In Zeiten beschleunigter Genehmigungsverfahren und der fortschreitenden Digitalisierung von Planungsprozessen kommt der Qualitätssicherung im Planen und Bauen eine immer größere Bedeutung zu. Diese Kernaussage zog sich durch die Sitzungen des Vorstands der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen im Februar und März 2026. „Der Bauturbo der Bundesregierung zeigt den Willen zur Vereinfachung und Beschleunigung von Bauverfahren, das ist gut“, erklärte Kammerpräsident Ernst Uhing. „Allerdings müssen parallel dazu Instrumente geschärft werden, die städtebauliche Entwicklungen und baukulturelle Qualitäten sicherstellen.“
Der Kammervorstand befasste sich u.a. mit den Folgen des „Bauturbos“, der am 30.10.25 in Kraft getreten war.
Die deutschen Architektenkammern haben über die Bundesarchitektenkammer in einem Positionspapier auf die zu erwartende grundlegende Reform des BauGBs reagiert. Darin betont die BAK die Notwendigkeit, nachhaltige Stadtentwicklungsstrategien zu fördern, um eine effizientere, gemeinwohlorientierte, qualitätvolle und klimagerechte Planung und Bauweise voranzutreiben. Gefordert wird u.a. eine Stärkung und Vereinfachung der Bauleitplanung, die Einführung einer verbindlichen „Phase 0“, um die Bauleitplanung zu beschleunigen, sowie die Fokussierung von Bebauungsplänen auf städtebaulich relevante Festsetzungen, um die Effizienz zu steigern. „Wir meinen, dass die ‚Dreifache Innenentwicklung‘ in der Bauleitplanung genauso verankert werden sollte wie CO₂-Vorgaben“, heißt es in dem Papier. Des Weiteren fordern die Kammern eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern, u. a. durch Instrumente wie Konzeptvergabe und kommunale Bodenfonds.
Lebhaft diskutierte der AKNW-Vorstand den Entwurf der neuen Landesbauordnung, deren Kernpunkte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach auf dem Neujahrsempfang der AKNW vorgestellt hatte. Mit dem Ansatz „Mehr Eigenverantwortung“ greift der Novellierungsentwurf eine Kernforderung der AKNW auf. Der Novellierungsentwurf sei grundsätzlich ein „richtiger Weg in die richtige Richtung“, wie es Manfred Krick als Vorsitzender des Ausschusses „Planen, Bauen, Technik“ formulierte. Zu begrüßen sei etwa die deutliche Reduzierung der verpflichtend anzuwendenden Normen um 90 Prozent. Auch die Verankerung des digitalen Bauantrags in der Landesbauordnung folge den Vorschlägen der Baukammern.
Allerdings bekräftigte der Vorstand die kritische Haltung der Kammer zur „Genehmigungsfiktion“ sowie zum geplanten Abbau des Denkmalschutzes für Sicherheitsarchitekturen. Insgesamt müssten die geplanten Sonderregelungen für alle öffentlichen Bauten, die für die Sicherheit als wichtig eingestuft werden, noch geschärft werden. Hier gelte: Langfristige Qualitäten in Architektur und Städtebau dürften nicht übereilten Maßnahmen geopfert werden.
Auch die fortschreitende digitale Durchdringung des Planungssektors stelle Architektinnen und Architekten vor die Herausforderung, Qualitätsmaßstäbe zu wahren und auf baukulturelle Anforderungen hinzuweisen, stellte der Vorstand der Architektenkammer NRW fest.
Konkrete Entwicklungen und Potenziale von Digitalisierung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigte die AKNW in ihrem Online-Veranstaltungsformat „digital MONDAYs“ auf, das an drei Montagabenden im März jeweils rund 1500 interessierte Kammermitglieder und Gäste zusammenführte. In Thmenfeldern wie „KI und Städtebau“, „Parametrisches Entwerfen“ und „KI-Tools in der Praxis“ präsentierten Forscher*innen und Praktiker*innen neue Entwicklungen in Planungstools und -prozessen, die vor allem eins deutlich machten: KI ist kein reines Instrument mehr, sondern entwickelt seine Stärken vor allem in den Arbeitsbereichen Analyse- und Prognose – und damit im Schaffen von Entwurfsvarianten - deutlich weiter.
Wie Matthias Pfeifer als Vorsitzender des Ausschusses „Beruf, Innovation, Digitalisierung“ ankündigte, werden die Erkenntnisse aus den Vorträgen in die Gremienarbeit einfließen – und sollen u.a. im Rahmen der Fachmesse „digitalBau“ vertieft werden, die vom 24. bis 26. März in Köln stattfindet. Die Architektenkammer NRW ist mit einem Info-Stand auf der großen Fachmesse für Digitalisierung im Planungs- und Bausektor vertreten und gibt in zwei Forumsbeiträgen weitere Impulse.
K3. KI. Kunst und Kultur – unter diesem Namen ist in Nordrhein-Westfalen ein neues Netzwerk gegründet worden, in dem sich aktuell 23 Institutionen zusammengeschlossen haben. Unter der Federführung der „Akademie für Theater und Digitalität“ in Dortmund sollen innerhalb von drei Jahren Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote geschaffen und Transferformate organisiert werden. Das Förderprojekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft soll die Partner*innen verbinden, in einen konstruktiven Austausch bringen und Innovationsformate unterstützen. – Die beteiligten Institutionen sind (wie die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen) Mitglieder des Kulturrats NRW.
Alle zwei Jahre wird die bundesweite Struktur- und Gehaltsbefragung der Architektenkammern der Länder durchgeführt. Der BAK-Fragebogen enthält wie immer Fragen zur Person, zur beruflichen Tätigkeit sowie zur Personalstruktur und -entwicklung. Des Weiteren gibt es Fragen zu Rahmenbedingungen der beruflichen Tätigkeit, Fragen zum Gehalt für Angestellte wie auch Fragen zu Einkünften und Kosten sowie zur wirtschaftlichen Lage und Auftragsstruktur für Selbstständige. Ferner werden Fragen zur Honorarkalkulation, zu Wettbewerben sowie zur Digitalisierung und zu KI gestellt. „Für unsere berufspolitische Arbeit ist es wichtig, verlässliche Daten über die Branche zu kennen und argumentativ in die Gespräche mit der Politik einbringen zu können“, unterstrich Kammerpräsident Ernst Uhing. Die Befragungsschreiben sollen ab dem 4. Mai 2026 versandt werden. Der Befragungszeitraum erstreckt sich über einen Monat.
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