REHUB: Start-up-Unternehmer Timo Schroeder (l.) und Shahin Farahzadi im Gespräch mit Moderator Christof Rose – Screenshot: Architektenkammer NRW

Von Digitaloptimisten und Start-ups

Dritter „digital MONDAY“ der AKNW fragte nach erfolgreichen Strategien zur Marktimplementierung digitaler Planungstechniken.

30. März 2022von Bendix Loevenich / Simon Adenauer

Wie lassen sich BIM und neue digitale Techniken gewinnbringend in der Planungspraxis nutzen? Der dritte „digital MONDAY“ sprach am 28. März mit „Digitaloptimisten und Start-ups“.

„Hinter jedem Projekt - auch hinter denen, die wir bereits bei den vergangenen digital MONDAYs gesehen haben - stehen Menschen, die den Mut dazu haben, die Digitalisierung zu nutzen und einen technologischen Fortschritt zu wagen; seien es kleine oder große, junge oder schon langjährig erfahrene Unternehmen“, führte der Vizepräsident der Architektenkammer NRW, Klaus Brüggenolte, in den abendlichen Diskurs mit 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein.

Die Referenten Dr. Joaquin Ramirez Brey (Senior-BIM-Manager bei der Formitas AG) sowie die Geschäftsführer der „REHUB digitale Planer GmbH“ (Köln) Timo Schroeder und Shahin Farahzadi gewährten den Teilnehmenden einen intensiven Einblick in ihre Arbeit. Während die Formitas AG auf eine über 20-jährige Erfahrung zurückblicken kann, wurde REHUB erst Mitte vergangenen Jahres gegründet - und hat heute bereits mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

„Wie digitalisieren sich Architekten?“ Zu dieser Frage zeigte Dr. Joaquin Ramirez Brey Perspektiven zum Building Information Modeling (BIM), zu den Möglichkeiten des Einsatzes von virtual und augmented Reality sowie zum Einsatz weiterer digitaler Methoden auf Baustellen auf. „Der Druck zur Digitalisierung ist in allen Berufsfeldern spürbar, und auch die Produktivität hat sich in vielen Branchen extrem beschleunigt“, stellte Dr. Ramirez Brey fest. Im Vergleich zu anderen Branchen habe die Baubranche in diesem Bereich noch enormes Entwicklungspotenzial. Ramirez Brey stellte aber heraus, dass zumindest bei der digitalen Planung der Schritt von 2D- zur 3D-Planung und schließlich zur BIM-Methode jeweils eine deutliche Beschleunigung erfahren habe. „Es geht nicht nur um Technologien, sondern um das Mindset“, betonte Dr. Joaquin Ramirez Brey abschließend. Für eine erfolgreiche Digitalisierung reiche es nicht aus, „nur“ neue Technologien zu verwenden; vielmehr müssten kontinuierlich auch Arbeits-)Prozesse neu gedacht und angepasst werden.

„Unsere zentrale Idee ist, das Bauen und Betreiben von Immobilien digital und effizient zu ermöglichen“, erläuterten die jungen Geschäftsführer Timo Schroeder und Shahin Farahzadi die Motivation zur Gründung ihres Start-ups „REHUB digitale Planer GmbH“. Ein Weg dorthin sei beispielsweise die „Prefabrication“ und ein digital gesteuertes Baustellenmanagement, das die Arbeitsprozesse im Bauwesen enorm erleichtern und effizienter machen würde. Grundsätzlich sei ihr Ansatz, wiederkehrende Arbeitsschritte in Algorithmen zu übersetzen und durch den Computer durchführen zu lassen, sodass für qualifizierte Mitarbeiter*innen mehr Zeit für kreatives Arbeiten bleibe. Als Beispiel stellten Schroeder und Farahzadi eine eigens entwickelte Software im Bereich des Städtebaus vor. Hierbei entwirft ein Logarithmus unter Vorgabe des Grundstücks und rechtlicher Vorgaben denkbare Baukörper verschiedener Typologien, die ergänzend mittels Solarstudien auf Energieeffizienz hin untersucht werden können. „Wir wollen die Architektenschaft davon befreien, endlos Styrodurklötzchen basteln zu müssen.“ Mit ihrer Anwendung ließen sich mehr Varianten in kürzerer Zeit durchspielen und vergleichen, so die jungen Start-up-Unternehmer.

In der abschließenden Diskussionsrunde unter der Moderation von Christof Rose (Abteilungsleiter „Kommunikation“ der AKNW) wurde unter anderem die häufig aufgeworfene Frage diskutiert, ob der Architekt als Planer nicht durch den Einsatz fortschreitender künstlicher Intelligenz auf der Strecke bleibe. Alle Referenten zeigten sich einig: Es liege an der Architektenschaft, digitale Methoden zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die Technik werde die Planenden nicht ersetzen; vielmehr bleibe durch den Einsatz digitaler Methoden mehr Zeit, sich den gestalterischen und baukulturellen Fragestellungen zu widmen. – Eine Einschätzung, die das Auditorium überwiegend zu teilen schien. Digitaloptimisten eben.

Am 4. April wird der letzte digital MONDAY in diesem Jahr einen Blick über den Tellerrand werfen. Monika Hampe vom Deutschen-Hygiene-Museum in Dresden wird per virtuellem Rundgang durch die Ausstellung „Künstliche Intelligenz – Maschinen – Lernen – Menschheitsträume“ führen. Eine Anmeldung ist unter www.aknw.de/digital-mondays erforderlich.

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