Gemeinsame Vorstellung der Preisträgerarbeiten im Diskurs (v. l.): Prof. Rolf-Egon Westerheide (Vorstandsmitglied der Architektenkammer NRW) und Andrea Croé (Senior Curator Architecture & Urbanism SCHUNCK) mit EAP-Preisträger*innen Johannes Bergerfurth, Marie Becker und Fabian Jäger - Foto: Christof Rose / Architektenkammer NRW

EAP: Ausstellung zeigt ausgezeichnete Arbeiten von Absolvent*innen

Was beschäftigt Absolvent*innen der Architekturstudiengänge in der Euregio? – Diese Frage beantwortet der „Euregionale Architekturpreis“, dessen Ergebnisse aktuell in der Architektenkammer NRW ausgestellt werden. „Gerade in diesem Jahr sehen wir bei den ausgezeichneten Arbeiten Themen, die von besonders hoher Relevanz für unseren Berufsstand sind - und die damit eine Vorbildfunktion einnehmen“, lobte Andrea Croé, Senior Curator Architecture & Urbanism bei SCHUNCK, im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 3. Februar.

12. Februar 2026von Lea Thormeyer

Der „EAP“, der vom interdisziplinären Kulturinstitut SCHUNCK im niederländischen Heerlen ausgelobt und organisiert wird, zeichnet jährlich Masterarbeiten der Euregio-Architekturfakultäten in Aachen, Hasselt, Lüttich und Maastricht aus. Im vergangenen Jahr wurden die Auszeichnungen zum 35. Mal vergeben. Die Architektenkammer NRW unterstützt das Preisverfahren, mit dem talentierte Nachwuchs-Architektinnen und -Architekten bei ihrem Start ins Berufsleben unterstützt werden sollen, als Kooperationspartnerin. Nun werden die sechs ausgezeichneten Arbeiten (drei Preise und drei Anerkennungen; vier davon Arbeiten von Studierenden der RWTH Aachen) bis zum 27. Februar in einer Ausstellung im Foyer der Geschäftsstelle der Architektenkammer NRW im Düsseldorfer Medienhafen präsentiert. 

„Es fällt auf, dass sich alle Arbeiten mehr oder weniger mit den Beständen auseinandersetzen“, konstatierte AKNW-Vorstandsmitglied Prof. Rolf-Egon Westerheide anlässlich der Vernissage. Die Arbeiten zeigten eine große handwerkliche Begabung der Studierenden. „Ich sehe hier, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen einen neuen Geist entwickeln, der sicherlich auch in der beruflichen Praxis spürbar werden wird“, so Westerheide, der mit einem Rundgang durch die Ausstellung den Abend moderierte.

Vom Bürogebäude zum Wohnort für Geflüchtete

Drei der Preisträger*innen waren nach Düsseldorf angereist, um ihre Arbeiten dem interessierten Publikum vorzustellen. Marie Becker, die eine lobende Erwähnung für ihre Arbeit „Heimat um/bauen. Vom Leerstand zum adaptiven Lebensraum für Geflüchtete" erhalten hatte, präsentierte ihren Entwurf, der den Umbau eines leerstehenden Bürogebäudes in zentraler Lage in Düsseldorf zu einem Mixed-Use-Haus mit Wohnraum für Geflüchtete behandelt. Während in den oberen Geschossen kleine Wohnungen mit flexibler Möblierung vorgesehen sind, soll das Erdgeschoss als offener Ort der Begegnung mit Atelierräumen und Restaurants gestaltet werden. „Wenn man grundsätzlich anerkennt, dass Geflüchtete ein Recht auf Wohnen haben und auch sehr wohl in unser Stadtbild gehören, dann kann Architektur dazu beitragen, dass Menschen sich wertgeschätzt und sicher fühlen“, schloss Marie Becker ihren Vortrag. 

Neues Leben für Systembau der 1960er

Wie ein leerstehendes universitäres Gebäude wiederbelebt werden kann, zeigte Johannes Bergerfurth mit seiner Arbeit „Ein Griff in den Baukasten – Umbauen auf den Marburger Lahnbergen“, die mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Bergerfurth beschäftigte sich mit Gebäuden der Universität in Marburg, die in den 1960er Jahren nach dem „Marburger Bausystem“ errichtet wurden – dem ersten Fertigteilbaukonzept im deutschen Hochschulbau. Durch das verwendete System waren die Gebäude flexibel und leicht erweiterbar angelegt. Dennoch wurde dieses Potenzial nie richtig im Sinne von Ergänzungsbauten genutzt; stattdessen wurden an anderen Stellen neue universitäre Einrichtungen geschaffen. Der Systembau selbst stand schließlich leer und wurde nur durch den Denkmalschutz vor dem Abriss bewahrt. Johannes Bergerfurths Entwurf schlägt beispielhaft für das Chemiegebäude eine Revitalisierung des Geländes durch die Einrichtung einer Bauakademie vor. Eine Mischnutzung mit Kita, Mensa, Sportstätten und Gästehaus soll mehr Menschen an den Campus holen. „Das Projekt geht sehr bewusst mit dem Thema graue Energie um“, lobte Prof. Rolf Westerheide.

Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit

Erstmals in der Geschichte des EAP wurde 2025 ein geteilter 1. Preis verliehen. Einen davon erhielt Fabian Jäger für seine Arbeit „Framework for Occupation“, ein Neubauprojekt, das sich dennoch indirekt mit dem Bestand auseinandersetzt.

Jäger orientierte sich bei seinem Entwurf an einer seit vielen Jahrzehnten bewährten Typologie: der des Berliner Mietshauses der Gründerzeit. Das Credo von Fabian Jäger für seine Arbeit: Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit. Das werde durch eine möglichst flexible Bauweise erreicht, führte Jäger aus. 

So sieht der Entwurf einen großen nutzungsneutralen Raum vor, der jederzeit an die Bedürfnisse seiner Bewohnerinnen und Bewohner angepasst werden kann. „Ich schaffe nur das ‚Framework‘, die Bühne für spätere Nutzungen“, erläuterte der angehende Architekt. Darüber hinaus spiele das schichtenarme Bauen (im Sinne des Gebäudetyps-E) eine wichtige Rolle im Entwurf. „Architektur ist für Dich erkennbar die Position, etwas zu ermöglichen“, fasste Prof. Westerheide zusammen und hob dabei die Präzision des Entwurfs hervor.

In starkem Kontrast dazu stand der andere 1. Preis, der an Judith Baumeister und Frederike Hagen für das Projekt „Bunte Bauhütte“ verliehen wurde. Das Selbstbauprojekt – der Wiederaufbau eines Gartenhäuschens aus gesammelten Fundstücken - zeige den kleinmaßstäblichen Versuch, etwas aus zufällig gefundenen und gesammelten Materialien zu erbauen, hatte die Jury gelobt.

Die prämierten Projekte verdeutlichen, welch innovatives Potenzial im euregionalen Austausch steckt. Diesen grenzüberschreitenden Dialog möchte die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als Kooperationspartnerin des EAP künftig noch weiter intensivieren.

Die ausgezeichneten Arbeiten des 35. EAP:

Ausstellung „35. Euregionaler Architekturpreis“ (EAP25). Bis zum 27. Februar in der Architektenkammer NRW.

Öffnungszeiten: Mo. – Do. 8:00 – 17:00 Uhr; Fr. 8:00 – 13:00 Uhr.

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  • Den 3. Preis erhielt die Arbeit - „Ein Griff in den Baukasten – Umbauen auf den Marburger Lahnbergen“ von Johannes Bergerfurth (RWTH Aachen). - Foto: Lea Thormeyer / Architektenkammer NRW
  • Nachhaltigkeit durch Langlebigkeit: Das möchte die Arbeit von Fabian Berger erreichen. Jäger erhielt für seinen Entwurf einen der beiden 1. Preise. - Foto: Lea Thormeyer / Architektenkammer NRW
  • Präsentation und Gespräch: Drei der Preisträger*innen standen Rede und Antwort. - Foto: Christof Rose / Architektenkammer NRW
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