Wie kann – und sollte - das Architekturstudium auf die wachsende Bedeutung des Bauens im Bestand reagieren? Dieser Frage widmete sich der 4. Dekaninnen- und Dekane-Dialog der Architektenkammer Nordrhein‑Westfalen am 27. April 2026 im Baukunstarchiv NRW.
Dekaninnen, Dekanen und Vertreter*innen fast aller nordrhein-westfälischer Hochschulen traten am 27. April 2026 im Baukunstarchiv NRW in Dortmund in einen intensiven Austausch untereinander, aber auch mit Vertreter*innen aus dem AKNW Vorstand und dem Ausschuss „Berufsqualifikation“ der Kammer.
Nach der Neuwahl von Präsidium und Vorstand im März 2026 hatte die AKNW erstmals unter der neuen Präsidentin Katja Domschky zu dem Austauschformat eingeladen, mit dem die Kammer einen regelmäßigen, vertrauensvollen Kontakt zu den Hochschulen in NRW pflegt. Im Mittelpunkt stand diesmal das Leitthema „Vom Bestand zur Zukunft – Umbaukultur als Schlüssel nachhaltigen Bauens“.
In ihrem Impuls betonte Präsidentin Katja Domschky die Bedeutung des kontinuierlichen Austauschs zwischen Kammer und Hochschulen für die Weiterentwicklung des Berufsstandes. Angesichts sich wandelnder fachlicher und gesellschaftlicher Anforderungen sei es entscheidend, Erfahrungen aus Praxis, Lehre und Forschung zusammenzuführen. „Als AKNW können wir den Transformationsprozess berufspolitisch begleiten. Letztlich entwickeln wir das Berufsbild gemeinsam weiter“, so Präsidentin Domschky an die Dekaninnen und Dekane gerichtet. Der Berufsstand sei Dank seiner Schwarmintelligenz gut aufgestellt, um auf neue Herausforderungen zu reagieren und Themen aktiv zu gestalten.
Einen weiteren Impuls gab Prof. Dr. Christoph Grafe, Dekan der Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen der Bergischen Universität Wuppertal. Anhand mehrerer Studienarbeiten zeigte er die kreativen Potenziale des Bauens im Bestand - und wie sich diese in die Lehre implementieren lassen. „Wir setzen entsprechende Schwerpunkte zur Bestandsarbeit in den Aufgabenstellungen“, betonte Grafe. Deshalb seien größere Ergänzungen des Curriculums nicht notwendig. Er zeigte Studierendenprojekte, die Stadt und Gebäude als reparierbar begreifen und durch kleine, gezielte Eingriffe neue räumliche und funktionale Werte schaffen.
In der anschließenden Diskussion herrschte unter den Hochschulen großer Konsens: Umbauen erhöht die Komplexität der Architekturausbildung. „Unsere große pädagogische Herausforderung ist es, den Studierenden zu vermitteln, wie sie mit dieser hohen Komplexität umgehen können“, sagte Prof. Willem-Jan Beeren von der Alanus-Hochschule in Alfter. Das Arbeiten im Bestand konfrontiere Studierende mit widersprüchlichen Anforderungen – technischen, rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen zugleich.
Gerade diese Vielschichtigkeit wurde von den Dekaninnen und Dekanen als zentrale Qualität der Umbaukultur herausgestellt und als großes Potenzial für die Ausbildung bewertet. Einigkeit bestand darüber, dass Umbaukultur im Studium nicht nur als Einzelthema behandelt werden darf, sondern als Querschnittsthema zu verankern sei. Für Architektinnen und Architekten, Innenarchitekt*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen gelte es heute, Umbau, Weiterbauen und Ressourcenschonung stets mitzudenken. Auf Nachfrage von Moderator Christof Rose, stellvertretender Geschäftsführer der AKNW, bekräftigten die Dekan*innen allerdings, dass auch der Neubau für die junge Architekt*innengeneration ein relevantes Aufgabenfeld bleiben werde.
Der Dekaninnen- und Dekane-Dialog zeigte erneut, wie wichtig der offene Austausch zwischen Architektenkammer und Hochschulen ist. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Essen mit vielen Gesprächen und neuen Impulsen für die weitere Zusammenarbeit aus. Das Veranstaltungsformat wird fortgesetzt.
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