AKNW-Präsidentin Katja Domschky (rechts) und der Leiter des Studiengangs Architektur und Mediamanagement der Hochschule Bochum, Prof. Jan Krause (links), mit den Studierenden des Masterstudiengangs, die das AMM Symposium organisiert hatten. - Foto: M. Brans

KI als Game Changer: 19. AMM Symposium in Bochum

Das englische Verb "to shift“ bedeutet so viel, wie „verschieben, wechseln, sich ändern“. Gleichzeitig steht die „Shift“-Taste auf dem Computer für ein Umschalten – auf Groß- oder Kleinschreibung sowie auf verschiedene Tastaturbelegungen. Genauso wollten die Organisatorinnen und Organisatoren des 19. AMM Symposiums an der Hochschule Bochum ihre Tagung Anfang April verstanden wissen: Als fokussierten Blick auf den sich vollziehenden Wandel in der Branche durch Künstliche Intelligenz (KI).

16. April 2026von Melanie Brans

Entsprechend stand das 19. AMM Symposium in der Bluebox in Bochum unter dem Titel „AI SHIFT“. In Vorträgen und Workshops befasste es sich damit, wie Künstliche Intelligenz die Arbeit in Architektur und Kommunikation verändert.

Organisator*innen des Symposiums waren die Master-Studierenden des Studiengangs Architektur und Mediamanagement (AMM) in Bochum. Rund 300 fachlich Interessierte kamen zusammen (500 weitere waren online zugeschaltet), um zu diskutieren, wie KI für das „Umstellen“ gewohnter Arbeitsweisen im Entwurf, in Prozessen und in der Kommunikation sorgt.

Vom Werkzeug zur kollaborativen Intelligenz

Prof. Jan Krause, Leiter des AMM Studiengangs, begrüßte die Teilnehmenden und erklärte, wieso das Thema nun zum dritten Mal in Folge im Mittelpunkt steht: „KI ist ein ,Game Changer‘.“ In Bezug zum Kongresstitel appellierte er, es sei höchste Zeit umzuschalten. „Wir kommen aus der Nummer nicht mehr raus!“

Aus Forschungssicht lenkte Krause den Blick auf den Rollenwechsel, den die Künstliche Intelligenz binnen kürzester Zeit vollzogen hat: Vom anfänglichen „weiteren Arbeitswerkzeug“ wurde sie zum „digitalen Assistenten“. Inzwischen sei sie eine „kollaborative Intelligenz“. Krause: „Wir stehen an der Schwelle einer Zeit, in der die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine neu definiert wird. Das müssen wir bewusst gestalten und verantwortungsvoll in Praxis und Lehre integrieren.“

Reallabor und „Open University“

Wie das gelingen kann und bereits gelingt, spiegelte das Programm, das die Master-Studierenden für das Symposium zusammengestellt hatten. Für sie sind die AMM Symposien ein spannendes Reallabor, in dem sie durch deren Organisation die Berufspraxis in der Architekturvermittlung und im thematischen Umgang mit der medialen Darstellung von Planung erproben. Die Besucherinnen und Besucher profitieren dafür von einer „Open University“ mit aktuellen Einblicken in Forschungsschwerpunkte und Praxis.

AKNW als Partnerin des AMM-Symposiums

Die Architektenkammer NRW war in diesem Jahr zum wiederholten Mal Kooperationspartnerin des AMM Symposiums. AKNW-Präsidentin Katja Domschky, selbst Absolventin des Studiengangs, lenkte den Blick darauf, wie KI das Berufsfeld von Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten sowie Stadtplaner*innen bereits verändert.

„Der Weg zum Ziel ist kürzer geworden“, konstatierte Domschky. Daraus folge aber nicht, dass KI die Kernkompetenz von Architekt*innen und Planern ersetzen könne. „Architektinnen und Architekten behalten eine zentrale Rolle: bei der Bewertung, der Einordnung und der Entscheidung – auch und gerade von digitalen Prozessen“, so die Präsidentin. Dazu nannte sie Beispiele: Entwurf und Visualisierung, Grundrissoptimierung und Variantenentwicklung, Energieberechnung und Nachhaltigkeitsanalyse – KI erarbeite hier mithilfe der Vorgaben von Architekten und Planerinnen längst Lösungen. Aber: „Einordnen und Bewerten, Entscheiden – das bleibt bei uns! Für Qualität und Nachhaltigkeit zu werben, die gebaute Umwelt zu erklären – das nimmt uns keine KI ab.“

„Sneakpeek“ auf den Baukulturbericht 2025/2026

Alle zwei Jahre gibt die Bundesstiftung Baukultur den Baukulturbericht heraus. Das nächste Mal wird der offizielle Statusbericht zum Planen und Bauen in Deutschland im Juni in Berlin vorgestellt. Den Besucher*innen des AMM-Symposiums brachte Reiner Nagel, Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, einen „Sneakpeek“ mit.

Mit „Gestalten“ wird dieser appellativer als sonst überschrieben sein – und sich auch mit KI und deren Wirken auf das Planen und Bauen befassen. Die KI-Entwicklung möge rasant sein. „Aber“, so Nagel, „Bauwerke sind so ziemlich das Langlebigste, was wir haben.“ Der kommende Baukulturbericht belege: Alle am Bau Beteiligten bleiben relevant. Und aus anschaulichen Beispielen, Zahlen und Analysen leitet er ab: „Baukultur ist Empathie für den Ort, das kann KI nicht ersetzen. Unsere Häuser kriegen wir nicht mit KI gebaut und mit Druckern gedruckt.“

KI im Alltag

In weiteren Vorträgen stellten Referentinnen und Referenten aus Deutschland und Europa vor, wie KI das Entwerfen nachhaltiger Gebäudekonzepte erleichtert, das zirkuläre Bauen strukturiert, das Planen und Bauen im Bestand präzisiert und an vielen anderen Stellen ganz praktisch den Büroalltag verändert. In Workshops konnten die Kongressbesucher KI-Tools mit dem Schwerpunkt Media-Management austesten.

Verantwortungsvoller Umgang mit KI

Am Ende bekam eine unerwartete Akteurin das Wort: die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Referent Jonathan Niesel lenkte den Blick auf den Energiehunger von KI-Systemen. KI sei Hoffnungsträger und werde zum fähigen Mitarbeiter. Aber das sei nur die eine Seite. „KI frisst auch Strom, Wasser und Ressourcen“, sagte Niesel mit Blick auf riesige Serverfarmen der Anbieter. Er appellierte an die Verantwortung der Nutzer*innen und warb für einen bedachten Umgang. Niesel: „Ziel muss sein, dass der ökologische Nutzen die Umweltbelastungen übertrifft. Oder einfacher: So viel KI wie nötig und so wenig wie möglich.“

Weitere Informationen zu den AMM Symposien der Hochschule Bochum gibt es hier

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  • 300 Gäste vor Ort und ca 500 online folgten dem Kongressprogramm in der Bluebox in Bochum. - Foto: Ricardo Feldmann/Hochschule Bochum
  • "Der Weg zum Ziel ist kürzer geworden" - AKNW-Präsidentin Katja Domschky sprach auf dem AMM Symposium darüber, wie KI das Berufsfeld verändert. - Foto: Ricardo Feldmann
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