Gleiche Chancen für alle!

Vorstand befasste sich mit den Aktivitäten des Arbeitskreises „Gleichstellung“ der Architektenkammer NRW.

21. Dezember 2020von Christof Rose

Der gesellschaftlich zunehmend forcierte Anspruch, allen Menschen gleiche berufliche Chancen zu bieten, beschäftigte den Vorstand in seiner Dezember-Sitzung. „Wir befassen uns in Ausstellungen wie ‚Frau Architekt‘ oder der Fachtagung ‚Inklusiv gestalten‘ intensiv mit Fragen der Gleichstellung, und zwar aus ganz unterschiedlichen Perspektiven“, erklärte Präsident Ernst Uhing einleitend. Es sei ein wichtiger Schritt gewesen, dass die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen vor zwei Jahren einen Arbeitskreis „Chancengleichheit“ berufen hatte. Dessen Vorsitzende war in der Vorstandssitzung am 1. Dezember 2020 zu Gast.

„Unser Arbeitskreis verfolgt ein umfassendes Verständnis von Chancengleichheit“, stellte die Düsseldorfer Innenarchitektin Barbara Eitner zunächst fest. Der mit neun Architektinnen und Planerinnen besetzte Arbeitskreis beziehe in seine Überlegungen die Geschlechter, alle Altersstufen, familiäre Hintergründe bzw. Herkünfte sowie auch die Fachrichtungen mit ein. Als Schwerpunkte habe der Arbeitskreis die Themenfelder „Sichtbarkeit“, „Berufsbild“ sowie „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ gesetzt. Um diese Themen mit der Fachöffentlichkeit diskutieren zu können, sei ein großer „Tag der Chancengleichheit“ im Haus der Architektinnen und Architekten geplant gewesen. „Da wir dieses Projekt aufgrund der Corona-Pandemie bisher nicht umsetzen konnten, arbeiten wir nun an einer Reihe von Kurzfilmen mit Best-Practice-Beispielen aus der Mitgliedschaft“, erklärte Barbara Eitner, die sich auch auf Ebene der Bundesarchitektenkammer in einem entsprechenden Arbeitskreis engagiert.
Der Vorstand dankte Barbara Eitner für das Engagement und bat darum, die intensive Arbeit fortzusetzen. „Die Realisierung besserer Chancengleichheit geht alle Mitglieder an und kommt dem gesamten Berufsstand zugute“, betonte Kammerpräsident Enst Uhing.

Digitaler Bauantrag
„Es geht voran“, zog Vorstandsmitglied Martin Friedrich, Vorsitzender des Ausschusses Dienstleistungen, Recht, Sachverständigenwesen, ein positives Zwischenfazit zum digitalen Bauantrag. Das NRW-Bauministerium werde eine Abfrage unter den Kommunen starten, wer sich in welcher Form an dem landesweiten Bauportal zum digitalen Bauantrag beteiligen möchte. In Kürze sind Anträge für das einfache Genehmigungsverfahren möglich, die weiteren Verfahren werden folgen.
Kritisch sieht die AKNW noch die vorgesehene Regelung, dass die Bauherrschaft auch eigenverantwortlich den Bauantrag einreichen kann. Hier werde der Entwurf der neuen Rechtsverordnung auf Drängen der Architektenkammer einen Passus enthalten, dass der Entwurfsverfasser bzw. die Entwurfsverfasserin in einem solchen Fall automatisch einen Hinweis erhält.

Bauhaus Europa
Das von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigte Projekt „Bauhaus Europa“ weckt bei der Architektenschaft große Erwartungen. „Zum ersten Mal in vielen Jahren wird unser Berufsstand damit auf europäischer Ebene direkt angesprochen und seine kulturelle Leistung hervorgehoben“, machte Prof. Rolf-Egon Westerheide, Mitglied im Ausschuss Internationales auf Ebene der Bundesarchitektenkammer, die Bedeutung des Projektes klar. Es sei deshalb wichtig, dass sich die deutsche Architektenschaft aktiv einbringe.
Am Tag der Vorstandssitzung wurde bei einem Informellen Ministertreffen zur Stadtentwicklung im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Neue Leipzig-Charta beschlossen. Die Charta bildet die Grundsätze einer modernen Stadtentwicklungspolitik ab und betrachtet die Kommunen als zentrale Akteure der Erneuerungspolitik. „Hier ist das Land gefordert, an die konkrete Umsetzung zu gehen und die Kommunen zu unterstützen“, zeigte sich der Kammervorstand einig.

HOAI: Nach der Novellierung...
Mit dem 1. Januar 2021 treten die novellierte HOAI und das Architektenleistungsgesetz in Kraft. Der Vorstand unterstrich das Dienstleistungsangebot der Architektenkammer an die Mitglieder, sich auf der Homepage www.aknw.de umfassend über die neuen Regelungen zu informieren und in einem übersichtlichen FAQ-Katalog die wichtigsten Fragen beantwortet zu finden.
Der Vorstand begrüßte zudem das bundesweit abgestimmte Vorgehen, nach dem ersten Schritt der Anpassung der HOAI an die Vorgaben der Europäischen Union zu den Mindest- und Höchstsätzen nun unmittelbar die nächste Novellierungsstufe anzugehen – mit dem Ziel, die Honorartafeln anzupassen und insgesamt anzuheben. 

Novellierung des Baukammerngesetzes NRW
Noch in der Entwurfsphase befindet sich die Vorlage des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung zur Novellierung des nordrhein-westfälischen Baukammerngesetzes. Präsident Ernst Uhing berichtete dem Vorstand dazu über einen intensiven Austausch mit Ministerin Ina Scharrenbach in Düsseldorf. Die Ministerin habe sich vielen Anregungen der AKNW gegenüber offen gezeigt, so Uhing (vgl. ausführlichen Bericht rechts). „Wir hoffen, dass der Novellierungsentwurf nun in Bälde vorliegt und wir in die Verbändeanhörung gehen können“, erklärte der Kammerpräsident. „Wir brauchen dringend ine zeitgemäße Anpassung des für unsere Arbeit grundlegenden Gesetzes!“

Corona-Befragung III
Die Lage der Architekturbüros in Deutschland war auch im Corona-Herbst 20202 noch vergleichsweise stabil. Claus Klein, Vorsitzender des Ausschusses für Belange der Tätigkeitsarten, fasste in der Vorstandssitzung die Ergebnisse der dritten „Corona-Folgen-Befragung“ der Bundesarchitektenkammer zusammen.
Demnach stellte zwar jeder dritte der befragten Architekten bzw. Ingenieure negative Auswirkungen der Krise auf das eigene Büro fest; in den vorausgegangenen Befragungen waren diese Werte aber noch deutlich schlechter ausgefallen. Dagegen häuften sich im Herbst 2020 (erwartungsgemäß) Meldungen von Personalausfällen in Büros und auf Baustellen aufgrund von Corona-Ereignissen.
Auf finanzielle Hilfen waren noch 18 Prozent der Büroinhaber angewiesen (April: 34 %, Juni: 24 %). Jedes zweite Büro (47 %) konnte in gleichem Maße wie vor der Pandemie neue Aufträge akquirieren. 44 % erhielten Aufträge, aber in geringerem Maße als üblich.

Corona-Infos auf aknw.de
Der Vorstand begrüßte die Erweiterung der „Corona-Informationen“ auf der Homepage der Architektenkammer NRW. Dr. Florian Hartmann informierte über die Restrukturierung des Sonderbereichs, der nun in die thematischen Felder Recht, Öffentliches Baurecht, Arbeitswelt, Vergabe und temporäre Mehrwertsteuersenkung gegliedert worden und damit übersichtlicher geworden sei. Auch Hinweise zu Finanzhilfen für Planungsbüros, zu Fortbildungsangeboten während der Pandemie sowie zum mobilen Arbeiten sind klar gegliedert und schnell abrufbar.

Neues Architektenparlament
Nach Abschluss der Wahl zur XII. Vertreterversammlung der AKNW wird sich das neue Architektenparlament am 6. März 2021 zu seiner konstituierenden Sitzung treffen. Der Vorstand bestimmte Münster zum Tagungsort.

 

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