Gute Laune nach erfolgreichen Slams: Jonathan Schmalöer, Gewinner des 6. UrbanSlam, mit (v. l.) Architektin Marie-Sophie und Helena Schulte, Liudmila Ivannikova, AKNW-Vizepräsidentin Katja Domschky, Rabea Ellersiek und Moderatorin Patrycja Muc. – Foto: Ingo Lammert / Architektenkammer NRW

Von DIN-Pandemie zur Autokorrektur

Denn das ist jetzt allen klar: Homeoffice ist einfach wunderbar!“ Der junge Planer Jonathan Schmalöer nutzte am 6. Oktober im „Haus der Architekten“ in Düsseldorf die Möglichkeiten des Slam-Formats geschickt aus: In einem langen, rhythmisch vorgetragenen Gedichtstext skizzierte er seine Wünsche und Visionen für die Stadt nach der Corona-Pandemie.

13. Oktober 2021Autor: Christof Rose

Unter dem Titel „Autokorrektur“ warb er für eine echte Verkehrswende, für mehr Grün und öffentliche Stadträume, für eine resiliente und lebenswerte Stadt der Menschen, nicht der Autos. Mit Erfolg: Mit dem lautesten Applaus kürten die 100 Besucherinnen und Besucher der auch live gestreamten Veranstaltung Jonathan Schmalöer zum Sieger des 6. UrbanSlam der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen - allerdings knapp.

Denn auch seine Mitstreiterinnen wussten das Publikum mit ganz unterschiedlichen Slams zu begeistern. Etwa das Schwesternpaar Helena und Marie-Sophie Schulte, die aus Paris resp. Köln nach Düsseldorf gekommen waren. Sie stellten ihr gemeinsam erarbeitetes Konzept „Der Raum ohne Eigenschaften“ vor. Auch sie gingen von den aktuellen Erlebnissen mit dem Arbeiten im Homeoffice aus und stellten in anspruchsvollen Mood-Boards dar, wie sich das Leben von Singles und Familien, von Paaren und WGs in den letzten Monaten gewandelt hat. „Die Pandemie hat unsere Nerven gehörig auf die Probe gestellt und gezeigt: Wir brauchen in unseren Wohnungen multifunktionale Räume, die in Grundriss und Ausstattung unterschiedliche Nutzungen zulassen“, postulierte die junge Architektin Marie-Sophie Schulte. Gemeinsam mit ihrer Schwester Helena erweiterte sie diese Überlegung in den zehn Minuten, die für jeden Slam maximal zur Verfügung standen, auf ein Konzept für die „Stadt ohne Eigenschaften“, die ebenfalls mehr Nutzungsflexibilität und Anpassungsfähigkeit bieten müsse.

Inwieweit lassen sich Anforderungen dieser Art in die Stadt in (typisch deutsche) DIN-Normen fassen? Diese leicht ironisch, aber ernst hinterlegt Fragestellung beantwortete Liudmila Ivannikova, die gebürtig aus Moskau stammt, aber Architektur in Cottbus studiert hat. In ihrem mit viel Witz vorgetragenen Slam deckte sie Analogien zwischen Corona-Schutzmaßnahmen und dem Baurecht auf, etwa das Maß 1,50 Meter für Infektionsschutz - und für Bewegungsflächen im barrierefreien Bauen. Als konkretes Projektbeispiel stellte die junge Architekturabsolventin die Planung für eine Förderschule vor, die auch in Zeiten eines Lockdowns nicht geschlossen werden kann. Vorgesehen wurden deshalb Räume für Kleingruppen mit je sieben Kindern, in denen der notwendige Abstand gewahrt werden konnte. „Wir müssen künftig beim Planen und Bauen Pandemie-Varianten mitdenken“, rief Liudmila Ivannikova die junge Planergeneration auf.

Mit eindrucksvollen und ausdrucksstarken Fotos wusste die vierte Slammerin Rabea Ellersiek zu überzeugen. Unter dem Titel „Flanieren durch die pandemische Stadt“ zeigte die Absolventin der PBSA Düsseldorf Impressionen aus der pandemischen Stadt, wobei vor allem Leere und Abstände deutlich wurden. „Stadt ist ein Organismus, der lebt und sich anpassen muss“, lautete ihre Folgerung. „Wir Planerinnen und Planer müssen auf die Wissenschaft hören, interdisziplinär denken und auf Veränderungen reagieren!“

In einem einführenden Impulsvortrag hatte zuvor Prof. Dr. Thorsten Scheer, Architekturhistoriker der PBSA Düsseldorf, darauf hingewiesen, dass pandemische Ereignisse zur Genese der Stadt gehörten. Illustriert durch Zeichnungen aus der Zeit der Pest- und Cholera-Pandemien in Europa machte er deutlich, dass die Ausbreitung der Infektionen jeweils entlang von Handelslinien liefen und die Einführung von Kanalisation und Straßenreinigung in Berlin, Hamburg und London durch die Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts vorangetrieben worden seien. „Wir müssen auch heute von der Pandemie lernen“, so auch seine Botschaft.

Der 6. UrbanSlam wurde von der Architektenkammer NRW erneut in Kooperation mit der Landesinitiative Baukultur Nordrhein-Westfalen durchgeführt. In einer gemeinsamen Begrüßung wiesen AKNW-Vizepräsidentin Katja Domschky und Baukultur-Geschäftsführer Peter Köddermann darauf hin, dass der Slam als junges, frisches Format wichtige Ideen und Impulse auf kreativen Wegen vermitteln könne. Der Abend im Haus der Architekten gab ihnen Recht.

Der Live-Stream zum 6.UrbanSlam kann hier abgerufen werden.

Best of: 6. UrbanSlam – Ideen zur Post-Corona-City!

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