Das Hands-on-Projekt der Stiftung Deutscher Architekten führte in zu Jahresbeginn 2026 zum dritten Mal nach Mae Sot in Thailand. Eine Gruppe von zwölf angehenden Architekturschaffenden und Junior-Mitgliedern aus Nordrhein-Westfalen reiste Anfang Januar in die Grenzregion zu Myanmar/Burma, um dort gemeinsam mit lokalen Partnern neue Schulräume für Kinder von Geflüchteten zu errichten.
Die Arbeit mit regionalen und wiederverwendeten Materialien sowie der Wissensaustausch mit örtlichen Arbeitskräften standen im Mittelpunkt des Projektes – das erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Für die Gruppe junger Planerinnen und Planer begann der Aufenthalt in Thailand mit Architekturführungen durch die Hauptstadt Bangkok. Geleitet von den Architekten Artison Wangpraseurt und Alexandra Polyakova sowie dem Landschaftsarchitekten Goustan Bodin erhielten die Teilnehmenden erste fachspezifische Einblicke in Kultur, Bauweisen und städtische Strukturen Thailands.
Anschließend ging es weiter nach Mae Sot an der Grenze zu Myanmar. Dort unterstützte die Gruppe das Migrant Learning Center „Ah Yone Oo“. Aufgrund der stetig steigenden Zahl von Kriegsflüchtlingen aus Burma wächst auch der Bedarf an Bildungsangeboten. Für viele Kinder stellen die Migrant Learning Centers die einzige Möglichkeit dar, in Sicherheit zu lernen, eine schulische Routine zu erleben und ein Stück Normalität im Alltag zu finden. Das Zentrum wird von der lokalen Hilfsorganisation „Help Without Frontiers“ unterstützt.
Gemeinsam mit dem Architekten Jan Glasmeier von Simple Architecture und dem Verein Social Architecture e.V. konnten die Teilnehmenden über mehrere Wochen hinweg den gesamten Prozess des analogen Entwerfens und Bauens unmittelbar erfahren. Vor Ort wurden mehr als 2.000 Lehmsteine selbst produziert, von der Sonne getrocknet und anschließend verbaut. Die Dächer entstanden aus wiederverwendetem Teakholz, während der Boden aus gebrannten Ziegeln gefertigt wurde. Auf diese Weise entstanden zwei neue Klassenhäuser sowie eine Aula.
Neben funktionalen Anforderungen wie Klima, Licht und Luft spielte für die Gruppe auch die räumliche Qualität eine zentrale Rolle. Einbauschränke, kleine Gucköffnungen, eine lebendige Fassadengestaltung sowie integrierte Sitzbänke wurden bewusst mitgeplant, um den Kindern Orte zum Lernen, Entdecken und Verweilen zu schaffen.
Während der Bauphase besuchten zudem zahlreiche Gäste die Baustelle. Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Botschaft machten sich vor Ort ein Bild vom Projekt. Auch die jährliche Gruppe der Harrow School aus Bangkok war zu Gast; deren Schülerinnen und Schüler beteiligten sich aktiv an der Herstellung der Lehmsteine. Darüber hinaus brachten Architektinnen und Architekten, ehemalige Hands-on-Teilnehmende sowie Fachleute für natürliche Baustoffe ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein. Auch die Geschäftsführerin der Organisation Freedom Restoration Project besuchte das Projekt, um sich über den Fortschritt zu informieren. Im Rahmen dieser Besuche fanden Fachvorführungen statt, die den Austausch von Know-how im Bereich des nachhaltigen Bauens förderten. Die internationale Beteiligung unterstrich die Bedeutung des Projekts und seine Wirkung über die Region hinaus.
Besonders prägend ist jedes Jahr die Zusammenarbeit mit den burmesischen Experten. Sie unterstützen die Gruppe nicht nur tatkräftig auf der Baustelle, sondern vermitteln auch traditionelle Bauweisen und handwerkliche Techniken. Dabei entstehen Begegnungen und Freundschaften, die weit über das gemeinsame Planen und Bauen hinausreichen.
Nach fünf intensiven Wochen konnten die fertigen Gebäude schließlich feierlich an den Rektor der Schule sowie an die Schülerinnen und Schüler übergeben werden. Nur kurze Zeit später zogen die Kinder bereits mit ihren Tischen und Stühlen in die neuen Räume ein und begannen, sie mit Leben zu füllen.
Das Hands-on-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Architektur über fachliche Grenzen hinaus Menschen zusammenbringen, neue Lebensräume schaffen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen kann. Die Förderung von Baukultur, Bildung, Nachwuchs sowie nachhaltigem Bauen gehört zu den zentralen Anliegen der Stiftung Deutscher Architekten.
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts blicken wir mit großer Freude auf diese intensive Zeit zurück. Die zahlreichen Erfahrungen, Entwicklungen, Begegnungen und gemeinsamen Bauprozesse haben einmal mehr gezeigt, welches Potenzial in diesem Format steckt. Die Stiftung Deutscher Architekten freut sich darauf, auch in Zukunft weitere Projekte dieser Art zu realisieren.
Teilen via