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Vorstand: Wohnraumförderung attraktiver gestalten

Mit der Neuaufstellung der Landesbaukultur-Initiative werden der Diskurs und die Kommunikation über Themen der Architektur und des Städtebaus in Nordrhein-Westfalen mit neuen Impulsen versehen werden. Davon zeigte sich der Vorstand der Architektenkammer NRW in seiner Sitzung am 4. Februar in Düsseldorf überzeugt. „Es war ein starkes Signal, dass unsere Bauministerin Ina Scharrenbach den Neustart der Landesinitiative im Rahmen unseres Neujahrsempfangs im Haus der Architekten verkündet hat“, unterstrich Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW, in der Vorstandssitzung. Die AKNW werde ihre aktuellen Projekte - u. a. zur Umnutzung von Sakralbauten, zu Ausstellungen und „Sight Running NRW“ - mit der Baukultur Nordrhein-Westfalen fortführen und gemeinsam weitere Projekte entwickeln.

Intensiv befasste sich der Vorstand im Februar mit dem Thema der Wohnraumförderung in Nordrhein-Westfalen. Es sei bedauerlich, dass die guten Förderkonditionen, welche das Land zur Verfügung stelle, in der Praxis nicht ausgeschöpft wurden. Dr. Christian Schramm, der die Architektenkammer am 16. Januar in der Verbändeanhörung im Bauministerium vertreten hatte, konstatierte: „Das Bauen im geförderten Wohnungsbau war in der jüngeren Vergangenheit in vielen Städten unseres Landes nicht attraktiv genug.“ Dass die Mietstufen nun überarbeitet wurden, sei in der Anhörung durchweg positiv gewertet worden. „Ich gehe davon aus, dass das Interesse der Investoren jetzt wieder ansteigen wird“, so Christian Schramm im Vorstand der Architektenkammer NRW. Er habe dafür geworben, die Gebietskulissen künftig nicht länger an kommunalen Grenzen auszurichten, sondern regional zu definieren.

Wohnraum für Menschen mit Behinderungen

Aufgrund neuer Entwicklungen des Bundesteilhabegesetzes erfolgt die Förderung für Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Handicap künftig parallel nach der klassischen Wohnraumförderung und den speziellen „Bestimmungen zur Förderung von Wohnraum für Menschen mit Behinderungen“ (BWB). Wie Vorstandsmitglied Friederike Proff nach einem Fachgespräch im Landesbauministerium erläutern konnte, ist es nach den Wohnraumförderbestimmungen künftig möglich, einzelne Wohnungen mit besonderer Zweckbindung für behinderte Menschen gesondert zu fördern. Damit solle das politische Ziel „ambulant vor stationär“ vorangebracht werden, berichtete Friederike Proff. Begrüßt worden seien die neuen Tilgungsnachlässe von bis zu 25 Prozent, die bislang in der BWB unüblich gewesen seien. Kritisiert wurde in dem Fachaustausch, dass die Aufzugsförderung seit fünf Jahren unverändert geblieben ist; zudem wurde eine jährliche Evaluation der BWB (analog zur Wohnraumförderung) angeregt.

Umgang mit den Folgen der Klimakrise

Vorstandsmitglied Eric Wollesen berichtete dem Vorstand von einer weiteren Anhörung, die sich mit der Frage auseinandergesetzt hat, wie den Kommunen im Umgang mit den Folgeerscheinungen des Klimawandels geholfen werden könnte. „Es herrschte Einigkeit, dass in den Kommunen ein großer Beratungsbedarf besteht“, resümierte Eric Wollesen. Gleichwohl schreckten viele Kommunen aus Kostengründen davor zurück, „Klimaschutzmanager“ einzustellen. In der Anhörung sei intensiv über die Kosten-Nutzen-Relation von Energieeffizienzmaßnahmen sowie über die Zielkonflikte zwischen Klimaschutz und Umweltschutz diskutiert worden. „Letzten Endes führt an der Beratung vor Ort aber kein Weg vorbei, da für Bauherren zumeist individuelle Lösungen gefunden werden müssen“, so Wollesen.

Zweiter Landschaftsarchitektur-Studiengang?

Wie kann es gelingen, mehr Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten in NRW auszubilden? Mit dieser Frage befasste sich der Kammervorstand ein weiteres Mal, nachdem ein Antrag der Bergischen Gesamtuniversität auf Förderung der Einrichtung eines solchen Studiengangs durch das NRW-Wissenschaftsministerium negativ beschieden worden war. „Viele Architekturbüros, aber auch die öffentliche Hand suchen händeringend Landschaftsarchitekten“, beschrieb Kammerpräsident Ernst Uhing den Handlungsdruck. Zwar sei der einzige NRW-Studiengang „Landschaftsarchitektur“ in Höxter verdienstvoll und bilde hervorragend aus. „Dennoch benötigen wir in Nordrhein-Westfalen auch unabhängig von konjunkturellen Ausschlägen ein weiteres, zentral gelegenes Studienangebot“, bekräftige auch Karl-Heinz Danielzik, der die Fachrichtung im Kammervorstand vertritt.

Brexit-Folgen für Architekten

Unmittelbar nach dem formalen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Januar 2020 hatte die AKNW auf ihrer Homepage Informationen zu der Frage der Anerkennung von Berufsabschlüssen veröffentlicht. „Bis zum 31. Dezember dieses Jahres bleibt alles beim Alten“, fasste Justiziar Dr. Florian Hartmann gegenüber dem Vorstand die Sachlage zusammen. Solange würden Kolleginnen und Kollegen, die ihren Abschluss in Großbritannien gemacht haben, auch in der EU anerkannt. „Natürlich hoffen wir, dass es auch umgekehrt so bleibt.“ Alles Weitere werde sich zeigen, sobald das Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und Großbritannien vereinbart sein wird.

Autor: Christof Rose