Vorstandssitzung: Wohnraumförderung in der Diskussion

Die systematische und umfassende Förderung des Wohnungsbaus mit dem Ziel, kostengünstigen Mietwohnraum zur Verfügung stellen zu können, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Mit dieser Haltung beschloss der Vorstand der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in seiner Sitzung am 11. August eine Stellungnahme für das Anhörungsverfahren zur Wohnraumförderung, die Anfang September auf Antrag der SPD-Fraktion den nordrhein-westfälischen Landtag beschäftigten wird.

24. August 2020Autor: Christof Rose

„Die Wohnraumförderung ist in unserem Land finanziell gut ausgestattet“, stellte Kammerpräsident Ernst Uhing fest. „Wir brauchen aber neue Instrumente, damit die zur Verfügung stehenden Mittel auch seitens potenzieller Investoren abgerufen werden.“ Kritisch sieht die AKNW die aktuelle Entwicklung der Eigentumsförderung im ländlichen Bereich; hierdurch würden neue Siedlungen an Dorfrändern vorangebracht, die oftmals weder ökologisch noch ökonomisch nachhaltig seien.

Um dem Mangel an Bauland zu begegnen, empfiehlt die Architektenkammer in ihrer Stellungnahme, im NRW-Wohnraumförderprogramm einen zusätzlichen Baustein zu schaffen, der insbesondere Kommunen und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen darin unterstützt, geeignetes Bauland für die soziale Wohnraumförderung zu identifizieren und zu erwerben. „Vorbilder aus anderen Ländern zeigen, dass auch das Instrument des Erbbaurechts wieder stärker genutzt werden sollte“, unterstrich Ernst Uhing.

Digitalisierung steuern
Martin Friedrich, Vorsitzender des Ausschusses „Dienstleistungen, Recht, Sachverständigenwesen“, berichtete über die Fortschritte im Bereich des „Digitalen Bauantrages“. Erfreulich sei, dass die Landesregierung in allen wichtigen Punkten die Vorschläge der AKNW aufgenommen habe. Aktuell sei das „Bauportal.NRW“ noch ein reines Informationsportal; das MHKBG treibe die Entwicklung aber mit Nachdruck voran.

Verein „BIM-Cluster NRW“
Die Verbände-übergreifende Zusammenarbeit im „BIM Cluster NRW“ arbeitet ab sofort noch enger und strukturierter zusammen – in Form eines Vereins, der im Sommer beim Amtsgericht Düsseldorf angemeldet wurde. „Wir wünschen uns eine starke Gemeinschaft, um das Thema BIM aus NRW-Perspektive bundesweit vorantreiben zu können“, bekräftigte Vorstandsmitglied Martin Müller, der auch Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer ist. Alle Architektenverbände, aber auch alle Kammermitglieder seien eingeladen, sich im BIM-Cluster NRW e. V. zu engagieren. Die konstituierende Sitzung des neuen Vereins soll am 5. November im Haus der Architekten in Düsseldorf durchgeführt werden.

Baukultur NRW
„Wir wollen für baukulturelle Qualitäten sensibilisieren, Aufmerksamkeit dafür erregen und weitere Entwicklungen anstoßen.“ Auf diese Formel brachte Peter Köddermann, Programmgeschäftsführer der Baukultur Nordrhein-Westfalen, sein Konzept für die künftige Ausgestaltung der Landesinitiative. Ein wesentlicher Punkt dabei sei, dass künftig in der Architektur und der Stadtentwicklung „nichts mehr ohne Kommunikation laufen“ werde, so Köddermann in einem Vortrag vor dem Vorstand der AKNW. Deshalb wolle sich die Landesinitiative u. a. intensiv mit neuen Partizipationsverfahren beschäftigen.
Einen zweiten Schwerpunkt will der Programmgeschäftsführer der Landesinitiative auf die „Umbaukultur“ legen, also das Bauen im Bestand. Ein dritter Aspekt sei die Mischung von Stadt und die Multikodierung von Räumen. Nicht zuletzt habe sich die am 1. Januar 2020 neu aufgestellte Landesinitiative Baukultur Nordrhein-Westfalen vorgenommen, die baukulturellen Akteure im Lande stärker zusammenzubringen und sie konkret zu unterstützen.

2. Corona-Kurzbefragung
„Unser Berufsstand ist zurzeit noch deutlich weniger von der Corona-Pandemie betroffen als viele andere – aber mittelfristig werden gravierende Folgen befürchtet.“ Mit diesen Worten fasste Claus Klein, Vorsitzender des Ausschusses „Belange der Tätigkeitsarten“, die Ergebnisse der zweiten Corona-Kurzbefragung von bundesweit rund 5500 Kammermitgliedern zusammen.
Demnach spüren 62 Prozent der Befragten negative Auswirkungen der Corona-Krise.
46 Prozent befürchten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den kommenden drei Monaten. Auf den Personalbestand hat die Krise bislang aber offenbar bislang wenig Auswirkung: Nur 1,2 Prozent mussten Mitarbeiter entlassen; 12,3 Prozent reduzierten die Arbeitszeit.

Info „Nachhaltig Planen“
In der Reihe „Bauherren-Info“ beschloss der Vorstand die Produktion der inzwischen
13. Ausgabe, in der das nachhaltige Planen und Bauen für private Auftraggeber verständlich erläutert wird. „Ein Thema, das wachsende Aufmerksamkeit erfährt, auch bei privaten Bauherrinnen und Bauherren“, erläuterte die Vorsitzende des Ausschusses „Öffentlichkeitsarbeit“, Gabriele Richter. Die „Bauherren-Infos“ werden in den Bauherrenseminaren der AKNW, über die Homepage der Kammer sowie durch Mitglieder verbreitet.                 
 

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