„Bernd und Hilla Becher haben ganz wesentlich unsere Wahrnehmung für Industriebauten geprägt“, erklärte Gabriele Conrath-Scholl, Kuratorin der Ausstellung „Bernd und Hilla Becher. Geschichte einer Methode“ (05.09.2025 - 01.02.2026 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn) anlässlich eines „Architektur und Film-Specials“ der Architektenkammer NRW mit dem Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf am 6. November im Kölner Filmhaus. Als besonderer Gast im ausgebuchten Kinosaal war die Regisseurin des Films, Marianne Kapfer, zum Talk mit Gabriele Conrath-Scholl eingeladen.
Der Film von Marianne Kapfer gab tiefe Einblicke in das Werk von Bernd und Hilla Becher, die mit ihren Schwarz-Weiß-Fotografien von industriellen Bauwerken internationale Bekanntheit erlangten. Sie begründeten zudem die Düsseldorfer Photoschule der Kunstakademie, die eine ganze Reihe an heute renommierten Fotokünstlerinnen und Künstlern hervorbrachte (unter vielen anderen Andreas Gursky, Thomas Struth und Candida Höfer).
Marianne Kapfer, die als Nichte von Bernd und Hilla Becher einen sehr persönlichen Bezug zum Werk des Paars hat, zeichnet in ihrem Film in ruhigen Bildern den Werdegang der Bechers nach – von dem Beginn ihrer Leidenschaft für das Fotografieren in der Jugend und den ersten Fotografien als Paar, über die Lehrtätigkeit Bernd Bechers an der Kunstakademie Düsseldorf bis zu den letzten Lebensjahren (Bernd Becher starb 2007, Hilla Becher 2015). Hauptsächlich lässt Kapfer dabei das Paar in Interviews selbst die eigene Geschichte erzählen.
Mit den Filmaufnahmen begonnen hatte Kapfer 2002, als Bernd und Hilla Becher mit dem Erasmuspreis ausgezeichnet wurden. 2006 wurde der Film unter dem Titel „Man muss sich beeilen – alles verschwindet“ in einer Kurzversion auf ARTE ausgestrahlt; die im Filmhaus gezeigte Fassung datiert von 2015. Ein Kern des Films sind die Fotografien der Bechers – Bilder von Zechen, Fördertürmen, Hochöfen, Wassertürmen, Gasbehältern und Getreidesilos, die anschließend mit aktuelleren Videoaufnahmen von Kapfer (gedreht mit einer alten russischen 35mm Dokumentarfilmkamera) gegenübergestellt werden.
Dabei wird nicht nur deutlich, wie umfangreich das Œuvre der Bechers ist, sondern auch, was für eine immense Bedeutung diese Fotos für die Kunstgeschichte und die Bewahrung der industriellen Baukultur haben. Denn ab den 1950er Jahren wurden, mit dem beginnenden Strukturwandel in Deutschland, viele Industriebauwerke stillgelegt und abgerissen. Die Bechers haben diesen Prozess ihr ganzes Leben lang begleitet und dadurch vieles festgehalten, was heute nicht mehr vorhanden ist. „Es war ein Wettlauf mit der Zeit“, erklärte Marianne Kapfer.
Mit einer Großformatkamera bereisten Bernd und Hilla Becher zu Beginn ihres Schaffens das Siegerland sowie das Ruhrgebiet und fotografierten dort stillgelegte Zechen, Fabriken und Hochöfen. Später dokumentierten sie auch in England, Frankreich und den USA industrielle Architektur, welcher der Abriss drohte. Nüchtern-sachlich bewahren die Fotografien so die Zeugnisse einer verschwindenden Industrielandschaft. „Ohne die Bechers würden wir Industriebauten heute anders sehen, sie haben unseren Blick für diese Art von Bauten geschult“, machte Gabriele Conrath-Scholl deutlich. „Bernd und Hilla Becher führten die sachlich-dokumentarische Fotografie aus der Frühzeit weiter bis in die Gegenwart.“
Trotz der Sachlichkeit der Fotos zeigt der Film jedoch auch, dass das Paar die Komposition der Bilder nicht dem Zufall überlässt. So sieht man, wie Bernd Becher kurzerhand zur Säge greift, als ein Bäumchen das Foto stört. „Bei aller Dokumentation – es sind Eingriffe da, die idealisierend sind“, erläuterte Gabriele Conrath-Scholl im Talk.
Neben Interviews mit dem Künstlerehepaar kommen im Film auch ehemalige Studentinnen und Studenten der Becher-Klasse zu Wort, die mit teilweise humorvollen Anekdoten ein lebendiges Bild der Lehrtätigkeit von Bernd Becher an der Kunstakademie zeichnen. Dabei wurde klar: Obwohl offiziell nur Bernd Becher die Professur innehatte, war auch Hilla Becher eine prägende Figur für die angehenden Fotokünstlerinnen und Künstler. Dennoch erhielt Hilla Becher nie eine Professur.
Generell war die Gleichberechtigung der beiden Ehepartner ein wichtiges Thema, das kritisch sowohl im Film als auch im Talk diskutiert wurde. Zwar laufe das gesamte Werk unter beiden Namen – obwohl einige Fotografien sogar allein von Hilla Becher aufgenommen wurden – aber dennoch bekam oftmals Bernd Becher die größere Anerkennung. Zu Unrecht, wie auch sein Sohn, Max Becher, im Film kritisch anmerkt. Er ist ebenfalls Fotograf, arbeitet eng mit seiner Frau zusammen und sagt ganz klar: Er möchte es besser machen – deshalb werde seine Frau bei gemeinsamen Werken immer als erste genannt.
Der Film „Die Fotografen Bernd und Hilla Becher“ ist Teil der Reihe „Architektur und Film“, die im Oktober gestartet ist. Weitere Termine (bis zum 7.12.) finden Sie im Flyer zur Reihe (PDF).
Teilen via