Staatliches Lob für das Kammerwesen - Ein Kommentar von AKNW-Vizepräsident Klaus Brüggenolte

„Ohne das Kammersystem und die damit verbundene Pflichtmitgliedschaft würden die wichtigen Funktionen der funktionalen Selbstverwaltung auch für die Unternehmen verloren gehen“, heißt es in der Stellungnahme der Bundesregierung.

15. September 2022
Dipl.-Ing. Architekt VAA Klaus Brüggenolte
Dipl.-Ing. Architekt VAA Klaus Brüggenolte - Foto: Lohnzich

Liebe Kollegin,
lieber Kollege!

„Kleine Anfragen“ dienen im politischen Betrieb nicht selten weniger der Klärung eines Sachverhalts als dem Ziel, den politischen Gegner zu ärgern oder in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Eine „Kleine Anfrage“ der AfD-Fraktion im Bundestag hat nun aber zu einer – aus Sicht unseres Berufsstandes – erfreulichen Klarstellung geführt,  nämlich zu einer grundlegenden Bekräftigung des bewährten Kammerwesens ins Deutschland.
„Ohne das Kammersystem und die damit verbundene Pflichtmitgliedschaft würden die wichtigen Funktionen der funktionalen Selbstverwaltung auch für die Unternehmen verloren gehen“, heißt es in der Stellungnahme der Bundesregierung. Und weiter: „Die Schaffung staatsunmittelbarer Strukturen und Einrichtungen – z. B. neuer Berufsaufsichtsbehörden – anstelle des Kammersystems würden nach Einschätzung der Bundesregierung zudem höhere Kosten für die Betroffenen nach sich ziehen.“
Effizient, bürgernah, dem Wohl der Gesamtheit dienlich: Die Bundesregierung begründet auf Basis nachvollziehbarer Fakten, warum das Kammerwesen in Deutschland eine große Stärke und Stütze unserer demokratischen Gesellschaft ist. Dies sei umso wichtiger, als es immer wieder Angriffe aus der Europäischen Union gegen das deutsche Kammersystem gibt.

Die „Institution Architektenkammer Nordrhein-Westfalen“ hat in diesem Jahr mit dem Inkrafttreten des novellierten Baukammerngesetzes NRW eine weitere, wichtige Stärkung erfahren: Seit Mitte März dürfen wir schon Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge der Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung als „Junior-Mitglieder“ in unsere Reihen aufnehmen. Das ermöglicht uns nicht nur eine intensivere Nachwuchsarbeit für den Berufsstand, sondern stellt auch die Altersmischung in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen auf eine breitere Basis. Gerade mit Blick auf die Themenfelder Klimaschutz, nachhaltiges Planen und Bauen, Recyclingwirtschaft und Wertschätzung des Gebäudebestandes ist die Aufnahme von Junior-Architektinnen und -architekten aller Fachrichtungen eine wertvolle Entwicklung für unsere Kammer.
Wir sind in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 32 000 Kolleginnen und Kollegen weiterhin die größte deutsche Architektenkammer. Das ist eine Verpflichtung, uns immer wieder aktiv einzubringen und die Themen der Zeit mit Nachdruck voranzutreiben. Wir tun dies über unsere vielfältige Mitarbeit in den Gremien der Bundesarchitektenkammer – oft als federführende Kammer.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: In den Architektenkammern der Bundesländer spricht der Berufsstand in eigener Sache, aber auch in Verantwortung für die Gemeinschaft. Architektur ist zu Recht in unserem Staatssystem als Kulturgut eingestuft, und damit immer einer Gemeinverpflichtung unterworten. Das gilt auch für die Arbeit der Architektenkammer NRW. Das Baukammerngesetz unseres Landes formuliert es so: „Aufgabe der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen ist es, die Baukultur, die Baukunst, das Bauwesen, das barrierefreie Bauen, den Städtebau und die Landschaftspflege unter Beachtung des Schutzes der natürlichen Lebensgrundlagen zu fördern.“ (§2, Abs. 1 BauKaG NRW)
Glücklicherweise sind viele Kolleginnen und Kollegen dazu bereit, sich ehrenamtlich in den Gremien der AKNW zu engagieren. Viele tun dies über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg, wie bei der Ehrung langjähriger ehemaliger Mitglieder der Vertreterversammlung im September in Dortmund deutlich wurde.

Das Kammerwesen erfährt übrigens gegenwärtig eine weitere Stärkung: Mit der laufenden Gründung der neuen „Pflegekammer NRW“ entsteht eine weitere berufsständische Selbstverwaltung, die noch einmal deutlich mehr Mitglieder haben wird als die AKNW. Wir unterstützen die Arbeit des „Errichtungsausschusses“ der Pflegekammer mit unserem Kammer-Know-how; im Sinne kollegialer Hilfe, aber auch, um deutlich zu machen: Je mehr Berufsgruppen sich selbst verwalten, desto weniger muss der Staat sich kümmern. Und desto näher an den Bürgerinnen und Bürgern arbeiten die Verwaltungen zusammen.


In diesem Sinne grüßt Sie herzlich
Klaus Brüggenolte, Ihr Vizepräsident der Architekenkammer NRW

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