen Fortschritt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Dabei regen die reduzierten Kompositionen dazu an, den industriellen Fortschritt und seine Wirkungen auf den Menschen kritisch zu hinterfragen.

Die Ausstellung betrachtet Carl Grossbergs Schaffen umfassend neu und präsentiert eine Reihe von bisher unbekannten Arbeiten. Dabei zeigt sich, wie aktuell Grossbergs Werke sind, in künstlerischer wie in gesellschaftlicher Hinsicht. Insbesondere die vieldeutig lesbaren „Traumbilder“, einzigartig in der Kunst der 1920er und 1930er Jahre, weisen ihn als hoch sensiblen Intellektuellen aus. Grossbergs Kunst beschwört die Magie der Dinge, macht die Komplexität der modernen Welt und ihre inneren Widersprüche sichtbar. Parallelen zu heute ergeben sich aus dem aktuell stattfindenden Strukturwandel mit noch unabsehbaren gesellschaftlichen Folgen, für den überzeugende visuelle Formen gerade ausgehandelt werden.

Carl Grossbergs Motivwahl und die Nüchternheit seiner Malerei sind untrennbar verbunden mit der gleichzeitig entstandenen Fotografie. Und sie haben ihrerseits wegweisende Fotograf*innen nachfolgender Generationen inspiriert. Beispielhaft ausgewählte Positionen von August Sander über Bernd und Hilla Becher bis hin zu Thomas Ruff machen das deutlich. Allerdings treffen Grossbergs Bilder heute auf einen fundamental anderen Umgang mit medialen Bildern, die in schneller Folge erzeugt, unablässig in digitale Netzwerke eingespeist und vielfachen Manipulationen unterworfen werden, bis sie nachgerade zu „Traumbildern“ werden können.

Das Von der Heydt-Museum realisiert die Ausstellung „Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär“ in Kooperation mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg (MiK). Beide Museen sind eng mit der Biografie des Künstlers verbunden: Der Elberfelder Künstler lebte ab 1921 in Sommerhausen, südlich von Würzburg. Dementsprechend ist er in den Sammlungen beider Häuser gut vertreten. 

Carl Grossberg: Sachlich – magisch – visionär, Von der Heydt-Museum Wuppertal, 22. März – 30. August 2026

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