Sprachen über Künstliche Intelligenz in der Planungspraxis (v.l.): Christof Rose (stellvertretender Geschäftsführer der Architektenkammer NRW und Moderator der Digital Mondays), Matthias Pfeifer (AKNW-Vorstand), Christina Gresser und Philipp Eichstädt (se.g architekten), Wolfram Putz (GRAFT Architects) sowie Dr. Dietmar Köring (ARPHENOTYPE).

Digital Monday #3: Wenn Maschinen träumen: Wie KI die Planung verändert

„Setzen Sie Künstliche Intelligenz in Ihrem Büro ein?“ – Mit dieser Frage startete Christof Rose, stellvertretender Geschäftsführer der Architektenkammer NRW und Moderator des Abends in den dritten und letzten Digital Monday der der Reihe 2026. Die Antwort darauf zeigte ein gemischtes Bild: Mit 39 Prozent gab die Mehrheit der Teilnehmenden an, KI manchmal im Büro zu nutzen. 20 Prozent arbeiten sogar regelmäßig mit KI – 23 Prozent meldeten jedoch, KI nie im Büroalltag zu verwenden. 18 Prozent planen, KI bei der Arbeit in Zukunft zu integrieren. Anreize dafür gaben die vielfältigen und auch praxisorientierten Impulse der Referent*innen, die live aus der Geschäftsstelle der AKNW im Düsseldorfer Medienhafen zugeschaltet waren. Rund 1600 Teilnehmende hatten sich online zum Abschluss der Reihe, die in Kooperation mit der Akademie der AKNW stattfand, zugeschaltet.

20. März 2026von Lea Thormeyer / Julia Verner

Das große Interesse an der Veranstaltung sendete ein starkes Signal: Die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz (KI) bewegt die Branche wie kaum ein anderes Thema. „Chancen und Risiken stehen bei der Nutzung von KI sehr nah beieinander“, erklärte AKNW-Vorstandsmitglied Matthias Pfeifer, der gemeinsam mit Dr. Dietmar Köring (Gesellschafter-Geschäftsführer bei ARPHENOTYPE, Köln / Arbeitsgruppe „KI“ der Bundesarchitektenkammer) den Eröffnungstalk zu den Positionen der Architektenkammern zu KI hielt. 

Durch Schulung und Austausch KI verstehen

Pfeifer erläuterte, dass KI zwar Prozesse verändere, nicht jedoch die grundsätzliche Verantwortung: „Architektinnen und Architekten bleiben die Systemführer im Planungsprozess“, so Pfeifer. Wichtig sei es daher, Hilfestellungen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz zu fördern – zum Beispiel durch gezielte Schulungsangebote.

Dr. Dietmar Köring hob das kreative Potenzial hervor, das KI für Architektur und Baukultur eröffnen könne. Wenn KI für repetitive Aufgaben eingesetzt werde, bleibe mehr Zeit für Kreativität. Damit die Nutzung von KI in Planungsbüros weiter vorangetrieben werden kann, seien vor allem Austauschformate von Bedeutung: Veranstaltungen, Fokusgespräche oder die Messen wie die digitalBAU schaffen dafür eine Plattform. Ein wichtiges Anliegen der Kammern sei zudem die Entwicklung eines „KI-Kodex“ – als gemeinsamer Leitfaden für verantwortliches Handeln. 

KI-Tools in der Praxis

Christina Gresser und Philipp Eichstädt (se.g architekten) beschäftigen sich intensiv mit der Nutzung verschiedener KI-Tools und ihrer Anwendungsbereiche. „Kann KI Architektur“ lautete ihre Leitfrage dabei, die zugleich Titel ihres bald erscheinenden Buchs ist. 

Gresser und Eichstädt präsentierten vier methodische Bausteine zur praktischen KI‑Nutzung:

  • Kontexte schaffen – KI benötigt präzise sprachliche Inputs, um Strukturen und Transkripte zu erzeugen.
  • Rapid Prototyping – KI‑Prognosesysteme können Entwurfsprozesse beschleunigen.
  • Vom Bild zum Plan – Bildgeneratoren visualisieren Varianten und Ideen.
  • Semantisches Verständnis – Bildgeneratoren erfassen zunehmend inhaltliche und räumliche Zusammenhänge.

Darüber hinaus betonten beide die Notwendigkeit, klar zu definieren, welchen Nutzen KI im eigenen Büro haben soll. Fehleranfälligkeit bleibe dabei ein Thema und auch DSGVO‑konforme Systeme bedeuteten keine automatische datenschutzrechtliche Sicherheit. 

Spielerisch mit KI anfangen

„Den meisten fällt auf, was die KI noch nicht kann, aber wir können uns das, was die KI bereits kann, zu Nutze machen“, ermutigte Phillipp Eichstädt die Zuschauerinnen und Zuschauer. Gresser appellierte zu einem spielerischen Umgang mit der KI: „Erwarten Sie nicht zu viel – probieren Sie sich aus.“ 

Praktische Anwendungsfelder reichen vom Strukturieren von Planungskonzepten über Entwurfsexperimente mit Bestandsfotos bis hin zu KI‑gestützten Checklisten in Genehmigungsprozessen. Eichstädt fasste zusammen: „KI kann keine Architektur – aber sie kann uns helfen, besser zu planen und zu entwerfen.“ Mehr Informationen zur Arbeit mit KI, zum Buch und zu Seminaren vom Studio Eichstädt Gresser sind abrufbar unter: www.se-g.com

Träumen mit Maschinen

Wolfram Putz, Gründungspartner bei GRAFT Architects, ordnete die KI‑Debatte in große gesellschaftliche Transformationsprozesse ein: geopolitische Unsicherheiten, der demografische Wandel und die Klimakrise stellen unsere Welt vor Herausforderungen. Diese Parameter würden unsere Zukunft stark beschleunigen. Gleichzeitig entwickele sich Künstliche Intelligenz rasant weiter.

Putz gewährte Einblicke in die KI‑Experimente seines Büros – von Open‑Source‑Anwendungen bis zur Entwicklung einer eigenen GRAFT‑KI namens „EDDI“. KI eröffne kreatives Potenzial, aber auch Risiken: „Amateure werden zum Planen ermächtigt – jeder kann Autor werden“, warnte er. Das könne die Baukultur verwässern. Zudem bleibe der Datenschutz ein ungelöstes Problem. Wichtig sei es auch, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wohin Informationen und Input weitergeleitet werden und zu hinterfragen, wer sich die eigenen Daten zu eigen mache.

Zuletzt zeigte Putz am Beispiel eigener Projekte wie GRAFT KI einsetzt. Anhand eines Projekts in Tiflis (Georgien) verdeutlichte er, wie KI als Co‑Autor im Entwurfsprozess agieren kann. „Wir können die Maschinen zum Träumen nutzen“, schloss Putz den Abend.

Mehr zum Thema „Digitalisierung“ gibt es auch auf der digitalBAU 2026 (24. – 26. März). 

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