Auftakt im Haus der Architekten (v. l.): Antonino Vultaggio (HPP Architekten), Dr. Christine Lemaitre (DGNB), Ernst Uhing (Präs. AKNW), Andrea Gebhard (Präs. BAK), Gerhard Feldmeyer (HPP) – Foto: Christof Rose / Architektenkammer NRW

„Phase Nachhaltigkeit“ besucht The Cradle

Was ist unsere wichtigste Ressource in Sachen Nachhaltigkeit? „Die Zeit“, beantwortete Dr. Christine Lemaitre die selbstgestellte Frage im Rahmen der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB), hatte gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer und der Architektenkammer NRW am 17. Mai ins Haus der Architekten in den Düsseldorfer Medienhafen eingeladen, um über die aktuellen Strategien zur Umsetzung der europäischen und deutschen Klimaschutzziele zu diskutieren. „Alles was wir heute bauen, muss zukunftsfähig sein“, betonte Dr. Lemaitre, „denn wir werden diese Gebäude in den kommenden zehn Jahren nicht mehr anfassen.“

19. Mai 2022Autor*in: Christof Rose

Dieses Bewusstsein müsse sich im Berufsstand der Architekten und Stadtplaner durchsetzen, betonte auch Ernst Uhing, der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, in seiner Begrüßung im Haus der Architektinnen und Architekten. Der Vorstand der AKNW arbeite mit Hochdruck daran, Instrumente und Maßnahmen für ein „neues Denken im Bauen“ zu entwickeln und in die Mitgliedschaft zu tragen; über Information, Diskussion und Seminarangebote, aber auch über die Präsentation realisierter Bauten, die der Orientierung dienen können.

Auch die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Andrea Gebhard, appellierte an alle Berufsträgerinnen und Berufsträger, sich in diesem Themenfeld fortzubilden. „Wir müssen deutlich machen, dass wir Planerinnen und Planer aller Fachrichtungen diejenigen sind, die es können - und die es auch machen.“ Wichtig sei zudem, die notwendigen politischen Rahmenbedingungen einzufordern, etwa technische Vorgaben und passende Förderkulissen.

Ein Bauwerk, das durchgehend nach dem Prinzip „cradle to cradle“ geplant wurde und welches gegenwärtig errichtet wird, ist das multifunktionale Bürogebäude „The Cradle“ im Düsseldorfer Medienhafen. HPP Architekten konzipierten das Objekt mit dem Bauherren Interboden seit 2017 vollständig mit der Planungsmethode BIM als Holz-Hybrid-Bau, dessen einzelne Elemente zu 97 Prozent rückbaubar und wiederverwendbar sind, wie Projektarchitekt Antonino Vultaggio erläuterte. Im Rahmen eines Baustellenbesuchs stellte er den rund 80 Teilnehmenden der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ mit seinem Kollegen Martin Nienhaus und dem Senior-Partner Gerhard Feldmeyer das „Leuchtturmprojekt The Cralde“ vor. „Für uns handelt es sich nicht um einen Standardbau, sondern um ein Forschungsprojekt, an dem wir auch jeden Tag dazu lernen“, erklärte Architekt Gerhard Feldmeyer.

„The Cradle“ wird - um einen Betonkern - überwiegend mit Holz errichtet, das rückbaubar eingebracht wird. „Wir verstehen dieses Bauwerk auf urbane Mine, und das soll auch von außen deutlich ablesbar sein“, erklärte HPP-Senior-Partner Antonino Vultaggio. Das Gebäude werden durch seinen offenen Erdgeschossbereich und die grünen Außenflächen zudem einen Beitrag zum sozialen Leben im Quartier Medienhafen leisten. 

Der Vor-Ort-Besuch der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ endete im Hauptsitz von HPP Architekten im Medienhafen, der mit seinem geschützten Innenhof den Rahmen bot, um die Eindrücke des Baustellenbesuchs zu vertiefen und sich über Fragen des nachhaltigen Planens und Bauens weiter auszutauschen.

Ziel der Initiative „Phase Nachhaltigkeit“ ist die Transformation der Planungspraxis hin zur Nachhaltigkeit als „neuem Normal“. Info: www.phase-nachhaltigkeit.jetzt

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