Parlamentarisches Frühstück in Berlin: Reiner Nagel (l.), Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, BAK-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann (2. v. l.) und AKNW-Präsident Ernst Uhing (3. v. l.) übergaben das Vier-Punkte-Papier „Konjunkturbelebung“ an Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (r.) - Foto: Anja Grabert

Vier-Punkte-Plan zur Konjunkturbelebung

Die Corona-Krise kann und muss Innovationsmotor für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sein. Und: Der Bausektor kann zum Klimaschutz unter allen Wirtschaftszweigen den größten Beitrag leisten! - Mit dieser Überzeugung hat die deutsche Planungs- und Baubranche im Mai einen Vier-Punkte-Plan vorgeschlagen, der am 26. Mai wurde in Berlin im Rahmen eines Parlamentarischen Frühstücks vorgestellt wurde. Stellvertretend für die gesamte Planungs- und Bauwirtschaft übergaben die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, und Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, den Vier-Punkte-Plan „Konjunkturbelebung durch Innovation und Baukultur“ an Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. An dem Gespräch nahm auch der Präsident der größten deutschen Architektenkammer, AKNW-Präsident Ernst Uhing, teil.

28. Mai 2020Autor*in: Lea Pawelzik

Ziel des Papiers, das von einer großen Anzahl von Vereinigungen und Verbänden der Baubranche mitgetragen wird, ist es, der Politik Impulse für nachhaltige Maßnahmen zur Überwindung der Corona-Krise zu geben. Die Planungs- und Bauwirtschaft könne eine konjunkturelle „Lokomotivfunktion“ übernehmen, wenn laufende, vorbereitete und vorzuziehende Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, so der Tenor.

Die vier Punkte, die das Papier vorstellt, umfassen die Nutzung von Mitteln für Innovation und Zukunftsprojekte, die Umsetzung des Klimaschutzes im Bauwesen, die zügige Realisierung von bereits vorliegenden Planungen und die Schaffung einer soliden Basis für wirksame Konjunkturmaßnahmen. „Krisenhafte Situationen, wie wir sie gerade erleben, bieten für uns auch Chancen, die es jetzt zu nutzen gilt“, betonte Ernst Uhing in dem Gespräch in Berlin. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung sah Uhing Möglichkeiten zum Vorantreiben von Maßnahmen. Darunter fielen die Weiterentwicklung der Bereiche „Building Information Modeling (BIM)“ und die Etablierung des Digitalen Bauantrags. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass es bei der Bearbeitung von Bauanträgen oftmals zu Verzögerungen kommt, da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten und der Aktenzugriff fehle. Ein Digitaler Bauantrag würde auch in Zukunft die Bearbeitung der Anträge sichern, so Ernst Uhing.

Auch die Verfolgung der Klimaschutzziele ist ein zentrales Anliegen der Verfasser des Positionspapiers. Die Baubranche gilt schließlich als einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftszweige. Dabei forderte der Präsident der Architektenkammer NRW, den Fokus nicht allein auf die Energieerzeugung zu richten, sondern eine Kreislaufwirtschaft nach dem Prinzip „von der Wiege zur Wiege“ anzustreben.

Jede Investition biete Chancen für mehr Lebensqualität, und die Frage nach einem Mehrwert für unsere Gesellschaft müsse im Zentrum unseres Handelns stehen, betonte BAK-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann. „An jede Förderung sollte eine Forderung nach Qualität und Nachhaltigkeit geknüpft werden. Dabei muss der öffentliche Bauherr seine Vorbildfunktion wahrnehmen und gezielt in den Wert unserer gebauten Umwelt investieren, sowohl in den Städten als auch in ländlich geprägten Räumen.“
Weitere Aspekte des Vier-Punkte-Plans zielten auf die nachhaltige Transformation der Städte sowie die Schaffung preiswerten Wohnraums. Es müsse auf die neuen Wohn- und Arbeitsbedürfnisse einer sich wandelnden Gesellschaft eingegangen werden, empfahl die Autorengemeinschaft. Die Förderung der Experimentierfreudigkeit, auch mit öffentlichen Mitteln, wurde dabei als notwendiges Element definiert. Nicht zuletzt ruft der Vier-Punkte-Plan auch auf die Förderung der Qualifikation von Planerinnen und Planern auf, welche eine wichtige Aufgabe für die Zukunft sei.

Das Positionspapier „Konjunkturbelebung durch Innovation und Baukultur“ finden Sie hier.

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