7. UrbanSlam! der AKNW mit (v. l.): Ernst Uhing (Präsident AKNW), Patrycja Muc (Moderatorin, vorne), Anna Michelle Ußler (Gewinnerin), Kilian Kresing, Prof. Judith Reitz (PBSA), Max Salzberger, Christopher Neuwirth, Profi-Slammerin Meral Ziegler und Peter Köddermann (Geschäftsführer Baukultur NRW). - Foto: Mathias Kehren

Das Video zum 7. UrbanSlam ist nun online!

„Die urbane Mine ist leider nicht, was der Bauherr will. Denn der sagt: Das ist nicht neu, sondern Müll.“ Mit ihrem in Reimen vorgetragenen Beitrag zu dem Zwiespalt, das Richtige zu wollen und doch das Falsche umsetzen zu müssen, konnte Anna Michelle Ußler den 7. UrbanSlam! der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen für sich entscheiden.

24. Juni 2022Autor*in: Christof Rose

Die Master-Studentin der Bergischen Universität Wuppertal brachte die Herausforderungen, vor denen der Berufsstand gegenwärtig steht, pointiert und in mitreißender Form auf den Punkt. Auch die weiteren drei Slammer konnten mit ihren Beiträgen frische Ideen und Impulse für das Leitthema geben: „Nachhaltig Planen und Bauen“.

Der 7. UrbanSlam! der AKNW fand im Rahmen des „Solar Decathlon Europe 2021/22“ am 11. Juni auf dem SDE-Gelände in Wuppertal statt. Als „featured scientist“ gab Prof. Judith Reitz von der PBSA Düsseldorf zunächst einen schwungvollen Eingangsimpuls. Mit einem Stadt-Rap griff sie das Verhältnis von Stadt und Land, Stadtrand und Randstadt auf. „Die aktuellen Krisen haben die Bruchlinien, die sich durch unsere Städte ziehen, noch einmal deutlicher hervortreten lassen“, so ihre Diagnose. Das Wachstum der Riesenmetropolen in Asien und Afrika werde die Ungleichheit und die „Nicht-Klimagerechtigkeit“ verstärken. Umso wichtiger sei es, heute bei uns über die resiliente Stadt, die robuste und sozial gerechte Stadt nachzudenken, um gemeinsam Elemente und Strategien mit Vorbildcharakter zu entwickeln.

„Wir brauchen neue Konzepte für ein wirklich nachhaltiges Bauen“, forderte Max Salzberger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TH Köln. „InterACT – Laboratory for Architecture, Crafts and Technology“ hieß das Projekt, das er als Slam präsentierte. Ziel sei die Schaffung von Wohnraum unter Kriterien des Klimaschutzes und insbesondere einer Reduzierung des Materialverbrauchs, aber auch der Realisierbarkeit und Finanzierbarkeit. Sein Konzept sieht einen digitalen Planungsprozess für Holzbaumodule vor, die dezentral gefertigt werden und dann schnell vor Ort zusammengefügt werden können. Alle Planungsunterlagen werden direkt aus dem digitalen Modell generiert und an die Produktion übergeben.

Die „Buzz-Words“ „re-use vs. long-life“ beschäftigen Kilian Kresing. Der junge Architekt aus Düsseldorf/Münster führte durchaus selbstkritisch in seinen Slam ein: „Wir haben in den letzten Jahrzehnten viel Geld für Falsches ausgegeben – Glaskästen, Dämmwunder, stylische Bauten.“ Heute sei die Branche klüger, müsse nun aber auch konsequent den richtigen Weg gehen. Anhand von vier Praxisbeispielen zeigte Kresing, wie etwa ein unscheinbares Haus aus den 1960er Jahren durch kreative Überarbeitung und gezielte Markenbildung „im bestehenden ökologischen Fußabdruck erneuert“ werden konnte („Raspberry Haus“). „Man muss solche Dinge auch einfach ausprobieren“, sagte Kilian Kresing.

Mit Begeisterung berichtete auch Slammer Christopher Neuwirth von einem realisierten Stadtreparatur-Projekt: dem „Stadtsaal am Bushof“ in Aachen. Neuwirth, der an der RWTH Architektur studiert, stellte den Prozess vor, der dazu geführt habe, dass ein städtischer Unort, nämlich ein ungenutzter Treppenabgang zu einer Fußgängerunterführung aus den 1970er Jahren, die schon lange geschlossen war, in einen lebendigen öffentlichen Raum Aachen verwandelt wurde. Der neue „Stadtsaal“ diene als Ort für Ausstellungen, Präsentationen und den Austausch. Der Umbau der Treppenanlage sei mit recycelten Materialien erfolgt. „Nutzt Eure hässlichen Ecken“, lautete der Schlussappell vn Slammer Christopher Neuwirth.

Die junge Generation müsse nach vorne blicken, lautete das zentrale Statement von Ernst Uhing, dem Präsidenten der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. „Die in den Slams vorgestellten Projektideen und Haltungen beweisen: Ihr kennt den Weg. Lasst ihn uns gemeinsam gehen!“

Auch Peter Köddermann, Programmgeschäftsführer der Landesinitiative Baukultur NRW, zeigte sich begeistert: „Der UrbanSlam hat wieder einmal bewiesen: Gemeinsam über Architektur nachzudenken, ist nicht nur inhaltlich bereichernd; es macht auch einfach Spaß!“  

Best of: 7. UrbanSlam – Nachhaltig planen und bauen!

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