Die letzte Reihe "Architektur und Film" über die "Faszination Wolkenkratzer" ist soeben beendet - während die Architektenkammer in Kooperation mit dem Filmmuseum schon über eine neue Reihe nachdenkt, zeigt die Black Box im Filmmuseum Düsseldorf derweil vom 3. bis 28. Juni in einer eigenen Reihe Filme, die sich unter dem Motto "Die radikale Stadt" mit lateinamerikanischen Metropolen auseinandersetzen. Mexico-City, Buenos Aires, Rio de Janeiro, Caracas, Havanna, Asuncion – das sind die Stationen einer rasanten filmischen Reise durch Lateinamerika, die die Black Box mit neun Filmen unternimmt.
Der rastlose Alltag in Megacities ist das Thema vieler Klassiker, die das lateinamerikanischen Kino in jüngster Zeit hervorgebracht hat: Amores Perros, City of Gods oder Tropa de Elite feierten weltweit große Erfolge, auf Festivals, bei der Kritik und im Kino.
Die Filme reflektieren vor dem Hintergrund der überaus dynamischen, hektischen Metropolen der Region den Kampf der Bewohner ums Überleben, ihre Suche nach Identität und Wurzeln, ihre Konfrontation mit undurchschaubarer Staatswillkür und zunehmender Gewalt. So verschieden die Städte sein mögen, sie kämpfen mit denselben Problemen. Durch die Industrialisierung setzte seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine massenhafte Landflucht ein, wodurch die Städte unkontrolliert wuchsen. Sie wurden zu Wirtschaftsmotoren, doch bald entwickelte sich eine Ungleichheit der Wohnverhältnisse (Gated Communities vs. Slums), hohe Kriminalität, Korruption und Luftverschmutzung.
Amores Perros (Mexico-City), City of God und Tropa de Elite (beide Rio de Janeiro) ziehen den Zuschauer vor allem durch die realistische, oft drastische Schilderung des Großstadtlebens in ihren Bann und haben fast dokumentarische Anmutung. Für City of God wurden Laien engagiert, die tatsächlich Slumbewohner sind, bei den Vorbereitungen zu Tropa de Elite berieten Ex-Polizisten, die in Spezialkommandos tätig waren.
Conducta (Havanna) und Pelo Malo (Caracas) stellen jeweils eine jugendliche Hauptfigur in den Mittelpunkt, die sich gegenüber einer feindseligen, korrupten Gesellschaft erwehren muss und tragen stark sozialkritische Züge. Night Market (Asuncion) und Nicotina (Mexico-City) sind klassische, spannende Kriminalfilme, die den Außenraum der pulsierenden Städte stark in die Handlung einbeziehen.
Sur begleitet einen ehemaligen politischen Gefangenen eine Nacht lang bei einem Streifzug durch Buenos Aires, Taxi – Eine Nacht in Buenos Aires ist eine Liebesgeschichte und zugleich Hommage an die Metropole.
Das grundsätzliche Risiko, Filme in lateinamerikanischen Großstädten zu drehen, fasst der Regisseur von Amores Perros, Alejandro Gonzalez Inarritu, lapidar zusammen: "Viele Regisseure haben Angst, in Mexico-City Filme zu drehen, deshalb sind die Schauplätze vieler mexikanischer Filme ländliche Gegenden, oder die Handlung wird einfach in die Vergangenheit gelegt."
>> Weitere Informationen auf der Website der Black Box.
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